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Österreich-Aufschlag bei Lebensmittel: Wir brauchen strenge Regeln bei Mogelpackungen und Rabatten-Schwindel

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Portugal und Spanien zeigen: Steuersenkung auf Lebensmittel bringt niedrigere Preise

Foto: Unsplash+

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Teuerung, Wirtschaft und Finanzen
Lesezeit:5 Minuten
25. August 2025
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In den vergangenen Jahren sind die Lebensmittelpreise in Österreich massiv gestiegen – Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Erdäpfel kosten heute fast 50 % mehr als 2019, günstige Produkte haben sich teils sogar verdoppelt. Trotz Warnungen von Expert:innen verzichtete die damalige ÖVP-Grünen-Regierung auf Preisbremsen, während es andere Länder wie Spanien längst vorzeigten. Hinzu kommt der „Österreich-Aufschlag“: Markenprodukte sind hierzulande oft spürbar teurer als in Deutschland, weil Lebensmittelkonzerne bei kleineren Ländern einfach höhere Preise verlangen. Möglichkeiten, das zu ändern, gibt es genug: von stärkeren EU-weiten Regelungen über mehr Preistransparenz bis Preisdeckel.

Inhalt
Fehlende Inflationsbekämpfung brachte Preisanstieg in „nicht gekanntem Ausmaß“
“Österreich-Aufschlag”: Lebensmittel um bis zu 25% teurer als in Deutschland
Verschiedene Möglichkeiten, die Preise zu senken
Mehr Transparenz und Wettbewerb
Strengere Regeln bei Rabatten-Schwindel
Aus für Mogelpackungen
Internationaler Druck gegen “Österreich-Aufschlag”
Steuersenkungen
Preiseingriffe

Fehlende Inflationsbekämpfung brachte Preisanstieg in „nicht gekanntem Ausmaß“

Die Lebensmittel sind in den letzten Jahren sehr viel teurer geworden – nämlich um über 30 Prozent (2019-2024). Für Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Kartoffeln muss man heute fast 50 Prozent mehr zahlen, als vor der Teuerungskrise 2019. Besonders dramatisch ist der Preisanstieg bei günstigen Lebensmitteln (Grundnahrungsmittel, Eigenmarken, günstige Angebote). Da haben sich die Preise innerhalb von nur 3 Jahren mitunter verdoppelt – etwa für Öl, Kartoffeln oder Nudeln. Die Löhne konnten mit diesen Steigerungen nicht mithalten: Zwischen 2019 und 2024 sind sie nur um knapp 25 Prozent gestiegen.

Mitten in der Teuerungskrise 2022 beschrieb das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) von Preissteigerungen „in einem seit Jahrzehnten nicht gekannten Ausmaß“. Trotzdem griff die damalige ÖVP-Grünen-Regierung nicht in die Preise ein – obwohl andere Länder wie Spanien, Portugal oder Deutschland es längst vorzeigten, selbst Ökonomen wie Wifo-Chef Gabriel Felbermayr dazu rieten und Österreich damit in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen machte. Jetzt haben sich die Preise auf hohem Niveau festgesetzt und steigen mit einer Inflation von aktuell 3,5 Prozent mit.

Auch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) stellte zu hohe Lebensmittelpreise fest. Demnach haben die Supermarktketten die höheren Energiepreise – die unreguliert auf Rekordhöhen anstiegen – einfach an die Kund:innen weitergegeben. Alleine im Jahr 2022 stiegen für die Handelsunternehmen die Kosten für Energie um etwa 38 Prozent, die dann als sattes Plus am Kassazettel landeten. Dadurch hat die Bevölkerung bei jedem Einkauf die Milliarden-Gewinne im Energiesektor mitfinanziert – zusätzlich zu den staatlichen Energiekosten-Zuschüssen für Unternehmen, die ebenfalls bei den Supermärkten landeten.

