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„Verzweifelt“, „überfordert“, „gekränkt“: Frauen werden getötet, aber wir sollen Mitleid mit dem Täter haben

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Ruth Manninger Femizide in Medien (Foto: Astrid Knie; Screenshots von Krone.at, Heute.at, oe24.at/Montage)

Ruth Manninger Femizide in Medien (Foto: Astrid Knie; Screenshots von Krone.at, Heute.at, oe24.at/Montage)

Ruth Manninger Ruth Manninger
in Frauen & Gleichberechtigung, Gastbeiträge
Lesezeit:5 Minuten
15. Januar 2026
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Medien, vor allem der Boulevard, greifen bei Femiziden immer wieder die Perspektive der Täter auf. Sie selbst – oder ihre Anwälte – dürfen erzählen, warum sie wie gehandelt haben. Es geht um Kränkungen, Missverständnisse und (zu) große Gefühle. Die Perspektive der Opfer hingegen, die nicht mehr für sich sprechen können, bekommt kaum Aufmerksamkeit. Auch der Blick aufs große Ganze fehlt: Dass sich Männer in diesem Land im Recht sehen, über das Leben von Frauen zu entscheiden und ein solches gewaltvoll beenden zu können. Ein Gastbeitrag von Ruth Manninger.

Und wieder ist es passiert. Wieder hat ein Mann seine Partnerin ermordet. Wieder hat eine Mutter ihre Tochter verloren, eine Frau ihre Schwester, ein Freundeskreis ihre Freundin, Arbeitskolleg:innen ihre Kollegin. Jeder Femizid nimmt uns den Atem. Jeder Femizid treibt uns Tränen vor Trauer und Wut über die brutale Männergewalt in die Augen. Jedes Posting, das wir schreiben, jeder Gedanke, den wir dazu verfassen, kann den Schmerz und die Fassungslosigkeit nicht abbilden.

Erschreckend ist die Berichterstattung in einigen Medien. Die Appelle an Redakteur:innen pietätvoll aus Respekt vor den Hinterbliebenen zu berichten, verhallen mit der Gier nach Klicks, Aufrufen und Likes.

Femizide werden verharmlost. Redakteur:innen schreiben von einem „Sex-Unfall“, von „Würgespielen“ und übernehmen die Erzählung des Täters. Vermeintliche Geschichten aus dem höchstpersönlichen Lebensumfeld der Frauen werden vorgeführt, hochgejazzt, um den Mord an Frauen noch „sensationeller“ zu machen – haben wir uns doch daran gewöhnt, dass Frauen von Männern umgebracht werden. Weil sie Frauen sind.

Screenshot von oe24.at vom 13. Jänner 2026Screenshot von oe24.at vom 13. Jänner 2026
Screenshot Heute.at vom 5. Jänner 2026Screenshot Heute.at vom 5. Jänner 2026
Screenshot Krone.at vom 1 Dezember 2025Screenshot Krone.at vom 1 Dezember 2025
Screenshot von krone.at vom 15. Jänner 2026Screenshot von krone.at vom 15. Jänner 2026
Kobuk Screenshot 12 März 2025Kobuk Screenshot 12 März 2025
Kobuk Screenshot 12 März 2025Kobuk Screenshot 12 März 2025

Man will, dass wir Mitleid mit den Tätern statt den Opfern haben

Verteidigungsstrategien von Anwält:innen erscheinen als Schlagzeilen in Zeitungen, statt dort zu bleiben, wo sie hingehören: in den Gerichtssaal. Diese Art der Berichterstattung dient dazu, die männlichen Täter zu entlasten, victim blaming zu verstärken, also den Opfern die Schuld für die Tat zu geben. So zum Beispiel wird gezielt das Bild des verzweifelten Täters gezeichnet, der mit einer Trennung nicht fertig geworden ist.

Man zeigt uns Täter, die nicht aus Frauenhass und Besitzanspruch töten, sondern angeblich aus Verzweiflung. Geschlechtsspezifische Gewalt wird verharmlost, kleingemacht. Man will eine ernstzunehmende Debatte über strukturelle Gewalt und Femizide verhindern.

