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Fußballfans sind wütend: Die neue Super League ist pure Geldgier

Zwölf europäische Top-Klubs haben die Gründung einer Elite-Liga für besonders finanzstarke Fußballmannschaften verkündet. Die Super League soll den teilnehmenden Mannschaften 3,5 Milliarden Euro bringen. Die UEFA lehnt die Pläne ab. Für die Fans ist die neue Liga ein Höhepunkt einer fatalen Entwicklung: Bei der Profite und Interessen der Investoren den Sport bestimmen.

Schon länger brodelt es im europäischen Fußballverband UEFA. Die großen Klubs mit finanzstarken Investoren fühlten sich benachteiligt. Ihrer Meinung nach sind es die großen Klub-Namen wie Real Madrid, Manchester City oder Juventus Turin, die den enormen Werbewert des europäischen Spitzen-Fußballs bringen. Die Gelder, die die UEFA damit erwirtschaftet und dann über Preis- und Fernsehgelder nach einem bestimmten Schlüssel an alle Mannschaften in der Champions League auszahlt, sehen sie unfair verteilt. Die großen Klubs mit den großen Investoren und den berühmten Spielern wollen ein noch größeres Stück vom Kuchen dieser Gelder. Die UEFA kam ihnen entgegen und plante eine Reform der Champions League.

Die angekündigte Reform reichte den Top-Klubs offenbar nicht. Sie kündigten per koordinierter Presseaussendung am Montag um 0:30 die neue Superliga an. Aus England sind Manchester City, Manchester United, Liverpool, Arsenal, Chelsea und Tottenham an Bord. Aus Italien sollen der AC Milan, Juventus Turin und Inter Mailand teilnehmen. Für Spanien sind Atletico Madrid, der FC Barcelona und Real Madrid Teil der Liga. Drei weitere Vereine sollen für die Idee gewonnen werden. Diese 15 Gründungsvereine sollen dann einen Fixplatz in der Superliga haben, fünf weitere Plätze werden freigehalten für Mannschaften, die sich sportlich qualifizieren können.

Es geht um Geld aus Asien

Die Uhrzeit der Presseaussendung verrät schon einiges darüber, wo die Reise hingehen soll. Die Meldung war nicht für die europäischen Fans und JournalistInnen gedacht. Als die europäischen Sportredaktionen noch schliefen, war es für die japanischen und südkoreanischen Fußballfans bereits 7:30 Uhr. Die großen Vereine blicken nach Asien. Dort wartet ein Millionen-Publikum und dort sitzen auch ihre Investoren. Für sie ist auch die Super League gedacht. Regelmäßige Spiele zwischen Mannschaften mit klingenden Namen bringen im asiatischen Raum Einschaltquoten und mehr Geld. Ein großer Teil der Champions League ist für diesen Markt nicht attraktiv: Austria Wien gegen Panathinaikos Athen ist dort kein Gassenhauer. Diese Paarungen werden in der Super League mit den immer gleichen Duellen zwischen den Elitemannschaften ersetzt.

Die Reichen werden immer reicher – auch im Fußball

Auf der einen Seite haben vor allem die Topklubs in England vor einigen Jahren die finanziellen Potentiale des asiatischen Marktes für sich entdeckt und seitdem – mit anderen Spitzenklubs – viel dafür getan, den Zielgruppen dort zu gefallen. In Fernost wollen die Leute die Topstars und die Handvoll Teams sehen, die sie kennen. Spezifische Rivalitäten, geschichtsträchtige Duelle oder einfach besondere Paarungen aufgrund von was auch immer – das was den Fußball für die Fans eigentlich seit jeher ausmacht – spielen dabei nur mehr eine untergeordnete Rolle. Auf der anderen Seite gibt es speziell in den rohstoffreichen Ländern der arabischen Halbinsel, aber auch in den USA zahlreiche Milliardäre und Medienunternehmen, die die europäischen Topklubs als Eintrittskarte für Netzwerke und neue Märkte sehen und ihre Interessen dort mit viel Geld sichern wollen. Die Mischung aus diesen Faktoren hat die Entwicklung in den Topligen und damit des Fußballs insgesamt zunehmend vereinnahmt.

Das Ergebnis: Künftig wird die Super League Werbegelder aus der Champions League ziehen und so kommt es zu einer neuen Verteilung: Die ohnehin finanzstarken Mannschaften werden reicher – die kleinen Vereine verlieren Geld für Jugend- und Aufbauarbeit.