“Österreich-Aufschlag”: Lebensmittel um bis zu 25% teurer als in Deutschland

Einen weiteren Grund machte die BWB aus: Internationale Lebensmittelkonzerne verlangen für das gleiche Produkt in kleinen Ländern wie Österreich zum Teil spürbar mehr als etwa in Deutschland. Das führte – u.a. neben der verfehlten Inflationspolitik hierzulande – dazu, dass Markenprodukte in Österreich rund ein Viertel mehr kosten als in unserem Nachbarland. Selbst direkt an der Grenze, wo die Bedingungen nahezu ident sind (etwa in Bezug auf Handelsbarrieren, Entfernung, Konsumverhalten), kosten die Produkte auf der österreichischen Seite um 13 Prozent mehr. Laut Konsumerhebung bezahlen die Menschen in Österreich im Schnitt 1.000 Euro mehr pro Jahr für ihren Lebensmitteleinkauf als in Deutschland.

Österreich-Aufschlag erklärt
Der sogenannte „Österreich-Aufschlag“ benachteiligt österreichische Konsument:innen seit Jahren. Dies bedeutet, dass idente Markenprodukte in Österreich deutlich teurer sind als in benachbarten Mitgliedstaaten, insbesondere Deutschland. Dieser Preisunterschied im zweistelligen Prozentbereich lässt sich nicht durch Qualitätsunterschiede oder Steuersätze erklären, sondern v.a. durch territoriale Lieferbeschränkungen der internationalen Markenartikelhersteller. Das heißt: Internationale Lebensmittelkonzerne verkaufen ihre Produkte ausschließlich an nationale Vertriebsunternehmen – und diese wiederum an die jeweiligen Supermärkte. So können österreichische Supermärkte nur vom österreichischen Vertriebsunternehmen die Produkte kaufen, die eben höhere Preise verlangen als etwa in Deutschland.

Das widerspricht grundsätzlich dem Wettbewerbsrecht der EU, weil Unternehmen ihre Produkte nicht künstlich verteuern oder den grenzüberschreitenden Handel behindern dürfen, indem sie Händler zwingen, nur im eigenen Land einzukaufen. Geschieht dies dennoch, kann die EU-Kommission dagegen vorgehen – und tat das in der Vergangenheit auch. In einem jahrelangen Prozess verhängte sie etwa eine millionenschwere Strafe gegen den US-Konzern Mondelez, zu dem Marken wie Milka, Daim und Toblerone, weil er die Preise künstlich erhöhte.

Mehrere Berichte von der Arbeiterkammer, der Bundeswettbewerbsbehörde sowie der EU-Kommission bestätigten allerdings, dass die unterschiedlichen Preise weiterhin bestehen – auf Kosten der Konsument:innen. Denn: Viele Konzerne umgehen das bestehende Verbot, indem sie ihre Lieferketten und Vertriebsstrukturen so gestalten, dass zwar kein ausdrückliches Verkaufsverbot existiert, der grenzüberschreitende Bezug aber praktisch unmöglich oder unattraktiv wird (z. B. durch exklusive Vertriebsverträge, unterschiedliche Verpackungsnormen, kleine Produktvarianten für einzelne Länder). Diese Graubereiche sind bisher nicht automatisch verboten. Im Mai 2025 kündigte die EU-Kommission ein Verbot sämtlicher Praktiken in diesem Bereich an.

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Verschiedene Möglichkeiten, die Preise zu senken

Mehr Transparenz und Wettbewerb

Um die Preise zu senken, gibt es mehrere Möglichkeiten. So wäre etwa die Einführung einer Preistransparenzdatenbank ein Lösungsansatz. Hier müssen alle Supermärkte verpflichtend ihre Preise inkl. Rabatte für verschiedene Produkte auf einer Website oder App offenlegen. Die Verbraucher könnten dort Preise vergleichen und sofort erkennen, welches Produkt wo aktuell am günstigsten ist. Diese Transparenz sorgt dafür, dass Unternehmen fairer handeln, weil sie wissen, dass ihre Preise öffentlich einsehbar sind und von den Kunden mit der Konkurrenz verglichen werden.

