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Streaming-Abgabe: Österreichs Musikszene braucht echtes Geld, nicht nur Klicks

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Streaming-Abgabe soll Musiker:innen inÖ sterreich zugute kommen. (Foto: Unsplash/Anton Mislawsky)

Streaming-Abgabe soll Musiker:innen inÖ sterreich zugute kommen. (Foto: Unsplash/Anton Mislawsky)

Kathrin Glösel Kathrin Glösel
in Kultur, Wirtschaft und Finanzen
Lesezeit:4 Minuten
16. Juni 2026
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Österreichs Musikmarkt wächst, doch viele heimische Musiker:innen spüren davon wenig. Streaming dominiert die Umsätze, 85 Prozent der Musikumsätze im Land werden über diese Plattformen gemacht. Für viele Musiker:innen bedeutet das zwar mehr Reichweite, aber kaum planbares Einkommen. Die Regierung will deshalb große Plattformen zur Kasse bitten. Die Einnahmen sollen zweckgebunden in die Musikförderung fließen.

Für Musiker:innen in Österreich ist die Lage schwierig. Streaming ist heute der wichtigste Umsatzmotor des Musikmarkts. Doch für viele Künstler:innen ist das keine sichere Einkommensquelle. Das Problem liegt im System: Beim Streaming fließt das Geld in große Lizenz-Töpfe, die nach Marktanteilen und Streams verteilt werden. Wer viele Streams erzielt, bekommt mehr. Wer wenig Reichweite hat, bekommt entsprechend wenig.

Kleine österreichische Acts konkurrieren dabei mit Weltstars, globalen Hits und Charts. Sichtbarkeit wird damit zur Voraussetzung für Einkommen.

Der Markt wächst, aber es verdienen vor allem die Plattformen

Spotify erklärt selbst, dass es keine fixe „per-stream rate“ gibt. Rund zwei Drittel der Musikeinnahmen werden an Rechteinhaber ausgeschüttet. Diese Rechteinhaber sind oft Labels, Vertriebe, Verlage oder Verwertungsgesellschaften. Erst danach landet, je nach Vertrag, ein Anteil bei Künstler:innen, Produzent:innen, Komponist:innen und Texter:innen.

Als grobe Orientierung nennt FM4 für Spotify 0,0033 Euro pro Stream im Schnitt. Das entspricht rund 1 Euro für 300 Streams. Anders gerechnet:

Um 3.300 Euro brutto ausbezahlt zu bekommen, muss ein Song also 1 Million Mal gestreamt worden sein. Dieser Betrag ist aber nicht garantiert. Label-, Vertriebs-, Management-, Produzent:innen- oder Bandanteile können ihn weiter verringern.

Streaming-Erlöse funktionieren anders als CD-Verkaufserlöse

Früher war der Zusammenhang einfacher. Ein Fan kaufte eine CD, und ein Verkaufserlös entstand. Auch damals hat man Kosten für Handel, Vertrieb, Label, Herstellung, Marketing und Steuern abgezogen. Trotzdem war der einzelne Verkauf klarer zurechenbar.

Heute zahlt ein Fan meist ein Monatsabo. Der Preis für dieses Abo wird dann aber nicht jeweils anteilige den Künstler:innen ausgeschüttet, die dieser Fan streamt. Sondern die Summen aller Abo-Einnahmen wandern in einen Topf mit einem breit gestreuten Erlösmodell. Entscheidend ist am Ende, welchen Anteil ein Track an allen Streams hat. Davon profitieren große Kataloge und internationale Hits besonders.

Musikumsätze sind stark gestiegen, gleichzeitig hat sich der Markt selbst stark gewandelt

Die Zahlen zeigen den Wandel deutlich. Laut IFPI Austria erzielte der Musikmarkt 2024 insgesamt 254 Mio. Euro Umsatz. Davon entfielen 185,8 Mio. Euro auf Streaming. Streaming hatte damit einen Marktanteil von 85,1 Prozent. CDs kamen nur noch auf 14,5 Mio. Euro, Vinyl auf 13,1 Mio. Euro.

