Hier können Sie die AI-generierte Audioversion dieses Artikels anhören.
Die Bundesregierung halbiert die Mehrwertsteuer (MwSt) auf ausgewählte Grundnahrungsmittel. Damit folgt sie internationalen Beispielen, die mit einer MwSt-Senkung auf Lebensmittel bereits erfolgreich die Preise im Supermarkt gesenkt haben. So zeigen Studien zu Portugal, Spanien und Deutschland, dass die Steuersenkung fast vollständig an die Kund:innen weitergegeben wurde. Das lässt sich ebenfalls für Österreich erwarten, auch weil verstärkte Kontrollen vorgesehen sind.
Österreich halbiert Steuer auf Grundnahrungsmittel
Ab 1. Juli 2026 sinkt die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel deutlich. Sie wird von zehn auf fünf Prozent halbiert, um damit wichtige Lebensmittel billiger zu machen. Denn diese Preise sind gerade in den letzten Jahren besonders stark gestiegen. Finanziert werden soll diese etwa 400 Mio. Euro schwere Maßnahme u.a. durch Abgaben auf nicht recycelbares Plastik sowie für Drittstaatspakete, also Sendungen aus Nicht-EU-Ländern. Ein Blick auf andere Länder zeigt, dass so eine Steuersenkung die Preise im Supermarkt spürbar senkt und direkt bei der Bevölkerung ankommt.
Portugal: 99 Prozent der Steuersenkung gingen an die Kund:innen
Besonders aufschlussreich ist der Fall Portugal. Dort senkte die Regierung 2023 die Mehrwertsteuer auf einen klar definierten Warenkorb an Grundnahrungsmitteln. Eine umfangreiche Studie von Ökonomen der Stockholm University und portugiesischer Universitäten analysierte dafür detaillierte Preisdaten aus dem Einzelhandel. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Steuersenkung wurde zu rund 99 Prozent an die Kundinnen und Kunden weitergegeben. Die Preise sanken unmittelbar nach Inkrafttreten der Maßnahme und stiegen erst wieder, als die Mehrwertsteuer später angehoben wurde.
Entscheidend für die vollständige Weitergabe war, dass es sich um alltägliche, leicht vergleichbare Produkte handelte, die in allen Supermärkten angeboten werden und stark im Preiswettbewerb stehen.

Spanien und Deutschland bestätigen preissenkenden Effekt
Auch Spanien zeigt, dass Mehrwertsteuersenkungen auf Grundnahrungsmittel in hohem Ausmaß bei den Konsumentinnen und Konsumenten ankommen können. Eine Studie der Banque de France untersuchte die spanische Mehrwertsteuersenkung ab 2023 anhand Supermarktpreisdaten und kommt zu einem klaren Ergebnis:
Rund 90 Prozent der Steuersenkung wurden an die Endpreise weitergegeben, die Preise sanken unmittelbar nach Inkrafttreten der Maßnahme.
Vergleichbare Analysen aus Deutschland, wo 2020 die Mehrwertsteuer gesenkt wurde, kommen zu einem ähnlichen Ergebnis.
Kontrolle und Wettbewerb: Warum auch in Österreich die Preise sinken werden
Österreich ist in diesem Zusammenhang gut mit Portugal oder Spanien zu vergleichen. Auch hier soll die Mehrwertsteuersenkung auf klar definierte Grundnahrungsmittel betreffen, die in allen Supermärkten erhältlich sind und unter starkem Wettbewerbsdruck stehen. Genau diese Kombination gilt in der Forschung als zentraler Faktor dafür, dass Steuersenkungen tatsächlich bei den Kundinnen und Kunden ankommen.
Ein zentraler Punkt dabei ist das Funktionsprinzip der Mehrwertsteuer. Sie wird wirtschaftlich vom Kunden gezahlt, nicht vom Handelsunternehmen. Händler heben die Steuer lediglich ein und führen sie an den Staat ab. Sinkt der Steuersatz, bleiben die Bruttopreise nur dann unverändert, wenn Unternehmen aktiv ihre Nettopreise erhöhen. Gerade bei einem klar definierten und öffentlich beobachtbaren Warenkorb an Grundnahrungsmitteln ist das schwierig. Diese Produkte sind stark vergleichbar, stehen in direktem Wettbewerb und werden von Medien, Konsumentenschutz und Behörden genau beobachtet.
Hinzu kommt, dass die Regierung verstärkte Kontrollmechanismen durch die Bundeswettbewerbsbehörde vorgesehen hat. Sie soll genau prüfen, ob die Weitergabe korrekt stattfindet. Dazu müssen Supermärkte u.a. melden, wie viel sie an den Produkten entlang der Wertschöpfungskette verdienen. Streifen sie sich das Geld ein, fällt es somit auf und kann sanktioniert werden.
Haushalte sparen sich etwa 100 bis 200 Euro jährlich: Ärmere profitieren relativ mehr
Die Steuersenkung summiert sich für einen Haushalt je nach Berechnung auf etwa 100 bis 200 Euro jährlich.
Wie viel Entlastung bringt die angekündigte MWSt-Senkung auf Grundnahrungsmittel? Laut unseren Berechnungen ca. €205/Jahr für eine 4-köpfige Familie, ca. €80 für einen Einpersonenhaushalt. Ärmere Haushalte geben größeren Anteil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse aus, durchaus hilfreiche Maßnahme!
— Daniel Witzani-Haim (@dahaim.bsky.social) 2026-01-14T12:57:14.155Z
Wie Arbeiterkammer-Ökonom Daniel Witzani-Haim auf Bluesky schreibt, liegt die Ersparnis für eine vierköpfige Familie laut Berechnungen der Arbeiterkammer (AK) bei etwa 205 Euro. Die Senkung der Mehrwertsteuer hat jedoch unterschiedliche Auswirkungen je nach Hauthalt. Produkte wie Brot, Milch oder Mehl kaufen zwar alle Haushalte, unabhängig vom Einkommen – anders als Luxusgüter. Doch Haushalte mit niedrigen Einkommen profitieren besonders, erklärt Ökonom Witzani-Haim:
„Vor allem für Menschen mit geringem Einkommen ist die Steuersenkung auf Grundnahrungsmittel eine wichtige Erleichterung. Im unteren Einkommenszehntel werden rund 16 Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben, im obersten nur knapp 9 Prozent. Welche Grundnahrungsmittel auch immer für die Steuersenkung ausgewählt werden, aufgrund des Unterschieds in den Ausgaben für Lebensmittel werden Menschen mit geringem Einkommen besonders stark von der Maßnahme profitieren.”
Nach Berechnungen des Momentum Instituts entspricht die Ersparnis beim einkommensärmsten Fünftel rund 0,8 Prozent des Einkommens, beim einkommensreichsten Fünftel sind es nur 0,2 Prozent. Zwar sparen wohlhabendere Haushalte in Euro etwas mehr, etwa 135 Euro pro Jahr gegenüber 110 Euro im untersten Einkommensfünftel. Hierbei wird jedoch nicht wie bei der Berechnung der Arbeiterkammer von einem vierköpfigen Haushalt ausgegangen, sondern der statistisch durchschnittliche Haushalt in Österreich von 2,17 Personen wird herangezogen.




