„Transparenzmaßnahmen wie zum Beispiel bessere Preisvergleiche – da gibt es internationale Studien – können bis zu 4 Prozent geringere Preise bewirken“, sagt dazu Natalie Harsdorf, Generaldirektorin der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde im Ö1-Morgenjournal.

Strengere Regeln bei Rabatten-Schwindel

Langzeituntersuchungen zeigen, dass viele vermeintliche Rabatte auf künstlich erhöhten „Normalpreisen“ basieren. Verbraucher:innen werden dadurch getäuscht, weil sie glauben, ein echtes Schnäppchen zu machen, obwohl gar nichts gespart wird.
Aktions-Artikel können mitunter sogar teurer sein als der ursprüngliche Preis, wie eine Recherche von oekoreich aufdeckte. Hinzu kritisieren Verbraucherschützer:innen, dass Aktionen häufig undurchsichtig sind, Ausnahmen im Kleingedruckten versteckt werden oder die Produkte rasch vergriffen sind. Laut einer Untersuchung der AK Steiermark waren fast 40 % der in Prospekten beworbenen Artikel in den Filialen gar nicht mehr verfügbar.
Diese Methoden der Lock-Angebote und Rabatten-Schwindels könnte man mit strengen Regeln und mehr Transparenz eindämmen.

Im August 2025 hat deshalb der Verein für Konsumenteninformation (VKI) im Auftrag des Sozialministeriums Klage gegen Billa, Spar, Hofer und Lidl eingereicht. Der Vorwurf: Die Supermarktketten geben bei Preisnachlässen nicht den günstigsten Preis an, den das Produkt in den letzten 30 Tagen gekostet hat – obwohl das gesetzlich vorgeschrieben ist. Für Kundinnen und Kunden ist deshalb oft nicht ersichtlich, ob die Rabatte tatsächlich eine Ersparnis bringen. Die Supermärkte täuschen sie damit über den tatsächlichen Preisvorteil.

Aus für Mogelpackungen

Weniger Inhalt zum selben Preis – auch das ist mittlerweile ein sehr beliebter Trick der Industrie. Konkret handelt es sich hierbei um versteckte Preiserhöhungen. Chipspackungen, die nur halb voll sind oder eine Reispackung mit weniger Inhalt – das sind klassische Fälle einer „Shrinkflation“.
Das Wort „Shrinkflation“ setzt sich aus dem englischen Wort „shrink“ für schrumpfen und Inflation zusammen. Mit diesem Vorgehen wollen die Hersteller Verbraucher:innen gezielt bei den Preisen täuschen. Die Arbeiterkammer nennt es eine „heimliche Abzocke“. Dagegen könnte Österreich mit Verboten und einer Kennzeichnungspflicht vorgehen. In Frankreich gilt etwa seit einem Jahr eine Kennzeichnungspflicht für solche Fälle. Große und mittelgroße Supermärkte müssen an ihren Regalen orange Schilder anbringen, die auf Produkte hinweisen, deren Gewicht oder Volumen reduziert worden ist. Frankreich setzte darüber hinaus auch durch, dass Supermärkte übrig gebliebene Lebensmittel spenden müssen.

Internationaler Druck gegen “Österreich-Aufschlag”

Die österreichische Regierung – insbesondere der zuständige ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer – könnte sich auf europäischer Ebene für eine Abschaffung des “Österreich-Aufschlags” einsetzen. Solche EU-weite Regulierungsinstrumente würde es den Herstellern verbieten, unterschiedliche Preise je nach Lieferort von ihren Abnehmern zu verlangen. Zum Beispiel:

  • Hersteller müssen innerhalb der EU einheitliche Großhandelspreise verlangen – unabhängig davon, in welches Mitgliedsland geliefert wird.
  • Verbot exklusiver nationaler Vertriebsnetze: Stattdessen müssen sie jedem autorisierten Händler in der EU verkaufen, der die Ware nachfragt.
  • Wird ein Produkt in einem EU-Land angeboten, muss es auch ohne Aufpreis oder künstliche Hürden in andere Mitgliedstaaten geliefert werden können.

