Fakten-Checks

„Frauen verdienen nur weniger, weil …“ 5 Erklärungen, die du nicht glauben solltest

Foto: Gonzalo Arnaiz

Am 13. Oktober 2017 ist in Österreich „Equal pay day“: Ab diesem Tag arbeiten Frauen statistisch gesehen bis Jahresende gratis. Und umgekehrt haben Männer zu diesem Zeitpunkt das Jahreseinkommen der Frauen erreicht. Zeit, sich genauer anzusehen, was hinter den 21,7 Prozent Gehaltsunterschied steckt.

Um diese 21,7 Prozent verdienen Frauen nämlich weniger als Männer. Basis für die Berechnung sind die Brutto-Jahreseinkommen von Vollzeitbeschäftigten: Das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern liegt bei 50.008 Euro brutto, das von Frauen bei 39.143 Euro. Die Einkommensnachteile durch den Gender Pay Gap summieren sich laut Berechnungen der Arbeiterkammer über ein ganzes Erwerbsleben betrachtet für Frauen auf durchschnittlich 435.000 Euro. Erklärungsmodelle für die Lohnschere gibt es viele. Hier die gängigsten Erklärungen, die nachweislich NICHT stimmen – und woran es wirklich liegt, dass Frauen am Arbeitsmarkt schlechter aussteigen.

gender pay gap: warum verdienen frauen weniger als männer

1. Frauen verdienen weniger als Männer, weil sie öfter Teilzeit arbeiten

Es stimmt, dass mehr Frauen Teilzeit arbeiten als Männer. Fast jede zweite berufstätige Frau in Österreich ist Teilzeit beschäftigt. Aber die Lohnschere von 21,7 Prozent berücksichtigt nur die Einkommen von Vollzeitbeschäftigten. Würde man Frauen in Teilzeit dazu rechnen, würde der Gehaltsunterschied sogar 40 Prozent betragen.

2. Männer arbeiten einfach härter

Einige meinen auch, dass Männer einfach härter arbeiten: Sie machen mehr Überstunden, nehmen weniger Urlaub und haben weniger Fehlzeiten wegen kranker Kinder.  Und es stimmt:  Zwei Drittel der unbezahlten Familienarbeit (Erziehung, Pflege der Kinder, Haushalt) werden noch immer von Frauen erledigt,  wie auch die OECD in einer Studie aus 2015 zeigt. Berufstätige Frauen, die Familie haben, arbeiten also insgesamt mehr Stunden am Tag als ihre männlichen Kollegen. Umgekehrt bedeutet ein langer Arbeitstag im Büro nicht unbedingt, dass man auch entsprechend mehr leistet. „Die achte bis zehnte Stunde an einem Arbeitstag ist nicht gleich produktiv wie jede frühere, sondern deutlich weniger“, erklärt Jörg Flecker vom Institut für Soziologie an der Universität Wien. Aufmerksamkeit und Geschwindigkeit sinken in dieser Zeit und es passieren mehr Fehler. Wie viel jemand leistet, hängt also nicht allein davon ab, wie viele Stunden man im Büro verbringt.

3. Die Lohnschere betrifft nur Frauen mit Kindern

Ab einem gewissen Alter reicht schon die Möglichkeit, potentiell Kinder bekommen zu können, die zu finanziellen Einbußen bei Frauen führt. So wird die Lohnschere ab 30 immer größer, egal ob die Frau ein Kind hat oder nicht. Auch im Karriereverlauf gehen die Wege von Frauen und Männern ab diesem Alter extrem auseinander,  so eine US-amerikanische Studie.

Karriereverlauf Männer Frauen: warum verdienen frauen weniger als männer

4. Frauen fordern zu wenig Gehalt

Ein Klischee, das sich nachhaltig hält: Frauen scheuen den Konflikt, wenn es ums Geld geht, und trauen sich nicht, ein höheres Gehalt zu fordern. Eine aktuelle Studie der britischen Universität Warwick  zeigt jedoch: Frauen fragen genauso oft nach einer Gehaltserhöhung wie Männer – sie erhalten nur seltener eine.  In Zahlen ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen die gewünschte Gehaltserhöhung bekommen, liegt um 25 Prozent niedriger als die Chance, dass Männer sich durchsetzen. In Experimenten hat man zudem rausgefunden, dass es für Frauen sogar beruflich nachteilig ist, wenn sie ein höheres Gehalt einfordern.