Vor etwa 20 Jahren lag der gesamte österreichische Musikmarkt noch bei 145,5 Mio. Euro Umsatz. Streaming-Abos machten damals erst 8,9 Mio. Euro aus. Die CD war mit 73,5 Mio. Euro Umsatz noch das wichtigste Produkt. Heute bringt jeder einzelne Stream nur Bruchteile eines Cents.

Auch Live-Auftritte lösen das Problem nicht automatisch. Konzerte und Festivals sind wichtiger geworden, weil sie geringere Einnahmen aus dem Musikvertrieb ausgleichen sollen. Gleichzeitig sind die Kosten für Logistik, Equipment, Tourpersonal und Vorfinanzierung gestiegen.

Was die Streaming-Abgabe ändern soll

Die Regierung will nun eine Streaming-Abgabe einführen. Sie richtet sich an die Plattformen selbst, die Schwelle liegt bei zwei Millionen Euro Umsatz pro Plattform. Damit richtet sich die Maßnahme vor allem an große Player wie Spotify, Apple Music, Amazon Music oder YouTube. Kleinere Anbieter bleiben ausgenommen.

Die Abgabe soll auf Umsätze bei gestreamter Musik und gestreamten Musikvideos auf Abruf anfallen. Betroffen wären kostenpflichtige Abos ebenso wie kostenlose, werbefinanzierte Angebote. Gemeint sind Dienste, bei denen Nutzer:innen einzelne Inhalte selbst auswählen können. Webradios sollen also nicht darunterfallen.

Als Beitragshöhe sind fünf Prozent des Umsatzes vorgesehen. Vorbilder sind die österreichische Digitalsteuer.

In Europa gibt es in Frankreich seit 2024 eine derartige Abgabe. Sie ist aber mit 1,2 Prozent des Umsatzes niedriger angesetzt. darunter. Die Abgabe hat Einnahmen von 10 Millionen Euro im Jahr gebracht.

In Österreich entfielen im Vorjahr über 88 Prozent der Streaming-Umsätze (in Summe 202,9 Millionen Euro) auf bezahlte Abos. Eine Streaming-Abgabe könnte rund 7,6 Millionen Euro bringen. Ausnahmen für kleinere Unternehmen sind in dieser Schätzung bereits berücksichtigt.

Ziel: Mehr Geld für österreichische Musik

Die Einnahmen sollen zweckgebunden an das Kulturministerium gehen. Danach sollen sie über die Musikförderung zurück zu den Musiker:innen fließen. Zuständig für das Einheben soll das Finanzamt oder eine andere Stelle sein.

Der Österreichische Musikfonds ist derzeit vergleichsweise niedrig dotiert. Er verfügt über 2,2 Millionen Euro, davon rund 1,7 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln. Der Fonds unterstützt professionelle Musik aus Österreich, etwa bei Produktion, Vermarktung oder Touren. Durch die Abgabe könnte dieser Spielraum deutlich wachsen.

Befürworter:innen sehen darin eine Korrektur einer ungleichen Streaming-Wirtschaft. Ein kleiner Teil des Marktes erhält den Großteil der Einnahmen. Die neuen Mittel sollen breiter in die österreichische Musiklandschaft fließen. Möglich wären etwa Produktions- oder Tourneeförderungen.

Kritik kommt von Plattformen und der IFPI. Sie warnen vor geringeren Investitionen, sinkenden Ausschüttungen und möglichen Preissteigerungen für Kund:innen. Dem wird entgegengehalten, dass Plattformen in Österreich kaum investieren und Abo-Preise ohnehin regelmäßig erhöht werden.

Frankreichs Streamingabgabe brachte über 10 Millionen Euro für Musikförderung

Parlament Das Thema "Streaming" im Parlament

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