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EM-Elfmeter-Schütze Marcus Rashford kontert rassistischen Angriffen

Marcus Rashford

Alina Bachmayr-Heyda Alina Bachmayr-Heyda
in Sport
Lesezeit:3 Minuten
13. Juli 2021
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Nach Englands Niederlage bei der EM schlägt den drei Schwarzen Schützen auf den sozialen Medien Rassismus entgegen. Marcus Rashford, auch abseits des Spielfelds für sein soziales Engagement bekannt, meldet sich am Montag zu Wort. Sein Statement im Wortlaut.

Die EM ist vorbei, Italien hat den Pokal geholt. Was Fans und auch jene, die Fußball weniger interessiert, jetzt beschäftigt, sind die Reaktionen auf das Elfmeter-Schießen. Der englische Trainer Gareth Southgate, wechselte erst kurz vor Ende der Verlängerung zwei junge Spieler ein: Den 23-jährigen Marcus Rashford und den 21-jährigen Jadon Sancho. Keiner von ihnen verwandelte den Ball, ebensowenig der 19-jährige Bukayo Saka, der seit der zweiten Halbzeit am Platz war. Den drei Schwarzen Nationalteam-Spielern schlägt seit dem verheerenden EM-Finale blanker Rassismus entgegen.

Rassistischer Shitstorm nach EM

In den sozialen Netzwerken fluteten Fußball-Fans und Rassisten die Profile der Spieler mit Beschimpfungen und rassistischen Emojis. Einer der Spieler, Marcus Rashford, meldete sich am Montag auf seinem Instagram-Kanal zu Wort. Er werde sich gerne für seine sportliche Performance kritisieren lassen und auch entschuldigen, aber niemals dafür, wer er ist, sagt Rashford.

 

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Ein Beitrag geteilt von Marcus Rashford MBE (@marcusrashford)

Er habe eine schwierige Saison hinter sich und entschuldigt sich bei seinen Teamkameraden und den Fans für seine Fehlleistung. Er will sich jedoch nicht für seine Herkunft oder sein Engagement kritisieren lassen, hält der Sportler fest.

Marcus Rashfords soziales Engagement

Der 23-Jährige Sportler stammt aus einer Arbeiterfamilie in Manchester. Die Mutter des Stürmers ist Alleinerzieherin, arbeitet in mehreren Jobs parallel und verzichtete öfter auch selbst auf Mahlzeiten, um ihre fünf Kinder durchzubringen. Von diesen Erfahrungen geprägt, engagierte sich Marcus Rashford während des Corona-Lockdowns für bedürftige Schulkinder. Er schrieb einen Offenen Brief an die britische Regierung, damit die Schulspeisungen – für viele Kinder die einzige volle Mahlzeit am Tag – auch während der Ferien ausgeteilt werden. Eine halbe Million Menschen unterschrieben eine entsprechende Petition, die konservative Regierung lenkte aufgrund des öffentlichen Drucks ein und verlängerte die Essensaktion.

Rashford engagiert sich außerdem für Lese-Aktionen für Kinder aus armen Familien und hat ein Buch mit dem Titel „Du bist ein Champion“ geschrieben, das gratis an 50.000 armutsbetroffene Familien verteilt wurde. Für sein Engagement bekam er die die Ehrendoktorwürde der Universität von Manchester. Mit 22 Jahren ist er der bisher jüngste Honorar dieser Ehrung.

Das Statement im Wortlaut

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll und ich weiß auch nicht, wie ich in Worte fassen soll, wie es mir zur Zeit geht. Ich hatte eine schwierige Saison – ich denke, das konnten alle sehen – und wahrscheinlich bin ich mit mangelndem Selbstvertrauen in dieses Finale gestartet. Ich habe beim Elfmeter-Schießen immer an mich geglaubt, aber irgendetwas hat sich nicht richtig angefühlt. Mit dem langen Anlaufen habe ich mir etwas Zeit erspielt, leider war das Resultat nicht das, was ich wollte. Es hat sich angefühlt, als hätte ich meine Teamkameraden enttäuscht. Es fühlt sich an, als hätte ich alle enttäuscht. Alles, was ich für mein Team beitragen hätte sollen, ist ein Elfmeter. Ich kann Elfmeter im Schlaf treffen – warum nicht diesen? Das läuft in meinem Kopf immer und immer wieder ab, seit ich den Ball geschossen habe, und es gibt wohl kein Wort, das passender beschreibt, wie sich das anfühlt. Endgültig. 55 Jahre. 1 Elfmeter. Geschichte.

Alles, was ich sagen kann, ist Entschuldigung. Ich wünschte, es wäre anders gelaufen. Während ich mich weiterhin entschuldigen werde, will ich Dankeschön zu meinen Kameraden sagen. Dieser Sommer war eines der besten Camps, die ich je erlebt habe, und dazu habt ihr alle beigetragen. Es wurde eine Bruderschaft aufgebaut, die unzerbrechlich ist. Euer Erfolg ist mein Erfolg. Euer Scheitern ist auch meines.

Ich bin in einem Sport groß geworden, in dem ich damit rechnen muss, dass Dinge über mich geschrieben werden. Ob es die Farbe meiner Haut ist, wo ich aufgewachsen bin, oder, wie zuletzt, wie ich meine Zeit abseits des Spielfelds verbringe. Ich kann den ganzen Tag über Kritik zu meiner Leistung annehmen – mein Elfmeter war nicht gut genug, er hätte reingehen müssen – aber ich werde mich niemals dafür entschuldigen, wer ich bin und woher ich komme. Es hat mich nie etwas stolzer gemacht, als die drei Löwen auf meiner Brust zu tragen und meine Familie zu sehen, die mich in einer Menge von Zehntausenden anfeuert. Von Tagen wie diesen habe ich geträumt.

Die Nachrichten, die ich heute bekommen habe, haben mich im besten Sinne überwältigt und die Reaktionen in Withington haben mich den Tränen nahegebracht. Die Gemeinschaften, die mich immer in ihre Arme geschlossen haben, halten mich weiterhin hoch. Ich bin Marcus Rashford, 23 Jahre alt, ein schwarzer Mann aus Withington und Wythenshawe, South Manchester. Sollte ich sonst nichts haben – das wird mir immer bleiben.

MR 10

Parlament Das Thema "Rassismus im Sport" im Parlament

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Martin Niemöller (1892–1984) war ein bekannter evangelischer Pfarrer in Deutschland. Anfangs unterstützte er den Aufstieg der Nationalsozialisten – wandte sich dann aber entschieden gegen ihre Einmischung in die Kirche. Er gehörte zu den Mitbegründern der Bekennenden Kirche, die sich der Kontrolle durch die Nazis widersetzte. Dafür wurde er 1937 verhaftet und verbrachte die letzten Jahre des Dritten Reichs in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau. Die Erfahrungen dieser Zeit prägten ihn tief: Niemöller setzte sich nach 1945 für das Eingeständnis der deutschen Kollektivschuld ein und trug zum Stuttgarter Schuldbekenntnis bei. Zitat: Als die Nazis die Sozialdemokraten holten habe ich geschwiegen - ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen - ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen - ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der für mich sprechen konnte. Martin Niemöller

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