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Atomkraft als Klimaretter? Die Realität zeigt: Sie ist teuer, langsam und nicht flexibel einsetzbar

Atomkraft ist nicht klimafreundlich, argumentiert Nikolaus Kowall (Foto: Unsplash/getty images; Wikipedia C.Stadler/Bwag, CC BY-SA 4.0)

Atomkraft ist nicht klimafreundlich, argumentiert Nikolaus Kowall (Foto: Unsplash/getty images; Wikipedia C.Stadler/Bwag, CC BY-SA 4.0)

Nikolaus Kowall Nikolaus Kowall
in Energie, Umwelt & Klima
Lesezeit:4 Minuten
1. Dezember 2025
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Die Atomlobby sagt, Atomkraft ist klimafreundlich und liefert uns sauberen Strom: Viel Leistung, wenig CO₂. Doch neue AKWs sind extrem teuer und brauchen Jahrzehnte bis zur Fertigstellung. Gleichzeitig kann Atomenergie gar nicht erfüllen, was wir in der Energiewende brauchen: Denn die gelingt nur, wenn Strom günstig, schnell und flexibel erzeugt werden kann – der Bau von Atomreaktoren kann nichts von alldem. Der Wiener Ökonom Nikolaus Kowall erklärt, warum Atomenergie weltweit an Bedeutung verliert.

Polen gewinnt mehr als die Hälfte seines Stroms aus Kohle. Keine andere Energieform bläst so viel CO₂ und Schadstoffe in die Luft. Das Land muss seine Stromproduktion also dringend umbauen – weg von Kohle, hin zu sauberer Energie. Ein Viertel des Stroms kommt in Polen schon aus erneuerbaren Quellen. Doch zusätzlich erscheint Atomkraft für Polen als verlockende Lösung: fast CO₂-frei, im Betrieb billig, extrem leistungsstark. Das geplante AKW, das Polen gemeinsam mit US-Unternehmen bauen möchte, könnte allein 15 % des gesamten Strombedarfs decken. Klingt perfekt, oder?

Immer wieder hören wir, Kernenergie wäre klimafreundlich und ein wichtiger Baustein der Energiewende. Die EU-Kommission stuft sie sogar als „bedingt nachhaltig“ ein.

Österreich ist dagegen: Die Bundesregierung klagte beim Europäischen Gerichtshof, weil sie Atomkraft wegen Sicherheitsrisiken, ungelöster Endlagerung und Umweltfolgen für eben nicht nachhaltig hält. Das Restrisiko schwerer Unfälle bleibt – trotz modernster Technik. Und bis heute gibt es in der EU kein einziges fertiges Endlager für hochradioaktiven Müll, der hunderttausende Jahre gefährlich bleibt. Auch der Uranabbau richtet massive Umweltschäden an.

Ein Argument, das untergeht: Atomkraft ist nicht wirtschaftlich – am Ende rechnet sie sich nicht

Selbst wenn man diese Ewigkeitsrisiken ignoriert, bleibt ein entscheidendes Argument: Atomkraft ist nicht wirtschaftlich. Warum? Das lässt sich leicht verstehen – und man braucht dafür kein Wirtschafts- oder Technikstudium.

Der promovierte Elektrotechniker Tim Meyer erklärt in seinem Buch „Strom“: In der industriellen Produktion zählt die Menge – nicht die Größe.

Schauen wir uns das bei der Photovoltaik an: Solarmodule bestehen aus wenigen Bauteilen und werden millionenfach hergestellt. Sie lassen sich einfach und schnell auf Dächern oder in Freiflächen montieren.

Ein Atomkraftwerk dagegen ist jeweils ein (riesiges) Einzelstück mit hunderttausenden Spezialteilen. Und Einzelstücke sind in der Produktion immer teuer. Das bestätigt die Geschichte seit 250 Jahren: Massentaugliches wird günstig – Einzelanfertigung wird teuer.

Atomkraftwerke zu bauen, ist langwieriger und teurer als es Regierungen kalkulieren

Wie teuer? Das zeigt ein Blick auf aktuelle Atomkraft-Projekte innerhalb der EU:

  • In Finnland wurde ein Reaktor 2003 ausgeschrieben und sollte 2009 in Betrieb gehen. Die geplanten Kosten lagen bei drei Mrd. Euro. Tatsächlich wurde die Anlage erst 2023 fertig, zu einem Preis von 11 Mrd. Euro.
  • In Frankreich begann der Bau eines Reaktors 2007, geplant war die Fertigstellung 2012. Statt drei Mrd. kostete das Kraftwerk letztlich 13 Mrd. Euro und ging mit zwölf Jahren Verspätung erst Ende 2024 ans Netz.
  • In Großbritannien (damals noch Mitglied der EU) war der Baubeginn für zwei Reaktoren 2016. Die ursprünglich berechneten Baukosten von 22 Mrd. wurden vorerst auf 58 Mrd. Euro nach oben korrigiert – das entspricht etwa 5 % der gesamten Steuereinnahmen Großbritanniens, also der sechstgrößten Volkswirtschaft des Planeten.
Atomkraft klimafreundlich, Olkiluoto Atomkraftwerk in Finnland (Foto: Wikipedia, Hannu Huovila / TVO, CC BY 3.0)
Das Projekt für das Olkiluoto Atomkraftwerk in Finnland wurde 2003 ausgeschrieben und sollte 2009 in Betrieb gehen. Tatsächlich wurde das AKW erst 2023 fertiggestellt. (Foto: Wikipedia, Hannu Huovila / TVO, CC BY 3.0)

Bis ein heute geplantes Atomkraftwerk fertig gebaut ist und etwas produziert, wäre die Energiewende bereits vorbei

In den USA lief es ähnlich. Beim Ausbau zweier Reaktoren in Georgia ging alles derart schief, dass Westinghouse Insolvenz anmeldete – genau jenes Unternehmen, das nun das polnische AKW bauen soll. Geplanter Start: 2026. Fertigstellung: 2036.

