Österreichs unfaires Pensionssystem: Frauen bekommen 41 Prozent weniger Pension

Frauen verdienen weniger für ihre Arbeit, aber richtig groß wird der Unterschied erst in der Pension.

Frauen bekommen um 41 Prozent weniger Pension als Männer – der Unterschied ist in Österreich so groß wie kaum wo sonst. Die Gründe dafür: niedrigere Gehälter, zu wenig Kinderbetreuungsplätze und folglich nicht angerechnete Kinderbetreuungszeiten. 

Frauen bekommen in Österreich rund 41 Prozent weniger Pension als Männer. Im OECD-Durchschnitt haben Frauen um 26 Prozent weniger Pension, am geringsten ist der Unterschied in Estland mit unter 5 Prozent.

In Zahlen heißt das: Frauenpensionen liegen durchschnittlich bei 1.239 Euro und für Männer bei 2.103 Euro brutto. Der Unterschied liegt damit bei 41,06% oder 150 Tage. 2022 fällt somit der Equal Pension Day auf den 3. August, das ist jener Tag, an dem Männer bereits so viel Pension erhalten haben, wie Frauen erst bis Jahresende erhalten haben werden.

Grund für diese Schieflage ist die Lohnschere, denn der Lohn ist die Grundlage für die Pensionshöhe. Dazu kommt: Wenn Mütter (oder auch Väter) nach der Geburt Teilzeit arbeiten, bringt das zwar auch weniger Einkommen, aber richtig fällt es erst bei der Pension ins Gewicht.

Die Pensionsschere klafft doppelt so weit auseinander wie die Einkommensschere – trotz Mindestpension und Ausgleichszulage.

Vor dem Hintergrund der Rekord-Inflation ist diese Situation besonders dramatisch. „Gerade jetzt bei der enormen Teuerung ist eine durchschnittliche Pension von knapp über 1.200 Euro ein blanker Hohn, wenn man bedenkt, was Frauen immer noch unbezahlt leisten“, so SPÖ-Frauensprecherin Eva-Maria Holzleitner.

Dazu kommt, dass die Corona-Krise besonders Frauen getroffen hat: So waren 85 Prozent der Corona-Arbeitslosen Frauen und auch der Ausfall von Kindergarten und Schule hat vor allem Frauen getroffen.

Altersarmut trifft vor allem Frauen

Oft haben Frauen eine so kleine Pension, dass sie davon nicht leben können. Entweder müssen sie auch im hohen Alter noch in Jobs arbeiten, oder – wenn das körperlich nicht mehr geht – sie stecken in Armut fest. Die Armutsgefährdungsgrenze für einen Ein-Personen-Haushalt liegt in Österreich bei 1.371 Euro – und damit deutlich über der typischen Frauenpension. Am höchsten ist das Risiko für Altersarmut unter alleinstehenden Pensionistinnen. Im Jahr 2021 waren von 232.000 Menschen in Altersarmut 157.000 Frauen. Auch prozentuell sind Frauen häufiger betroffen: 178 Prozent aller Frauen über 65 sind armutsgefährdet, bei den Männern sind es 11 Prozent. Insgesamt gibt es einen deutlichen Anstieg an in Armut lebender PensionstInnen im Vergleich zu 2020, wobei der Anstieg von Armutsgefährdung bei Frauen mit einem Plus von 7,6% besonders groß ist.

Eine Ursache: Die Pensionskürzung von ÖVP und FPÖ aus 2003

Aber warum ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei der Pension in Österreich selbst im Vergleich zum OECD-Schnitt so groß? Eine wesentliche Ursache für das Auseinandergehen der Pensionen ist die ÖVP-FPÖ-Pensionsreform aus dem Jahr 2003. Bis dahin galten die besten 15 Jahre als Berechnungsgrundlage für die Pensionshöhe. Seither wird das gesamte Berufsleben für die Pensionshöhe herangezogen – und da schlagen sich Jahre der Kinderbetreuung und die Teilzeit bei Frauen besonders schwer nieder.

Die schwarz-blaue Pensionsreform war die größte Pensionskürzung der zweiten Republik, aber es war vor allem eine Kürzung der Frauenpensionen.