Der Investor wird’s schon richten

Geschäftsführer von Rapid Wien Christoph Peschek nennt die neue Liga gleich „Money League“ und kritisiert:

„Einmal mehr zeigt sich: Investoren verfolgen stets das Ziel, das investierte Geld mit entsprechender Rendite zu vervielfachen, dabei sind die Gründungsidee, Werte und Traditionen von Klubs oftmals unerheblich, ja mitunter sogar störend. Dieses Modell lehne ich klar ab. Der Fußball soll auch in herausfordernden Zeiten vielfältig bleiben.“

Damit reiht er sich in eine breite Front gegen die Pläne der Elite-Mannschaften ein. Die UEFA kündigte etwa an, dass die teilnehmenden Teams mit Konsequenzen zu rechnen haben. Spielverbot von Super League Spielern für Nationalmannschaften und der Ausschluss aus den nationalen Wettbewerben steht im Raum. Ob die UEFA das wirklich durchzieht, ist fraglich. Zu oft ist der Verband schon vor den Interessen reicher Investoren eingeknickt. Als aufgeflogen ist, dass Manchester City die „Financial Fairplay“ Richtlinien bricht, hätte der Verein zuerst von den europäischen Bewerben ausgeschlossen werden sollen. Später wurde davon abgesehen und stattdessen eine Strafzahlung vereinbart. Die war kein Problem für den Verein und seine Eigentümer aus Abu Dhabi.

„Die Eigentümer dieser Klubs haben nichts mit Fußball in diesem Land zu tun!“

Deutlich ist auch die Ablehnung bei den Fans. Eine Fan-Gruppe von Liverpool kündigte etwa an, gemeinsam mit anderen Gruppen ihre Fahnen aus dem Stadion zu entfernen. Auf Twitter geben sie bekannt: „Wir fühlen uns nicht mehr imstande, einen Verein, der finanzielle Gier über die Integrität des Spiels stellt, weiter zu unterstützen.“

Kritik kommt auch von ehemaligen Spielern. Die Manchester United Legende und achtfacher englischer Meister Gerry Neville nennt die Super League in einer emotionalen Stellungnahme „einen kriminellen Akt gegen den Fußball“ und sagt:

„Ich bin angeekelt, absolut angeekelt (…) Es ist pure Gier. Die Eigentümer dieses Klubs, die Eigentümer von Liverpool, Chelsea, von Manchester City haben nichts zu tun mit Fußball in diesem Land. Es gibt seit über 100 Jahren eine Tradition von Fans, die für diese Klubs gelebt und sie geliebt haben und die müssen jetzt geschützt werden.“

Auch der aktuelle Trainer der künftigen Super League Mannschaft FC Liverpool, Jürgen Klopp, sprach sich in einem Interview gegen die Pläne aus.

Sportlicher Wettbewerb ist schlecht für das Geschäft

Auch in der österreichischen Fanszene stoßen die Pläne auf wenig Gegenliebe. Der Rapid Fan-Beauftragte Helmut Mitter findet die Entwicklung fatal. „Unser Sport lebt von der Abwechslung, von Überraschungen. Vom Spiel David gegen Goliath. Du willst sehen, wie es dein Verein schafft, du willst mitfiebern. Das alles geht verloren. Unabhängig von der sportlichen Leistung steht fest, wer in der Super League spielt. Die Fans sollen dann in die immer gleichen Stadien fahren und die immer gleichen Paarungen verfolgen. Das ist wirklich nur noch traurig.“

In der Super League werden künftig die reichsten Vereine spielen, nicht aber unbedingt die besten. Das zeigt auch ein Blick auf die Tabellen der Ligen: Leicester City ist derzeit Dritter in der Premier League und liegt damit sechs Plätze vor Arsenal. Leicester wäre aber kein Teil der Superliga, Arsenal schon, obwohl sie mit ihrer derzeitigen Platzierung nicht einmal in der Europa League spielen würden. Die Super League ist bewusst so konstruiert: Unabhängig von der sportlichen Leistung sollen die Fernsehgelder fließen, das Risiko und der sportliche Wettbewerb sind dabei nur störend.

Fußball-Diplomatie

Schon länger werden im Fußball Entscheidungen getroffen, die eher den Interessen von Oligarchen, Scheichen oder anderen milliardenschweren Investoren dienen als jenen der Fans. Anders lässt sich nur schwer die Entscheidung der FIFA erklären, die kommende Fußballweltmeisterschaft in Katar stattfinden zu lassen. Einem Land ohne Fußballtradition, in dem alle Stadien neu gebaut werden mussten und das unter sklavenähnlichen Bedingungen für die Bauarbeiter. Für die Fußball-Fans ist dieses Projekt nicht gedacht. Die Spiele werden im Winter stattfinden mit immensen Zeitverschiebungen für die Fans der europäischen Mannschaften. Viel eher geht es darum, dass sich das dortige Herrscherhaus als international anerkannter Gastgeber präsentieren kann. Generell ist der Fußball und das immense Sponsoring von Klubs in Europa aus dem Golfstaat Teil einer politischen Strategie. Der Politikwissenschaftler Ronny Blaschke wertet in seinem Buch „Machtspieler“ diese Aktionen als Teil einer sogenannten Softpower-Strategie:

