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Überforderter Finanzminister Blümel macht jetzt Nebenjob: ÖVP Wien Kandidat

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Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Wien, Wirtschaft und Finanzen
Lesezeit:3 Minuten
15. Juli 2020
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Finanzminister Gernot Blümel wird als Spitzenkandidat der ÖVP in die Wien-Wahl gehen. Wegen zahlreicher Pannen in seinem Ministerium galt seine Kandidatur lange als unsicher. Jetzt soll Blümel neben der Corona-Krise auch noch den Wiener Wahlkampf schupfen. Dass er jedoch in die Wiener Stadtpolitik wechselt, scheint unwahrscheinlich. Eine Position in der Stadtregierung ist aber mit seiner Rolle als Finanzminister rechtlich nicht vereinbar

Jetzt ist es fix. Gernot Blümel wird als Spitzenkandidat der ÖVP zur Wiener Gemeinderatswahl am 11. Oktober 2020 antreten. Blümel ist bereits seit 2016 Landesparteiobmann der Wiener ÖVP, trotzdem war seine Kandidatur in Wien lange am Wackeln. Der Grund dafür ist eine Reihe an Pannen im Finanzministerium. Zahlreiche Polit-Beobachter erwarteten, dass Blümel als Wiener Spitzenkandidat von Innenminister Karl Nehammer abgelöst wird.  Laut Trend.at hat die ÖVP in Umfragen bereits geprüft, ob Ministerkollege Nehammer nicht besser als Wien-Kandidat ankommen würde. Schlussendlich ist die Entscheidung dennoch auf den Finanzminister und langjährigen Weggefährten von Sebastian Kurz gefallen – trotz seiner schlechten Performance.

Pannen im Budget machen Österreich fast zahlungsunfähig

Ein Finanzminister muss in einer Wirtschaftskrise vor allem zwei Dinge tun: Er muss dafür sorgen, dass genug Geld da ist, um Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern. Und er muss ein Budget beschließen, dass einen echten Überblick über die finanzielle Situation des Staates gibt. Beides hat Gernot Blümel nicht geschafft.

Die Erstellung eines Budgets in der Wirtschaftskrise ist eine enorme Herausforderung, Blümel versuchte aber dieser Herausforderung zu entgehen, indem er einfach das Budget von vor der Krise nimmt. Lediglich eine Kostenstelle wollte er mit 28 Mrd. Euro (!) überziehen dürfen. Erst ein Expertengutachten der SPÖ, dass Blümels altes Budget für verfassungswidrig erklärte, überzeugte den Finanzminister. In der Nacht vor der Abstimmung bessert er mit einem Abänderungsantrag nach.

Doch hier passiert ein folgenschwerer Fehler. Im Abänderungsantrag fehlt der Zusatz „Beträge in Millionen Euro“. Aus Milliardenbeträgen werden so Hunderttausende. Der österreichische Staat wäre schlagartig zahlungsunfähig. Der Fehler wurde jedoch kurz vor dem endgültigen Beschluss von SPÖ-Abgeordneten Krainer aufgedeckt.

Fehler bei Wirtschaftshilfen

Auch die Unterstützung von Unternehmen in der Krise lief alles andere als reibungslos. Die Losung von Gernot Blümel für die Wirtschaftshilfe war „schnell und unbürokratisch“. In der Realität hat das dann anders ausgeschaut. Die Anträge für Unterstützung sind ein enormer bürokratischer Aufwand und die Bearbeitung dauert zu lange.

Dazu kommt, dass es bei der Berechnung der Wirtschaftshilfe bei vielen Unternehmen zu einem groben Rechenfehler gekommen ist. Ein Komma wurde falsch gesetzt, was dazu führte, dass die Unternehmen nicht die angemessene Unterstützung erhielten, sondern nur den Minimalbetrag von €500. Doch die Unternehmen sind auf die Hilfen angewiesen. Viele mussten schließen.

