Nicht Tech-Milliardäre, sondern demokratische Institutionen sollen darüber entscheiden, wie künstliche Intelligenz eingesetzt wird. Spaniens Premier Pedro Sánchez fordert deshalb strengere Kontrollen für KI, soziale Netzwerke und Deepfakes – und stellt sich gegen die Idee, Konzerne könnten sich selbst regulieren.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez forderte in einer Rede an der Harvard Kennedy School, dass man das Schicksal unserer Datensicherheit nicht einer Handvoll Milliardäre überlassen darf. Dass ein paar große Tech-Konzerne so viel Macht über uns und unsere Daten haben und sich obendrein nur selbst kontrollieren wollen, ist für ihn inakzeptabel. Er sagte:
„Wir müssen ein für alle Mal die digitale Utopie vergessen, die uns in den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts versprochen wurde.
Wir müssen diejenigen ignorieren, die behaupten, Deregulierung werde uns wettbewerbsfähiger machen – denn Geschwindigkeit ist nutzlos, wenn wir in die falsche Richtung unterwegs sind.
Und natürlich müssen wir uns von der Mär der Selbstregulierung verabschieden.
Vor ein paar Tagen hörte ich den Chef von OpenAI sagen, die Welt habe zu Recht Angst, aber – und ich zitiere – „wir sollten ihnen vertrauen“. Ende des Zitats.
Darauf möchte ich mit drei Worten antworten: Auf gar keinen Fall.
Auf keinen Fall.
Nicht, solange wir etwas zu sagen haben.
Das Zeitalter der Götter und Feudalherren ist längst vorbei. Wir werden die Zukunft der Menschheit nicht in die Hände einiger weniger Milliardäre legen. Wir werden sie dorthin legen, wo sie hingehört: in unsere eigenen Hände. In unsere demokratischen Institutionen.“
@kontrast.at Spaniens Ministerpräsident Pedro #Sánchez forderte in einer Rede an der #Harvard Kennedy School, dass man das Schicksal unserer Datensicherheit nicht einer Handvoll Tech-#Milliardäre überlassen darf. „Das Zeitalter der Götter und Feudalherren ist längst vorbei. Wir werden die Zukunft der Menschheit nicht in die Hände einiger weniger Milliardäre legen. Wir werden sie dorthin legen, wo sie hingehört: in unsere eigenen Hände. In unsere demokratischen Institutionen.“ #ai #ki ♬ Originalton – Kontrast
Sánchez: Über die Zukunft von KI müssen demokratische Kräfte entscheiden
Sánchez wandte sich ausdrücklich gegen die Vorstellung, Tech-Konzerne könnten sich selbst ausreichend kontrollieren. KI braucht laut Sánchez verbindliche Regeln, unabhängige Kontrollen und Sanktionen.
Er forderte eine externe Überwachung leistungsfähiger KI-Systeme, Meldepflichten bei Zwischenfällen und Grenzen für deren Fähigkeit, sich selbst weiterzuentwickeln.
Wenn nötig, muss man die Entwicklung verlangsamen, bis ausreichende Sicherheitsvorkehrungen vorhanden sind.
Spanien will KI-Plattformen stärker regulieren – einiges ist aber noch nicht Gesetz
Sánchez verwies in Harvard auch auf Maßnahmen seiner Regierung. Spanien hat mit AESIA (Spanische Agentur für die Aufsicht über Künstliche Intelligenz) bereits eine eigene staatliche Aufsichtsbehörde für KI, die unter anderem die Einhaltung europäischer KI-Regeln überwacht.
Andere Vorhaben befinden sich noch im politischen beziehungsweise parlamentarischen Prozess.
Sánchez hatte im Februar angekündigt, den Zugang zu sozialen Netzwerken für unter 16-Jährige zu beschränken und Plattformen zu einer wirksamen Alterskontrolle zu verpflichten. Zugleich kündigte seine Regierung Gesetze an, die Führungskräfte von Plattformen für bestimmte illegale Inhalte zur Verantwortung ziehen und bestimmte Formen algorithmischer Manipulation unter Strafe stellen sollen.
Außerdem hat Spanien auf EU-Ebene Anfang 2026 einen Vorschlag eingebracht, KI-Systeme, die sexuelle Deepfakes ohne Zustimmung der Gezeigten erstellen, zu verbieten.
Sánchez will KI nicht stoppen, sondern politisch kontrollieren
Sánchez bekräftigt, dass er kein KI-Verbot will. Im Gegenteil: Seine Regierung hat Milliarden in KI, Quantentechnologie und andere Zukunftstechnologien investiert.
Diese könnten etwa Medizin, Klimaschutz und Wirtschaft voranbringen. Entscheidend ist für ihn aber, wer die Regeln bestimmt.
„Technologie ist niemals neutral. Technologie ist Macht“, sagte Sánchez in der Diskussion, die auf seine Rede folgte. Deshalb muss man die Macht demokratisch kontrollieren.
Weil globale Plattformen nicht an Staatsgrenzen haltmachen, fordert er gemeinsame europäische und internationale Regeln. In Harvard sprach er von einer internationalen „Coalition of the Digital Willing“ sowie einer engeren Zusammenarbeit mit lateinamerikanischen Staaten.
Seine Botschaft: Nicht weniger Technologie – sondern verbindliche Regeln dafür, wer sie kontrolliert, wem sie nützt und wer für ihre Folgen verantwortlich ist.
Die Veranstaltung im John F. Kennedy Jr. Forum am 24. September 2026 trug den Titel „The Technoligarch Threat to Democracy“. Eine Abschrift der Rede von Pedro Sánchez findet sich auf der Website der spanischen Regierung.
Tech-Konzerne liefern autoritären Staaten die KI zur Überwachung ihrer Bürger
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