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Kontrast
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So hat es das kleine Island geschafft, dass Frauen und Männer fast gleich viel verdienen

Island Frauen Gleichberechtigung

Foto: Unsplash

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Europa, Frauen & Gleichberechtigung, Good News
Lesezeit:4 Minuten
28. Oktober 2025
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Island ist seit 16 Jahren Spitzenreiter bei der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Nirgendwo ist der Lohnunterschied bei gleicher Arbeit so gering wie dort. Von klein auf lernt man schon in der Schule, was Gleichberechtigung bedeutet – und rund 90 Prozent der Männer nehmen Elternzeit. Ein Blick auf die Musterinsel der Geschlechtergerechtigkeit.

Jedes Jahr bringt das „World Economic Forum“ den „Global Gender Gap Report“ heraus. Island führt das Ranking vor Finnland, Norwegen, Großbritannien, Neuseeland und Schweden an. Österreich liegt auf Platz 56. Seit 16 Jahren steht darin Island bei der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen an erster Stelle. Das kleine Land im Norden scheint das Rezept für ein gerechteres Leben gefunden zu haben.

Island verbietet Unterschied beim Gehalt von Männern und Frauen

Seit Jänner 2018 gilt in Island ein Gesetz, das es Unternehmen verbietet, Frauen und Männer mit vergleichbaren Jobs ungleich zu bezahlen. Weltweit war es das erste dieser Art. Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern müssen aktiv nachweisen, dass Frauen und Männer gleich viel für die gleiche Arbeit bekommen. Und das Gesetz zeigt Wirkung: Der bereinigte Gender Pay Gap, also der Unterschied im Gehalt bei vergleichbaren Jobs unter vergleichbaren Umständen, macht in Island gerade mal 3,6 Prozent aus. In Österreich ist er mit 12,3 Prozent mehr als drei Mal so groß. Bei dieser Berechnung sind Faktoren wie Branche, Beruf, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit und Arbeitszeit herausgerechnet.

Berücksichtigt man diese Umstände nicht und vergleicht, wie viel am Ende des Monats bei Frauen und wie viel bei Männern am Konto landet, liegt der Gehaltsunterschied auch in Island noch bei 21,9 Prozent (Österreich: 33,6 Prozent).

Männer müssen in Karenz gehen

Die isländische Gleichstellungspolitik setzt an verschiedenen Hebeln an, um gleiche Bezahlung herzustellen. In anderen Ländern wie Österreich stehen Frauen häufig bei der gläsernen Decke an und erreichen nicht dieselben Spitzenpositionen wie Männer. Bei Frauen macht die Gehaltskurve insbesondere nach der Geburt ihres ersten Kindes einen deutlichen Knick nach unten. Davon erholen sich die Gehaltskurven meist nie.

Väterbeteiligung Karenz (Quelle: Momentum)

Die isländische Regierung wollte sich nicht damit abfinden, dass die Kinderbetreuung bei den Frauen hängen bleibt, während Männer Karriere machen. Sie reformierte die Elternkarenz. Jeder Elternteil hat Anspruch auf 6 Monate Karenz, in dieser Zeit bekommen sie 80 Prozent ihres Gehaltes bezahlt. Maximal sechs Wochen davon können zwischen Mutter und Vater übertragen werden. Das Ergebnis: In Island gehen rund 90 Prozent der Väter in Karenz, in Österreich sind es gerade einmal 16 Prozent.

Echte Flexibilisierung

Die Elternzeit kann aber auch flexibel gestaltet werden. Man kann sie beispielsweise mit Teilzeitarbeit kombinieren oder die Kinderbetreuungszeiten flexibel mit dem Partner aufteilen: Wer will, kann beispielsweise eine Woche arbeiten und in der darauffolgenden eine Woche seiner Karenzzeit konsumieren. Prinzipiell ist jede Kombination möglich, solange sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber darauf einigen können. Islands Väter verbringen damit fast so viel Zeit mit ihren Kindern wie die Mütter.

40-Prozent-Quote für Vorstandspositionen

Durch die Maßnahmen teilen sich Männer und Frauen die Kinderbetreuung gerechter auf – damit erleben Frauen, anders als in anderen europäischen Ländern, seltener einen Karriereknick. Trotzdem gibt es auch in Island eine gläserne Decke. Auch hier werden Frauen seltener in Führungspositionen befördert. Doch auch dieses Problem geht die isländische Gleichstellungspolitik an. Im Gesetz zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist festgeschrieben, dass mindestens 40 Prozent aller Vorstandspositionen in Unternehmen von Frauen besetzt sein müssen.

Gleichberechtigung als Schulfach

Islands Politik setzt aber nicht nur bei den Betrieben an. Ab der Vorschule lernen Kinder schon über den Wert der Gleichberechtigung. Aktive Förderung ermuntert Mädchen dazu, sich mehr zuzutrauen. Gleichberechtigung ist aber auch Querschnittsmaterie in allen Fächern – und sexistische Schulbücher sind per Gesetz verboten.