Frauen verdienen weniger für ihre Arbeit, aber richtig groß wird der Unterschied erst in der Pension.

Für die Pensionshöhe ist sowohl die Einkommenshöhe als auch die Zahl der Beitragsjahre relevant. Bei beiden Faktoren schneiden Frauen schlechter ab. Denn Frauen weisen rund 10 Jahre weniger auf, die als Beitragsjahre eingerechnet werden.

Und: Im letzten Jahr waren 4 von 5 Teilzeitstellen mit Frauen besetzt. Umgerechnet heißt das: Fast jede 2. Frau arbeitet Teilzeit. Das hat Folgen, wenn Frauen ins Pensionsalter kommen und äußert sich auch bei Mindestpension und Ausgleichszulage.

Frauen werden schlechter bezahlt – auch das hat Folgen

Doch nicht nur Teilzeitjobs sind der Grund für die niedrigen Pensionen. Es sind insgesamt die niedrigeren Löhne und Gehälter, die Frauen bezahlt bekommen.

Selbst, wenn Frauen Vollzeit arbeiten, bekommen sie 20 Prozent weniger ausbezahlt als Männer – für die gleiche Arbeit.

Hinzu kommt, dass Branchen, in denen viele Frauen arbeiten – etwa im Sozial-, Bildungs- und Handelsbereich – besonders schlecht bezahlt werden. „Dabei sind das vielfach jene Krisenheldinnen, die in der Corona-Krise so viel geleistet haben!“, so Holzleitner.

Damit ergibt sich, dass das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern bei 50.400 Euro brutto liegt, das von Frauen nur bei 38.800 Euro. Würde man Frauen in Teilzeit dazu rechnen, würde der Gehaltsunterschied übrigens sogar 40 Prozent betragen.

Viel zu wenig Kinderbetreuungsplätze

Dazu kommt, dass in vielen Regionen Österreichs Kindergärten und Schulen fehlen, deren Öffnungszeiten sich mit den Arbeitszeiten berufstätiger Eltern vereinbaren lassen.

Doch für viele Kinder unter 6 Jahren gibt es in Österreich keinen Betreuungsplatz, der mit einem Vollzeitjob vereinbar ist. Ein Elternteil muss dann Teilzeit arbeiten oder ganz zu Hause bleiben – und das sind meist Frauen, da sie weniger verdienen oder weil es eben dem Rollenbild entspricht. Einen Rechtsanspruch auf ganztägige und flächendeckende Kinderbildung gibt es bis heute nicht.

Es sind zu großen Teilen Frauen, die die unbezahlte Arbeit zu Hause leisten – auch 2022. Damit sich die Pensionen angleichen, muss sich das ändern.

„Männer müssen die Hälfte der unbezahlten Arbeit übernehmen, das ist gar keine Frage. Männer müssen ihren Teil der Verantwortung übernehmen, sei es in der Kindererziehung, im Haushalt oder wenn ältere Angehörige gepflegt werden müssen“, sagt Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger.

Seit 2019 werden Karenzzeiten im Job angerechnet

Es gibt aber auch Verbesserungen: Etwa, dass Karenzzeiten seit August 2019 auch im Job voll anerkannt werden. Das bringt Müttern schnellere Gehaltssprünge und letztlich höhere Pensionen. Eva-Maria Holzleitner von der SPÖ fordert hierbei eine bessere Berücksichtigung: So soll es pro Monat 50 Euro auf die Erwerbspension oben drauf geben, wenn Frauen Karenz- und Kinderbetreuungszeiten geleistet haben. Auch eine allgemeine „satte Pensionserhöhung“ fordert Holzleitner, damit sich bei der aktuellen Teuerung alle Menschen in Österreich noch Lebensmittel leisten können. Außerdem sollen ganztägige Kinderbetreuungsplätze in ganz Österreich kostenlos sein, der Pflegeberuf als Schwerarbeit eingestuft, ein Rechtsanspruch auf den Wechsel zwischen Vollzeit und Teilzeit sowie echte Einkommenstransparenz geschaffen werden.

[veröffentlicht am 26.7.2017, aktualisiert am 2.8.2022]

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