Im demokratisch regierten US-Bundesstaat Massachusetts wurde vor drei Jahren eine Millionärssteuer eingeführt. Wer mehr als eine Million Dollar im Jahr verdient, zahlt zusätzlich 4 Prozent Steuern. Trotz aller Warnungen der Kritiker zeigt sich: Die Wirtschaft wächst weiter, Reiche sind nicht abgewandert – und die Bevölkerung profitiert enorm davon. In den ersten drei Jahren kamen so 5,7 Milliarden US-Dollar zusammen, mit denen sowohl die Infrastruktur verbessert als auch die Bildung deutlich ausgebaut werden konnte.
Der US-Bundesstaat Massachusetts liefert ein Beispiel dafür, dass ein höherer Beitrag der Millionär:innen allen Menschen zugutekommt. Mit einer von den Wählern im Jahr 2022 verabschiedeten Reform wurde eine zusätzliche Steuer von 4 % auf Jahreseinkommen oberhalb einer Million Dollar eingeführt. Die daraus resultierenden zusätzlichen Mittel sind für Investitionen in öffentliche Dienstleistungen vorgesehen.
Der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani sieht in dieser sogenannten Fair Share-Steuer ein Vorbild. Denn auch er forderte im Wahlkampf eine zusätzliche Steuer von 2 % auf städtische Einkommen, die über einer Million Dollar liegen. Sein Ziel: Mit dem eingenommenen Geld die Bekämpfung der New Yorker Wohnungsnot zu finanzieren.
Eine Reichensteuer führt weder zu wirtschaftlichen Krisen noch zur Abwanderung der Superreichen
Kaum überraschend sagten Kritiker wirtschaftliche Krisen und eine Abwanderung der Wohlhabenden voraus. Das Cato Institute bezeichnete Mamdanis Steuerpläne als ein „Wunschdenken“, während Andrew Cuomo, sein Konkurrent im Rennen um das New Yorker Bürgermeisteramt, mit einem Wegzug nach Florida drohte.
Auch die Bevölkerung in Massachusetts hörte 2022 dieselben Argumente. Angeführt von den Multimilliardären Robert Kraft (Besitzer der Football-Mannschaft New England Patriots), Jim Davis (Eigentümer von New Balance) und der Bostoner Investmentfirma CrossHarbor Capital Partners, argumentierte die Opposition, dass die Fair Share-Steuer die Finanzprobleme des Bundesstaates nicht lösen, sondern zu Steuerflucht führen und Hausbesitzer benachteiligen würde, die ihre Häuser verkaufen.

Erwartungen übertroffen: Steuer brachte doppelt so viel Geld ein wie geplant
Doch was ist drei Jahre nach Einführung der Millionärssteuer wirklich passiert? Die Fakten zeigen, dass die Einnahmen aus der Fair Share-Steuer die Erwartungen sogar übertroffen haben. Seit 2022 hat der demokratisch regierte Bundesstaat mit der Steuer 5,7 Milliarden US-Dollar eingenommen und damit die ursprünglichen Prognosen verdoppelt.
Denn ursprünglich waren die Gesetzgeber davon ausgegangen, dass die Zusatzsteuer etwa 1 Milliarde Dollar pro Jahr einbringen würde. Doch bereits im ersten Jahr wurden die Prognosen übertroffen: Der Überschuss belief sich auf 2,2 Milliarden Dollar. Im Haushaltsjahr 2025 machten die Einnahmen aus der Fair Share-Steuer sogar 5 % des gesamten Staatshaushalts aus.
Kostenloses Essen für Schulkinder, Gratis Studium und Ausbau der Öffis
Wie in der Gesetzesänderung vorgeschrieben, wurden die zusätzlichen Einnahmen für Bildung und Verkehrsinfrastruktur verwendet. So erhalten beispielsweise alle Schulkinder in Massachusetts seit 2023 kostenloses Frühstück und Mittagessen. Es wurden zusätzliche Lehrkräfte eingestellt, Schulgebäude modernisiert und allen Einwohner:innen des Bundesstaates der Zugang zu einem gebührenfreien Studium an Community Colleges ermöglicht.
Und das ist bei Weitem nicht alles: Das Fair Share-Programm stärkte auch den öffentlichen Nahverkehr. Insgesamt wurden 76 Kilometer S-Bahnstrecke erneuert, 20 Brücken instand gesetzt und ländliche Straßen verbessert. Zusätzlich flossen 200 Millionen US-Dollar an regionale Verkehrsbetriebe – für kostenlose Busfahrten, längere Betriebszeiten und mehr Fahrer:innen.

Trotz Millionärssteuer: Keine Abwanderung der Superreichen
Entgegen der verbreiteten Erzählung über Vermögenssteuern kam es zu keiner nennenswerten Abwanderung wohlhabender Einwohner:innen. Im Gegenteil: Die Zahl der Millionäre nach Nettovermögen stieg um mehr als 30 %, und die Abwanderung junger, nicht wohlhabender Arbeitskräfte hat sich verlangsamt.
Die Daten aus Massachusetts stehen in deutlichem Widerspruch zu den düsteren Warnungen der Reichen und ihrem gängigen Selbstbild als heimatlose Jetsetter, die angeblich automatisch in das steuergünstigste Gebiet abwandern.
Laut dem Wirtschaftssoziologen Cristobal Young basiert ein großer Teil des Vermögensaufbaus nach wie vor auf Standort- und Insidervorteile. Konkret bedeutet das: Soziale Faktoren machen deutlich, dass auch reiche Menschen trotz höherer Steuern oft an ihrem Wohnort bleiben.
Vor dem Hintergrund zunehmender Ungleichheit macht Massachusetts vor, dass ein höherer Beitrag der Reichsten soziale Aufstiegschancen fördern und Investitionen in Infrastruktur sowie öffentliche Dienstleistungen absichern kann.
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