Mit den üblichen Verzögerungen reden wir wahrscheinlich von den 2040er-Jahren. Bis ein heute beschlossenes AKW läuft, wäre die Energiewende praktisch vorbei.

Auch die sogenannten „Small Modular Reactors“ (SMR) gelten als große Hoffnung: kleine, modulare Reaktoren, angeblich massenproduzierbar wie Solarmodule. Ein riesiger Hype in der US-Tech-Szene, die damit den Stromhunger von Künstlicher Intelligenz und Clouds decken will.

Nur: „Klein“ heißt in der Atomwelt immer noch Anlagen von 1–2 Hektar Größe, ab einer Milliarde Euro Baukosten.

Das erste SMR-Projekt in Idaho wurde trotz Milliarden an Subventionen eingestellt. Der Nuklearingenieur Arnie Gundersen nennt SMRs spöttisch „PowerPoint-Reaktoren“, weil bisher kein einziger gebaut wurde – und vielleicht nie gebaut werden wird.

Unflexibel und nicht klimafreundlich: Man kann AKWs nicht nach Bedarf ein- und ausschalten, sie sind immer in Betrieb

Tim Meyer nennt noch ein weiteres Argument: Für eine sichere Stromversorgung braucht man Kraftwerke, die einspringen, wenn Sonne und Wind gerade nicht liefern. Heute übernehmen das Gaskraftwerke – ihr Brennstoff ist teuer, der Bau aber billig. Ideal für Anlagen, die nur wenige Stunden pro Jahr laufen.

Diese Backup-Rolle wird noch wichtiger. Denn es gibt Zeiten, in denen weder Wind weht noch Sonne scheint: sogenannte „Dunkelflauten“. Künftig kann überschüssiger Strom in Form von Wasserstoff gespeichert werden. Dieser Wasserstoff kann dann Kraftwerke antreiben. Einige Gaskraftwerke lassen sich sogar umrüsten.

Und hier kommt der Haken: Atomkraft ist unflexibel. Sie lässt sich nicht einfach schnell rauf- oder runterfahren. Und ihre Anlagen sind extrem teuer. Ein AKW muss deshalb dauerhaft ausgelastet sein – ideal für Grundlast, völlig unpassend als Backup. Es harmoniert schlicht nicht mit einem Energiesystem, das stark schwankt.

Die logische Folge: Atomkraft verliert weltweit an Bedeutung. In den 1990ern lag ihr Anteil an der globalen Stromerzeugung bei rund 17 %. Heute sind es unter 10 % – und die Tendenz zeigt weiter nach unten.

Parlament Das Thema "Atomenergie" im Parlament

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Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, kritisiert in einer Videobotschaft die massiv gestiegenen globalen Militärausgaben. Diese belaufen sich mittlerweile auf 2,7 Billionen US-Dollar – das ist 13-mal so viel wie die weltweiten Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit. Die Vereinten Nationen verweisen dabei auf einen aktuellen Bericht: Weniger als vier Prozent der weltweiten Militärausgaben – rund 93 Milliarden Dollar pro Jahr – wären ausreichend, um den Welthunger bis 2030 zu beenden. Der Bericht zeigt auch die wirtschaftlichen Effekte unterschiedlicher Investitionen: Während eine Milliarde Dollar für Militär 11.200 Arbeitsplätze schafft, entstehen mit derselben Summe 26.700 Jobs im Bildungsbereich, 17.200 im Gesundheitswesen oder 16.800 im Bereich erneuerbare Energien. „Es ist offensichtlich, dass die Welt über die Ressourcen verfügt, um Leben zu verbessern, den Planeten zu schützen und eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit zu sichern“, argumentiert Guterres. Sein Appell an politische Entscheidungsträger:innen für das Jahr 2026: „Entscheidet euch für Menschen und den Planeten – nicht für Schmerz.“ Zitat: Eine sicherere Welt beginnt damit, mehr Geld in den Kampf gegen Armut zu investieren anstatt in Kriege. Antonio Guterres
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, kritisiert in einer Videobotschaft die massiv gestiegenen globalen Militärausgaben. Diese belaufen sich mittlerweile auf 2,7 Billionen US-Dollar – das ist 13-mal so viel wie die weltweiten Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit. Die Vereinten Nationen verweisen dabei auf einen aktuellen Bericht: Weniger als vier Prozent der weltweiten Militärausgaben – rund 93 Milliarden Dollar pro Jahr – wären ausreichend, um den Welthunger bis 2030 zu beenden. Der Bericht zeigt auch die wirtschaftlichen Effekte unterschiedlicher Investitionen: Während eine Milliarde Dollar für Militär 11.200 Arbeitsplätze schafft, entstehen mit derselben Summe 26.700 Jobs im Bildungsbereich, 17.200 im Gesundheitswesen oder 16.800 im Bereich erneuerbare Energien. „Es ist offensichtlich, dass die Welt über die Ressourcen verfügt, um Leben zu verbessern, den Planeten zu schützen und eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit zu sichern“, argumentiert Guterres. Sein Appell an politische Entscheidungsträger:innen für das Jahr 2026: „Entscheidet euch für Menschen und den Planeten – nicht für Schmerz.“ Zitat: Eine sicherere Welt beginnt damit, mehr Geld in den Kampf gegen Armut zu investieren anstatt in Kriege. Antonio Guterres

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