Pensionsbonus für Eltern

Österreichs unfaires Pensionssystem: Frauen erhalten 42 Prozent weniger Pension

Alex Harvey/Unsplash

Frauen bekommen um 40 Prozent weniger Pension als Männer – der Unterschied ist in Österreich so groß wie kaum wo sonst. Warum ist das so?  

Frauen bekommen in Österreich rund 40 Prozent weniger Pension als Männer, nur in Japan ist die Pensionsschere noch größer. Auch bei Firmenpensionen und privaten Pensionen liegen Frauen deutlich hinter den Männern. Das geht aus dem IHS-Policy-Brief zum jüngsten OECD-Bericht „Pension Markets in Focus 2019 “ hervor. Im OECD-Durchschnitt haben Frauen um 26 Prozent Pension, am geringsten ist der Unterschied in Estland mit 5 Prozent.

In Zahlen heißt das: Frauenpensionen liegen im Median bei 982 Euro und für Männer bei 1.953 Euro. Grund für die Schieflage ist die Lohnschere, denn der Lohn ist die Grundlage für die Pensionshöhe. Dazu kommt: Wenn Mütter (oder auch Väter) nach der Geburt Teilzeit arbeiten, bringt das zwar auch weniger Einkommen, aber richtig fällt es erst bei der Pension ins Gewicht.

Die Pensionsschere klafft doppelt so weit auseinander wie die Einkommensschere – trotz Mindestpension und Ausgleichszulage.

Und während die Einkommensschere langsam kleiner wird, geht die Pensionsschere zwischen den Geschlechtern sogar wieder auseinander. Und all das dürfte durch die Corona-Krise noch schlimmer werden: So sind 85 Prozent der Corona-Arbeitslosen Frauen und auch der Ausfall von Kindergarten und Schule hat vor allem Frauen getroffen. „Es ist fünf nach 12 für Frauen in Österreich. Wir dürfen nicht zulassen, dass Frauen von heute die Armen von morgen sind“, sagt die Vorsitzende des Österreichischen Frauenringes, Klaudia Frieben.

Eine Ursache: Die Pensionskürzung von ÖVP und FPÖ aus 2003

Aber warum ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei der Pension in Österreich am zweit größten in der gesamten OECD? Eine wesentliche Ursache für das Auseinandergehen der Pensionen ist die ÖVP-FPÖ-Pensionsreform aus dem Jahr 2003. Bis dahin galten die besten 15 Jahre als Berechnungsgrundlage für die Pensionshöhe. Seither wird das gesamte Berufsleben für die Pensionshöhe herangezogen – und da schlagen sich Jahre der Kinderbetreuung und die Teilzeit bei Frauen besonders schwer nieder.

Die schwarz-blaue Pensionsreform war die größte Pensionskürzung der zweiten Republik, aber es war vor allem eine Kürzung der Frauenpensionen.

Frauen verdienen weniger für ihre Arbeit, aber richtig groß wird der Unterschied erst in der Pension.

Für die Pensionshöhe ist sowohl die Einkommenshöhe als auch die Zahl der Beitragsmonate relevant. Bei beiden Faktoren schneiden Frauen schlechter ab. Die Pensionsversicherung kalkuliert für eine klassische Alterspension pro Einzahler mit 540 Beitragsmonaten. Diese Zeitspanne erreichen nur 26 Prozent der Frauen, aber 55 Prozent der Männer.

Und: Im letzen Jahr waren 8 von 10 Teilzeitstellen mit Frauen besetzt. Umgerechnet heißt das: Jede 2. Frau arbeitet Teilzeit. Das hat Folgen, wenn Frauen ins Pensionsalter kommen und äußert sich auch bei Mindestpension und Ausgleichszulage.

Frauen werden schlechter bezahlt – auch das hat Folgen

Doch nicht nur Teilzeitjobs sind der Grund für die niedrigen Pensionen. Es sind insgesamt die niedrigeren Löhne und Gehälter, die Frauen bezahlt bekommen.

Selbst, wenn Frauen Vollzeit arbeiten, bekommen sie über 22 Prozent weniger ausbezahlt als Männer.

Das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern liegt bei 50.400 Euro brutto. Das von Frauen bei 38.800 Euro. Würde man Frauen in Teilzeit dazu rechnen, würde der Gehaltsunterschied übrigens sogar 40 Prozent betragen.

Viel zu wenig Kinderbetreuungsplätze

Dazu kommt, dass in vielen Regionen Österreichs Kindergärten und Schulen fehlen, deren Öffnungszeiten sich mit den Arbeitszeiten berufstätiger Eltern vereinbaren lassen.