Frauenstreik 1975: 90 Prozent der Frauen beteiligten sich

Der Weg zu einer so fortschrittlichen Gesetzgebung war aber auch in Island ein langer. Ein Schlüsselmoment dabei war der große Frauenstreik 1975. Ein Komitee der größten fünf Frauenorganisationen des Landes forderte anlässlich des internationalen „Frauenjahres“ die Isländerinnen dazu auf, ihre Arbeit am 24. Oktober ruhen zu lassen – also in den Frauenstreik zu gehen. In dem kleinen Land beteiligten sich 90 Prozent der Bewohnerinnen an den Protesten. 25.000 Frauen gingen an diesem Tag auf die Straße, um für höhere Löhne zu demonstrieren – das sind fast 10 Prozent der Bevölkerung. 1980 wurde Vigdís Finnbogadóttir zur Präsidentin gewählt. Sie war damit weltweit die erste Frau, die zum Staatsoberhaupt eines Landes gewählt wurde. Heute sind mit 46 Prozent fast die Hälfte der Parlamentarier:innen Frauen. In Österreich liegt der Anteil nur bei rund 36 Prozent.

 

Der Artikel wurde am 19. September 2019 und am 28. Oktober 2025 aktualisiert.

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5 Comments
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Markus Hamann
Markus Hamann
10. November 2025 17:29

Island zeigt, dass Gleichberechtigung kein Ideal ist, sondern schlicht machbar – vorausgesetzt, man merkt es ernst. Beeindruckend, wie konsequent das Land das Thema über Jahrzehnte verfolgt hat – von der Schule bis in die Vorstandsetagen. Dieses Gesetz, das gleiche Bezahlung verpflichtend macht, statt nur zu predigen, wirkt fast banal logisch. Und genau das ist der Punkt: Es funktioniert, weil Kontrolle und Haltung zusammenkommen. Dass 90 Prozent der Männer in Karenz gehen, sagt eigentlich alles über das Verständnis von Verantwortung. Nicht als Gefälligkeit, sondern als Normalität. In Österreich redet man immer noch von „Vereinbarkeit“ – als wäre Familie und Arbeit ein Widerspruch. Island zeigt, dass’s anders geht, wenn man Vertrauen in Strukturen statt in Zufall legt. Vielleicht braucht’s gar keine Revolution, sondern nur den Mut, Regeln zu schaffen, die fair sind – und sie dann auch einzuhalten.

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In Ru gibt es das
In Ru gibt es das
10. September 2019 20:42

Problem nicht: https://youtu.be/7Q3pBlZejSw?t=3391

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Hannes
Hannes
Reply to  In Ru gibt es das
11. September 2019 13:22

Offenbar sind wir Deutschsprachige die Rückständigen.

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Michi
Michi
29. April 2019 12:48

und das alles ohne EU! JUHU

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Frank Frei
Frank Frei
22. April 2019 20:50

Um einen Rechtsanwalt zu zitieren. „Ich wünsche mir einen echten Fall von unbegründeten Lohnunterschied bei Frauen. Ich würde so leicht mein Geld verdienen.“

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Der niederländische Historiker Rutger Bregman wurde 2019 einem neuen Publikum bekannt, als er beim Wirtschaftsgipfel in Davos kritisiert hat, dass man dort nicht genug über Steuern und Gerechtigkeit spricht. Der Auftritt wurde zu seinem Markenzeichen. Nun hat er in einer Talkshow den norwegischen Milliardär zur Rede gestellt, warum der sein Vermögen nicht besser für die Gemeinschaft nutzt. Bregman findet: Wer enormen Reichtum hat, soll diesen auch nutzen, um die Welt besser zu machen. Er fordert mehr moralische Ambition. Zitat: Ich fordere nicht, dass wohlhabende Menschen ihre Strandhäuser, Luxusautos oder Rolex-Uhren aufgeben. Ich fordere sie auf, zukünftige Historiker stolz zu machen. Die Geschichte erinnert sich nicht an Anlageportfolios. Sie erinnert sich an jene, die alles auf eine Karte gesetzt haben - die ihre Ressourcen, ihre Karrieren und ihren Ruf genutzt haben, um für etwas zu kämpfen, das größer ist als sie selbst. Rutger Bregman
Der niederländische Historiker Rutger Bregman wurde 2019 einem neuen Publikum bekannt, als er beim Wirtschaftsgipfel in Davos kritisiert hat, dass man dort nicht genug über Steuern und Gerechtigkeit spricht. Der Auftritt wurde zu seinem Markenzeichen. Nun hat er in einer Talkshow den norwegischen Milliardär zur Rede gestellt, warum der sein Vermögen nicht besser für die Gemeinschaft nutzt. Bregman findet: Wer enormen Reichtum hat, soll diesen auch nutzen, um die Welt besser zu machen. Er fordert mehr moralische Ambition. Zitat: Ich fordere nicht, dass wohlhabende Menschen ihre Strandhäuser, Luxusautos oder Rolex-Uhren aufgeben. Ich fordere sie auf, zukünftige Historiker stolz zu machen. Die Geschichte erinnert sich nicht an Anlageportfolios. Sie erinnert sich an jene, die alles auf eine Karte gesetzt haben - die ihre Ressourcen, ihre Karrieren und ihren Ruf genutzt haben, um für etwas zu kämpfen, das größer ist als sie selbst. Rutger Bregman

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