Frauenmorde als Einzelfälle oder Spektakel – über männliche Gewalt und Vorherrschaft schreibt man nicht

Redakteur:innen übernehmen die Erzählungen der Täter – klar, das Opfer kann nicht mehr über Ängste, Abhängigkeiten und die Gewalt sprechen, die schon vor dem Mord ausgeübt wurde. Die Folge: Medien lenken von der geschlechtsspezifischen Dimension dieser Verbrechen ab, die hierzulande viel zu häufig vorkommen. Sie konzentrieren sich auf individuelle Motive und Geschichten.

Damit werden Zustand, Realität und Daten über Femizide verzerrt. Statt Femizide als Auswirkung von strukturellen und patriarchalen Strukturen zu erkennen, werden sie als individuelle Beziehungstat dargestellt.

 

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Ein Beitrag geteilt von VSStÖ (@vsstoe)

Frauenhass beginnt schon in Worten und schüchtert Opfer ein

Bestätigt durch diese Strategie fühlen sich alle toxischen Männer in diversen Social Media Foren, die unter Postings von Politikerinnen so richtig die „Sau rauslassen“. Da werden Frauen als „Schlampen“, als „hässlich und dumm und unfähig“ bezeichnet, man wünscht ihnen Vergewaltigung und den Tod. Diese Kommentare erfolgen von Personen mit Klarnamen. Ihr Hass hat selten Konsequenzen, zumindest nicht für sie selbst, die sie schreiben.

Konsequenzen hat es aber allemal für Frauen. Frauen, die sich überlegen in der Öffentlichkeit aktiv zu werden. Als Politikerin. Oder als Schauspielerin. Oder als Journalistin. Konsequenzen hat es aber auch für Frauen, die sich trennen wollen. Die selbstbestimmt leben wollen. Unabhängig, frei von Angst, frei von Gewalt. Denn sie sind sich nicht sicher, ob sie und ihre Kinder die Trennung überleben. Nicht weil sie finanziell nicht über die Runden kommen, sondern weil sie Angst haben, ermordet zu werden.

Sich von einem Mann zu trennen, bedeutet für Frauen oft Drohungen, Angst – und Gewalt

Einher geht diese antifeministische Strategie mit der Einschüchterung von Betroffenen. Überlegt eine Frau die Trennung von einem gewalttätigen Partner, überlegt sie lange, welche Auswirkungen diese haben wird. Vor allem, welche Gefahren ihr nach einer Trennung drohen. Die oft genannten Sorgen über Existenz und Finanzen sind meist nicht der Grund, dass Frauen in toxischen und gewalttätigen Beziehungen bleiben. Es ist vielmehr die Angst um das eigene Leben und das Leben ihrer Kinder. Daher ist ein verstärkter Schutz bei wiederholter Gewalt notwendig. Ein elektronisches Tracking der Gefährder würde der Polizei helfen, rasch zu reagieren und die Frauen zu schützen.

Deshalb sind politische Maßnahmen wie der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen so wichtig. Mit diesem Commitment aller Regierungsmitglieder, die Lücken im Gewaltschutz zu schließen, ist ein notwendiger Schritt in Richtung mehr Sicherheit getan. Jetzt geht es darum, dass er auch lückenlos umgesetzt wird und dass progressive, feministische Männer sich gegen Gewalt gegen Frauen stark machen. Die beginnt bereits mit Sprache, Witzen und täglichen Herabwürdigungen.

Und den Männern in der SPÖ rufe ich zu – die 16 Tage gegen Gewalt werden auch 2026 wieder stattfinden – vielleicht werden diese heuer ja von Männern organisiert und nicht von der Frauenorganisation.

Ruth Manninger ist SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin

Mit über 100 Vorhaben im Nationalen Aktionsplan will Österreichs Regierung Frauen vor Gewalt schützen

Parlament Das Thema "Femizide" im Parlament

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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