Nur für 3 von 10 Kindern unter 6 Jahren gibt es in Österreich einen Betreuungsplatz, der mit einem Vollzeitjob vereinbar ist. Ein Elternteil muss dann Teilzeit arbeiten oder ganz zuhause bleiben – und das sind meist Frauen, die weniger verdienen oder weil es eben dem Rollenbild entspricht.

Karenzzeiten im Job werden angerechnet

SPÖ-Frauensprecherin Heinisch-Hosek fordert den Rechtsanspruch auf kostenlose Kinderbetreuung. (Foto: Jaeger)

Es gibt aber auch Verbesserungen: Etwa, dass Karenzzeiten seit August 2019 auch im Job voll anerkannt werden. Das bringt Müttern schnellere Gehaltssprünge und letztlich höhere Pensionen.

Dazu fordert die SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek angesichts der aktuellen Daten den Rechtsanspruch auf einen ganztägigen Gratis-Kinderbetreuungsplatz in ganz Österreich, einen Mindestlohn von 1.700 Euro steuerfrei und Arbeitsmarktprogramme für Frauen. Die Neos fordern ebenfalls einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr – aber nicht kostenlos. Dazu will Neos-Frauensprecherin Henrike Brandstötter aber auch die rasche Erhöhung des Frauenpensionsalters auf 65 (sie ist derzeit bis 2033 geplant) und ein Pensionskonto, in dem alle Pensionsansprüche aus staatlicher, betrieblicher und privater Pensionsvorsorge dargestellt werden.

[veröffentlicht am 26.7.2017, aktualisiert am 29.7.2020]

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Wie sang Reinhard Mey:
Wie sang Reinhard Mey:
28. September 2018 16:43

Halt du sie dumm, ich halt sie arm?

Nur vor diesem Hintergrund kann Politik
und Wirtschaft machen, was sie will!

Das hat Mey sehr gut erkannt.

Damit ist nicht die Frau
Damit ist nicht die Frau
Reply to  Wie sang Reinhard Mey:
28. September 2018 16:48

gemeint, sondern das gesamte Volk!

Weil: Wer VWL nicht versteht, kann nichts,
aber auch rein überhaupt nichts bewegen.
Deshalb hat man uns Dumpfbacken zur
Wahl forgesetzt, weil solche Dumpfbacken
machen, was ihnen von der Wirtschaft ein-
geredet wird, weil sie von nichts Ahnung
haben. Strache und Kurz sind die Hyper-
beispiele dafür! Sie gehören zu den dümmsten
Menschen, die mir in meinem Leben jemals
untergekommen sind. Sie sind dümmer als
ein Schreiner-, Schlosser-, Mechaniker-,
…meister. Sogar Arbeiter können mit diesen
Dummfreaks locker mithalten!

Snoopy
Snoopy
28. September 2018 16:06

Dann gönnt ihnen endlich eine Pension, die alle Leben lässt. Schon deshalb, weil die laufenden Einzahlungen sowieso nichts mit der späteren Auszahlung zu tun haben! Ab mit euch faulen Säcken und auf zur einheitlichen Mindestpension, die die Teuerung alt aussehen lässt. Ach, was, Quatsch, zu feige, den Reichen angemessene Steuern abzuverlangen? Tja, wie wird man reich? Right: Durch niedrige Löhne, was sogar noch in der Pension doppelt schädigt: durch die erstens ohnehin gefakten, laufenden Einzahlungen, die, wie erwähnt, eine Frechheit sind und trotzdem als Grundlage zur Berechnung in der Pension dienen, was ich als Verbrechen am Bürger werte, ja ich… Weiterlesen »

Ich
Ich
28. September 2018 16:51

bin sehr traurig: Diplomatisches Gequatsche hat nichts gebracht – nichts!
Und wenn, dann nur die ständig wachsende Niederlage.

Deshalb gilt für mich als faul, wer sich politisch und wirtschaftlich
nicht interessiert. Da kann er arbeiten soviel er will! – Diese Art von
Menschen ist für den Niedergang der Überlebensfähigkeit der Arbeiter-
klasse überhaupt erst verantwortlich zu machen.

Wir sind es, die uns schädigen!

Gucky
Gucky
29. Juli 2017 14:06

Traurig ist es für Behinderte mit den 30 Arbeitsjahren. Bringt fast keiner zusammen. Vom Arbeitsmarkt nahezu ausgeschlossen Tümpeln sie mit den 840 Euro dahin. Dann sagen noch die Ober-gescheiten die bekommen eh noch Pflegegeld. Ist recht Lustig wenn man 670.- Euro Pflegegeld bekommt und für die billigste 24 Std. Pflege 1570.- Euro hinlegen muss. Ohne Familie bist da aufgeschmissen und ein Heimplatz ist dir sicher.