„Ohne die Netzwerke mit internationalen Fußballklubs, Museen oder Universitäten wäre Katar wohl schon von den Saudis angegriffen worden.“

Das Engagement im Fußball ist aber auch eine Frage von Netzwerken und wirtschaftlichen Interessen. Reiche ausländische Investoren treffen in den VIP-Bereichen ihrer Klubs auf Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft und machen sich mit ihren Investitionen beliebt.

Fußball für die Fans

Auch wenn die Super League den europäischen Fußball nachhaltig beschädigen wird, zeigen die Ereignisse auch einen Ausweg auf. Deutsche Vereine wie Bayern München oder Borussia Dortmund schlossen sich nicht der Super League an.

Ein Grund dafür mag sein, dass deutsche Profivereine nicht mehrheitlich von Investoren übernommen werden dürfen. Das untersagt die „50 plus 1“ Regel. Die GmbHs und AGs die von den Fußballvereinen gegründet werden, um etwa Spieler zu kaufen, Stadien zu verwalten oder Tickets zu verkaufen, müssen mehrheitlich den Vereinen gehören. Auch in Österreich kennt der Verband einen solchen Passus. Allerdings wurde diese Regelung von Vertretern verschiedener Vereine in der jüngsten Vergangenheit immer wieder in Frage gestellt. Gerade im Lichte der aktuellen Entwicklungen sollten sich die Verantwortlichen doppelt überlegen, ob sie eine Abschaffung oder Aufweichung zulassen wollen. Die Super League würde eindrucksvoll beweisen, dass die Klubbosse aus der Corona-Krise nichts gelernt haben. Noch aber gibt es einen Weg zurück. Er wird davon abhängen, wie laut der Widerstand gegen diese Pläne sein wird.

 

 

 

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Das Interessanteste
Das Interessanteste
28. April 2021 10:47

was man über die Ledertreter wissen sollte, ist, dass die Clubs Megaschulden haben: alle, außer es gibt Spender. Und woher haben solche das Geld. Aus der Arbeitskraft der Leute, die in ihren Fabriken die Güter herstellen. Die zahlen das!
Außerdem muss man wissen, wie heutzutage Fussballerlöhne be-

…
Reply to  Das Interessanteste
28. April 2021 10:55

zahlt werden. Über den ESM holen sich Banken – wie im Falle des Superpleiteclubs Real Madrid – das Geld zurück, dass sie den Clubs geliehen haben, weil der Kredit mit höchster Wahrscheinlichkeit ausfällt. Das hat die französische Société Générale den anderen eindrucksvoll gezeigt, als das Geld für

Petrov
Petrov
Reply to 
28. April 2021 11:06

den Superstar Ronaldo zurückzuholen war. Und wenn der Club danach Teilchen doch noch bezahlen kann, kriegt die Bank gleich mehr zurück, als sie verliehen hatte, hehe. Tja, das haben sich die Fans nicht gedacht. Und weil Fan, werden sie das auch gleich als Verschwörung deklarieren.
So werden Steuergelder wirklich VERNICHTET. Zur Bauindustrie, den … und und und … Oops! Bürgerchen wird nur noch ausgenommen: an allen Seiten und von allen möglichen Kreisen. Und das wird nie enden. Enden wird nur das Bürgerchen während der Arbeit ohne Pensionszeiten, weil’s immer glaubt, dass ihm wer helfen wird, ohne dass es sich um sich selbst kümmert. Weil es halt so hyper bequem ist oder wie man Untätigkeit nennen soll.
Bürgerchen glaubt ja auch noch immer den Schmäh, dass es immer älter wird, was ja die Rechtfertigung von schmutzigen In-der-Regierung-Sitzenden ist, dass man länger arbeiten muss. Muss? Ja, sonst wird es ausgehungert! Und weil Bürgerchen so bequem ist, hat es auch noch nicht bemerkt, dass alle internationalen Studien zeigen, dass die Lebenserwartung längst beeindruckend zurück geht. Und wer hat die Lebensarbeitszeit seitdem wieder versucht zu kürzen? Niemand! Weil: Es lebe das Verbrechen an den Lebewesen!

Mario Bartsch
Mario Bartsch
27. April 2021 06:12

Ich würde die gründung der superleague begrüssen. Das ist offene gier und keine heuchlerische, wie bei cl o.ä.

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