Steuersenkungen

In der Inflationsbekämpfung gilt Spanien als internationales Vorbild. Dort griff die linke Regierung nicht nur in den Gas- und Strompreis ein, sondern führte frühzeitig einen Mietendeckel ein und setzte für Grundnahrungsmittel die Mehrwertsteuer aus. Für fast zwei Jahre waren damit Brot, Milch, Käse, Obst und Gemüse steuerfrei, die Steuer auf Öl und Pasta statt 10 % nur 5 %. Seit Anfang 2025 sind nun wieder die früheren Steuersätze in Kraft.

Preiseingriffe

Ein weiterer Vorschlag der Arbeitskammer ist eine stärkere Regulierung durch ein schärferes Preisgesetz. Ein schärferes Preisgesetz bedeutet, dass der Staat strengere Regeln einführt, um sicherzustellen, dass Unternehmen keine unfair hohen Preise verlangen dürfen. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass es Höchstpreise für bestimmte Produkte gibt oder dass Unternehmen bestraft werden, wenn sie ihre Preise ohne guten Grund stark erhöhen.
Bereits in der Vergangenheit gab es in Österreich eine Preiskommission, in der Arbeitgeber-Vertreter und Arbeitnehmer-Vertreter gemeinsam mit Regierungsvertretern Preise für Lebensmittel und Sprit festlegten.

 

Der Artikel wurde am 22. August 2025 aufgrund der Unterlassungsklage sowie am 25. August mit der Aussage von Natalie Harsdorf aktualisiert.

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque
Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Inflation

In einer Marktwirtschaft können sich die Preise von Waren und Dienstleistungen immer wieder ändern. Einige Produkte werden teurer, andere billiger. Steigen die Preise von vielen Produkten auf einmal, und damit das allgemeine Preisniveau, nennt man das Inflation. Von seinem Geld kann man sich dann weniger kaufen als vorher. Wie entsteht eine Inflation? Was ist die Inflationsrate? Was sind Deflation und Rezession?

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EU-Länder

Momentan gibt es in der EU 27 Mitgliedstaaten. EU-Länder sind: Belgien, Bulgarien, Rumänien, Tschechische Republik, Dänemark, Deutschland, Estland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Zypern, Lettland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Slowenien, Slowakei, Finnland, Kroatien und Schweden. Großbritannien trat mit 31. Januar 2020 offiziell aus der EU aus. Das Thema "EU-Mitgliedsstaaten" im Parlament

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ÖVP

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist eine der traditionellen Großparteien Österreichs. Sie vertritt vor allem bürgerlich-konservative Werte. Traditionell gilt sie als Interessenvertreterin der Wirtschaft, der Bauern sowie der römisch-katholischen Kirche.

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VKI

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation in Österreich, die im Auftrag der Arbeiterkammer und des Sozialministeriums tätig ist. Seine Hauptaufgabe ist es, die Rechte von Konsument:innen zu schützen und zu stärken – etwa durch Produkttests, Marktvergleiche, Rechtsberatung und die Führung von Muster- und Sammelklagen. Außerdem gibt der VKI das Magazin „Konsument“ heraus, das seit den 1960er-Jahren über Produktsicherheit, Preisvergleiche und Konsumentenschutzthemen berichtet. Damit fungiert der VKI als zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um fairen Wettbewerb, transparente Preise und den Schutz vor irreführenden Geschäftspraktiken. Mehr dazu gibt es hier.

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