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf "Akzeptieren" im Banner klickst.

via GIPHY

Dazu kommt: Frauen wissen oft nicht, was ihre männlichen Kollegen mit gleicher Qualifikation verdienen. Mehr Transparenz über Männer- und Frauenlöhne in den Betrieben sollten die Einkommensberichte bringen, die seit 2011 in Österreich verpflichtend sind. Derzeit gilt das nur für Betriebe ab 150 MitarbeiterInnen – fast die Hälfte der berufstätigen Frauen profitiert deshalb nicht davon. Frauenpolitikerinnen fordern deshalb schon länger, diese Verpflichtung auch auf kleine und mittelgroße Unternehmen auszudehnen.

5. Männer verfolgen ihre Karriere einfach beharrlicher

Bis zu einem gewissen Ausmaß stimmt das: Gehaltsunterschiede ergeben sich auch aus unterschiedlichen Hierarchiestufen. Das erklärt aber nicht alles. Denn in Branchen, in denen viele Frauen arbeiten, wird generell schlechter bezahlt als in männerdominierten Berufen. Die Krankenhausmanagerin verdient schlechter als ihr Kollege in der Industrie. Der Portier besser als die Reinigungskraft. Aber selbst innerhalb einer Branche bleiben die Gehälter unterschiedlich: (Vollzeitbeschäftigte) Ärztinnen in den USA verdienen um 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Egal, ob Allgemeinmedizinerin oder Fachärztin.

Zusammengefasst: Ein Teil der Gehaltsunterschiede lässt sich auf Merkmale wie Ausbildung, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, Beruf oder Unternehmensgröße zurückführen. 15 Prozentpunkte der Lohnschere in Österreich können aber NICHT durch solche Faktoren erklärt werden. Frauen verdienen auch einfach deshalb weniger, weil sie Frauen sind.

Zum Schluss eine gute Nachricht: Der Gehaltsunterschied wird kleiner. Jahr für Jahr rückt in Österreich der Equal pay day ein bisschen nach hinten.  Fand der Equal Pay Day 2013 noch am 8. Oktober statt, werden Frauen im Schnitt jetzt statistisch um fünf Tage länger bezahlt. In Wien hat sich in den letzten fünf Jahren sogar eine Verbesserung um 15 Tage ergeben.

via GIPHY

Weiterlesen

Quellen: Statistik Austria: „Gender Statistik“

vox.com: „Warum der gender pay gap explodiert, wenn Frauen in ihren 30ern sind“

vox.com: „Die Wahrheit über die Einkommensschere“

Mehr zum Thema

„Frauen verdienen nur weniger, weil …“ 5 Erklärungen, die du nicht glauben solltest
Wir recherchieren und überprüfen die Inhalte und Fakten in unseren Beiträgen. Du hast trotzdem einen Fehler entdeckt? Oder Anregungen und Ergänzungen? Bitte schick uns eine Nachricht.
Wir recherchieren und überprüfen die Inhalte und Fakten in unseren Beiträgen. Du hast trotzdem einen Fehler entdeckt? Bitte schick uns eine Nachricht.
12 Kommentare

12
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
neueste älteste meiste Bewertungen
Nix Da
Nix Da

passend, dass ein Kommentar mit Informationen und ruhiger Sprache, wechler in allen Punkten dem Artikel widerspricht und dafür Argumente anführt am nächsten Tag gelöscht ist

das schafft Vertrauen

Nix Da
Nix Da

zu Punkt 2 es ist für die Firmen offenbar unerheblich, ob die xte Stunde ebenso produktiv ist, wie de ersten 8. Sie zahlen weitaus mehr. Die prozentuale Steigerung der Entlohnung ist nicht linear. Auch die Entlohnung regulärer Arbeitszeiten 35h zu 45h zB steigt stark nicht linear an. Beides gilt jedoch als .Vollzeit. Männer arbeiten, durchaus auch unfreiwillig, zu weit größerem Anteil in Richtung 45h. Vollzeitfrauen eher in Richtung 35h. zu Punkt 3 mag sein, hier sind aber auch die persönlichen Entscheidungen, statistisch gesehen, relevant. Ausserdem verdienen kinderlose Frauen in Management und IT Positionen zw 20 und 30 Jahren Studien zufolge… Weiterlesen »