Industrie=Verbrecher
Industrie=Verbrecher
27. August 2019 11:12
Industrie=Verbrecher
Industrie=Verbrecher
27. August 2019 11:12
Was hast du heute noch zu tun?
Was hast du heute noch zu tun?
1. Oktober 2018 10:44
Gabriele Stark
Gabriele Stark
27. Juli 2017 18:05

Was halten Sie von folgender Idee: pro Kind muss der zeugende Mann einen %-Satz seiner Pension an die betreuende Frau abgeben, wenn diese entweder nicht oder nur vermindert selbst arbeitet. So einen Denkanstoß würde ich fair finden.
Freundschaft
Gabriele Stark

Gucky
Gucky
Reply to  Gabriele Stark
29. Juli 2017 14:08

Gute Idee würde ich Unterstützen.

Dagmar Rehak
Dagmar Rehak
Reply to  Gabriele Stark
30. Juli 2017 19:15

Und wenn er das gezeugte Kind selbst betreut? Zahlt ihm dann die Frau was?

Und umso mehr
Und umso mehr
Reply to  Gabriele Stark
28. September 2018 16:39

Kinder er hat, desto mehr muss er hungern?
Hehe, gut ausgedacht. Der, der der Volkswirt-
schaft neues Leben zuführt, soll widrige Arbeits-
verhältnisse annehmen, der Unternehmer raubt
Lohn und saugt am Steuertopf, besonders der
Großunternehmer, und später dafür hungern.

Langsam danke ich, man sollte der Menschheit
das Geld weg nehmen, dass sie wieder klar wird
im Kopf. Fazit: Weniger Privat, mehr Staat.

Offenbar funktioniert das nicht mit der Privatwirt-
schaft. Besonders das Börsen- und Bankenwesen
haben uns massiv geschädigt und genau die werden
SCHON WIEDER hofiert. Wahnsinn! Wahnsinn! Wahnsinn!

Ohne Geld
Ohne Geld
Reply to  Gabriele Stark
27. August 2019 11:14

kein Kampf, kein Streit: schafft es einfach und endlich ab!

Edith Gschiel
Edith Gschiel
2. August 2017 18:13

Für die Berechnung der Frauenpensionen müssten die 15 besten Verdienstjahre herangezogen werden.Da es kaum Voll-Zeitstellen für Frauen gibt. Ich arbeite schon elf Jahre in Teilzeit und hatte nie die Chance trotz vieler Überstunden und gebettel, einen besseren Vertrag zu bekommen.Übrigens, ich arbeite im öffentlichen Dienst.

Basta
Basta
Reply to  Edith Gschiel
28. September 2018 16:31

Was nützen dir die 15 besten Verdienstjahre, wenn ich dann sage, du hast 15 Jahre lang, ølich 1000 € erhalten, aber dir fehlen fünf od. 10 Jahre und ziehe dir deshalb pro Jahr zusätzlich zur Steuer auch noch 5 % od. wieviel auch immer ab? Es ist schon das unbedingte Grundeinkommen diskutiert worden, was heißt – auch wenn sich schon die reichen Gegner durchsetzten, indem sie unfaire Tarife ansetzten, sodass die Bürger es nicht angenommen haben –, dass dieses schon während des gesamten Lebenslaufes funktioniert, was viele Wissenschafter auch bestätigen (andere sind zwar dagegen, was aber nicht bedeutet, dass es… Weiterlesen »

Endthaler Manfred
Endthaler Manfred
30. Juli 2017 08:49

Die kleinen Pensionen der Frauen müßten echt angehoben werden, nicht nur eine Anpassung der Ausgleichszulage. Da die Ausgleichszulage z.B. bei der Anrechnung bei Unterhaltszahlungen kein Einkommen darstellen, bleiben diese Erhöhungen wirkungslos. Dasselbe gilt bei Steuerreformen : Was hilft die schönste Steuerreform, wenn davon wieder 40 Prozent an Unterhaltszahlung z.B. an die Exfrau draufgeht, da ja bei den untersten Pensionen kaum Anpassungen stattfinden.

Ihr habt alle dassel
Ihr habt alle dassel
Reply to  Endthaler Manfred
27. August 2019 11:19

be Problem: GELD! Tssss, tssss!

Dagmar Rehak
Dagmar Rehak
30. Juli 2017 19:33

Das einzige, was man aus diesen Zahlen herauslesen kann, ist, dass Frauen von Männern leben.

Ironie
Ironie
Reply to  Dagmar Rehak
27. August 2019 11:17

Und Männer leben auch nicht von der Nahrung, die sie einnehmen.

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