Im Finanzministerium läuft es also alles andere als rund. Finanzminister Blümel wird sich als Wiener Spitzenkandidat im Herbst jedoch vor allem auf den Wahlkampf konzentrieren. Dass die Performance des Finanzministeriums durch seine Abwesenheit weiter leidet, ist naheliegend.

Gernot Blümel Wien Wahl
Gernot Blümel will zur Wien Wahl antreten obwohl es in seinem Ministerium am laufenden Band zu Fehlern kommt.

Die Doppel-Rolle von Gernot Blümel ist rechtlich schwierig

Ob Gernot Blümel aber überhaupt aus dem Finanzministerium in die Stadtregierung wechseln würde, bleibt jedoch unklar. Auch trotz wiederholter Presse-Anfragen legt sich Blümel nicht fest. Doch die Entscheidung ist notwendig, es nicht nur praktisch, sondern auch rechtlich nicht möglich, gleichzeitig Mitglied der Bundesregierung und in der Stadtregierung zu sein. Dass Blümel seine Position als Finanzminister für die Position eines nicht-amtsführenden Stadtrat aufgibt ist unwahrscheinlich – das Blümel in die amtsführender Stadtrat wird, ist angesichts seiner Umfrage Ergebnisse nahezu undenkbar. Trotzdem versucht er ums Wähler stimmen zu buhlen – für ein Amt, das er wohl niemals antritt.

„Wien braucht und verdient volles Engagement und keine weiteren Politiker, die nur kurz während des Wahlkampfes von Plakaten lächeln und dann genauso schnell auch wieder andere Betätigungsfelder suchen.“, argumentiert Barbara Novak, Landesparteisekretärin SPÖ Wien

Blümels versucht mit seiner Wien-Wahl Kandidatur seine Bekanntheit als Finanzminister auszunützen. Ob ihm diese Bekanntheit nutzt oder angesichts seiner Pannenserie schadet, wird sich herausstellen. Die Frage, ob sich der Finanzminister in Zeiten von Corona und der darauffolgenden Wirtschaftskrise mit einem Wahlkampf beschäftigen sollte, steht auf einem anderen Blatt.

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1 Kommentar
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brigitte
brigitte
18. Juli 2020 13:19

ja, wien hat sich wirklich besseres verdient.

aber warten wir ab, er wird uns sicher erspart bleiben.

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Dale Spender war eine australische Autorin, Wissenschaftlerin und Feministin, die sich mit der Macht von Sprache beschäftigte. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch „Man Made Language“, in dem sie zeigte, dass Sprache nicht neutral ist, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse mitprägt. Sie fragte danach, wessen Stimmen gehört werden – und wessen Erfahrungen in Geschichte, Literatur und Wissenschaft fehlen. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit bestand deshalb darin, vergessene Autorinnen und Denkerinnen wieder sichtbar zu machen. Damit hat Spender eine Debatte angestoßen, die bis heute aktuell ist: darüber, wie Sprache bestimmt, wer gesehen, erinnert und ernst genommen wird. Zitat: Der Feminismus hat keine Kriege geführt, keine Gegner getötet und keine Grausamkeiten begangen. Seine Kämpfe galten der Bildung, dem Wahlrecht, besseren Arbeitsbedingungen, sozialer Absicherung und Reformen im Recht. Wenn jemand sagt: "Oh, ich bin kein Feminist." Dann frage ich nur: Warum? Dale Spender

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Karl Nehammer

Karl Nehammer entstammt dem ÖVP-Parteiapparat. Von 2016 bis Jänner 2018 war er Generalsekretär des Arbeitnehmerbunds (ÖAAB), danach war er zwei Jahre lang ÖVP-Generalsekretär. Von Jänner 2020 bis Dezember 2021 war er Innenminister. In diese Zeit fiel auch der Terroranschlag in Wien am 2. November 2020. Ein islamistischer Terrorist erschoss vier Menschen und verletzte 23 teils.

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ÖVP

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist eine der traditionellen Großparteien Österreichs. Sie vertritt vor allem bürgerlich-konservative Werte. Traditionell gilt sie als Interessenvertreterin der Wirtschaft, der Bauern sowie der römisch-katholischen Kirche.

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