uepsilonniks
uepsilonniks

Zu Punkt 1: Belege? Dass Frauen weniger arbeiten ist nämlich einer der ganz großen Punkte, warum die durchschnittliche Frau weniger verdient als der durchschnittliche Mann. Renate Schmitt, ehemalige deutsche Bundesfrauenministerin – also keine pöhse Maskulinistin – dazu: „Frauen verdienen ja nicht weniger: Bei gleicher Tätigkeit, gleicher Qualifikation und gleicher Berufserfahrung wird es sehr schwer nachzuweisen sein. Jede Frau hat die besten Chancen, eine Klage zu gewinnen, wenn es eine ungleiche Bezahlung bei sonst gleichen Voraussetzungen gibt.“

Die Frau Oesterreicherin
Die Frau Oesterreicherin

Ja genau weil die Betreuungspflichten und der Haushalt auch soviel Zeit zum klagen hergeben. Haha

Fee
Fee

Erstaunlich wie Männer trotz eindeutiger Argumente und Fakten nicht Ungerechtigkeiten zu Ihrem Vorteil wahrhaben wollen.
-> Erkenntnis aus den Kommentaren

Die Frau Oesterreicherin
Die Frau Oesterreicherin

Vogel Strauss Politik, stellen sich dumm und doof

Erstaunlich wie doof Frauen darauf reinfallen leider

julman
julman

Ist in der summierung der lebensarbeitszeit berücksichtigt, dass Frauen früher in Pension gehen aber ein höheres Lebensalter erreichen?

Trixi
Trixi

Als ob das für ein Gehalt, das ein privates Unternehmen für eine definierte Arbeit leistet, irgendeine Auswirkung hat? Wer früher in Pension geht, hat weniger am Pensionskonto und erhält damit auch weniger Pension – ist also kein Vorteil für Frauen. Der Altersunterschied wird übrigens laufend geringer: Grund, Frauen übernehmen männlichen Lebensstil wie das Rauchen .. Hängt also nicht wirklich am Geschlecht.

Die Frau Oesterreicherin
Die Frau Oesterreicherin

Das frühere Pensionsalter fällt ja bereits. Aber selbst wenn nicht:30,40 oder 50 Jahre einen Haushalt führen und Kinder pflegen und erziehen sind locker ein Halbtagsjob. Lieber Herr, machen Sie bitte diesen Halbtagsjob für mich, dann kann ich mich mehr meinen Hobbies widmen.

Peter skalicky
Peter skalicky

Ist das denn wahrlich ihr ernst?
Sie argumentieren die Gehaltsschere mit Studien aus den Usa und GB?! Welche Aussage hat das fur Österreich.
Ich habe die Befürchtung der/die AutorIn hat noch nie wissenschaftlich gearbeitet oder man wollte hier bewusst Stimmung machen.

Ra Appl
Ra Appl

Lieber Peter skalicky,
die Grunddaten zum Thema stammen lt. Angabe auf der Grafik von der „Statistik Austria“. – Wie ist das nun mit „noch nie wissenschaftlich gearbeitet oder man wollte hier bewusst Stimmung machen“???

Hi, ich bin nur ein Argument.
Hi, ich bin nur ein Argument.

Grafik bzw. Statistik ist nicht gleich Studie. Alle Studien, die hier angeführt sind, gelten für andere Länder und sollen in diesem Text die Statistik eines anderen Landes erklären. Klar, die Kultur ist nicht unterschiedlich, aber warum musste denn auf Studien aus dem Ausland zurückgegriffen werden? Ich kann den oben angeführten Kommentar also zur Gänze verstehen. Jetzt wo ich genau hinsehe, merke ich, dass selbst die Grafik von Vox.us kommt und augenscheinlich nur die €-Beträge aus Österreich. Und das 1. Argument wurde einfach mal so beschlossen. Da steht kein Nachweis, sondern das ist einfach so und Ende. Dann muss ich das… Weiterlesen »

Einfach anmelden und keinen Artikel mehr verpassen.
Anmelden
Mit einem Klick auf "Anmelden" akzeptieren
Sie die Privacy Policy von Kontrast.
close-image

Send this to a friend

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen