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Gratis Studium und Öffi-Ausbau: Massachusetts widerlegt Mythen zu Millionärssteuern

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Gratis Studium und Öffi-Ausbau: Massachusetts widerlegt Mythen zu Millionärssteuern

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Good News, Internationales
Lesezeit:3 Minuten
13. Januar 2026
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Im demokratisch regierten US-Bundesstaat Massachusetts wurde vor drei Jahren eine Millionärssteuer eingeführt. Wer mehr als eine Million Dollar im Jahr verdient, zahlt zusätzlich 4 Prozent Steuern. Trotz aller Warnungen der Kritiker zeigt sich: Die Wirtschaft wächst weiter, Reiche sind nicht abgewandert – und die Bevölkerung profitiert enorm davon. In den ersten drei Jahren kamen so 5,7 Milliarden US-Dollar zusammen, mit denen sowohl die Infrastruktur verbessert als auch die Bildung deutlich ausgebaut werden konnte.

Der US-Bundesstaat Massachusetts liefert ein Beispiel dafür, dass ein höherer Beitrag der Millionär:innen allen Menschen zugutekommt. Mit einer von den Wählern im Jahr 2022 verabschiedeten Reform wurde eine zusätzliche Steuer von 4 % auf Jahreseinkommen oberhalb einer Million Dollar eingeführt. Die daraus resultierenden zusätzlichen Mittel sind für Investitionen in öffentliche Dienstleistungen vorgesehen.

Der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani sieht in dieser sogenannten Fair Share-Steuer ein Vorbild. Denn auch er forderte im Wahlkampf eine zusätzliche Steuer von 2 % auf städtische Einkommen, die über einer Million Dollar liegen. Sein Ziel: Mit dem eingenommenen Geld die Bekämpfung der New Yorker Wohnungsnot zu finanzieren. 

Verschiedene Modelle für Millionärssteuern
Millionärssteuern oder Millionärsabgaben bezeichnet als Überbegriff Steuern, die von den reichsten Menschen im Land bezahlt werden müssen. Diese können beispielsweise auf das Vermögen anfallen (auch Vermögenssteuer genannt), auf Schenkungen und Erbschaften oder im Fall von Massachusetts auf besonders hohe Einkommen. Die Gemeinsamkeit ist, dass die Freigrenzen so hoch sind, dass nur Millionär:innen davon betroffen sind. Empirisch zeigt sich, dass in den allermeisten Fällen solche Steuern weder der Wirtschaft schaden, noch zu relevanter Abwanderung von Reichen führen, sondern umgekehrt Staaten dadurch mehr Geld für Investitionen und den Ausbau des Sozialstaates haben.

Eine Reichensteuer führt weder zu wirtschaftlichen Krisen noch zur Abwanderung der Superreichen

Kaum überraschend sagten Kritiker wirtschaftliche Krisen und eine Abwanderung der Wohlhabenden voraus. Das Cato Institute bezeichnete Mamdanis Steuerpläne als ein „Wunschdenken“, während Andrew Cuomo, sein Konkurrent im Rennen um das New Yorker Bürgermeisteramt, mit einem Wegzug nach Florida drohte.

Auch die Bevölkerung in Massachusetts hörte 2022 dieselben Argumente. Angeführt von den Multimilliardären Robert Kraft (Besitzer der Football-Mannschaft New England Patriots), Jim Davis (Eigentümer von New Balance) und der Bostoner Investmentfirma CrossHarbor Capital Partners, argumentierte die Opposition, dass die Fair Share-Steuer die Finanzprobleme des Bundesstaates nicht lösen, sondern zu Steuerflucht führen und Hausbesitzer benachteiligen würde, die ihre Häuser verkaufen. 

Vermögenssteuer-Umfrage: 2/3 der Österreicher sind dafür. (Bild: Kontrast.at)
Vermögenssteuer-Umfrage: 2/3 der Österreicher sind dafür. (Bild: Kontrast.at)

Erwartungen übertroffen: Steuer brachte doppelt so viel Geld ein wie geplant

Doch was ist drei Jahre nach Einführung der Millionärssteuer wirklich passiert? Die Fakten zeigen, dass die Einnahmen aus der Fair Share-Steuer die Erwartungen sogar übertroffen haben. Seit 2022 hat der demokratisch regierte Bundesstaat mit der Steuer 5,7 Milliarden US-Dollar eingenommen und damit die ursprünglichen Prognosen verdoppelt.

Denn ursprünglich waren die Gesetzgeber davon ausgegangen, dass die Zusatzsteuer etwa 1 Milliarde Dollar pro Jahr einbringen würde. Doch bereits im ersten Jahr wurden die Prognosen übertroffen: Der Überschuss belief sich auf 2,2 Milliarden Dollar. Im Haushaltsjahr 2025 machten die Einnahmen aus der Fair Share-Steuer sogar 5 % des gesamten Staatshaushalts aus. 

Kostenloses Essen für Schulkinder, Gratis Studium und Ausbau der Öffis

Wie in der Gesetzesänderung vorgeschrieben, wurden die zusätzlichen Einnahmen für Bildung und Verkehrsinfrastruktur verwendet. So erhalten beispielsweise alle Schulkinder in Massachusetts seit 2023 kostenloses Frühstück und Mittagessen. Es wurden zusätzliche Lehrkräfte eingestellt, Schulgebäude modernisiert und allen Einwohner:innen des Bundesstaates der Zugang zu einem gebührenfreien Studium an Community Colleges ermöglicht. 

Und das ist bei Weitem nicht alles: Das Fair Share-Programm stärkte auch den öffentlichen Nahverkehr. Insgesamt wurden 76 Kilometer S-Bahnstrecke erneuert, 20 Brücken instand gesetzt und ländliche Straßen verbessert. Zusätzlich flossen 200 Millionen US-Dollar an regionale Verkehrsbetriebe – für kostenlose Busfahrten, längere Betriebszeiten und mehr Fahrer:innen.

Vermögenssteuer in Österreich// Cartoon: Karl Berger
Cartoon: Karl Berger

Trotz Millionärssteuer: Keine Abwanderung der Superreichen

Entgegen der verbreiteten Erzählung über Vermögenssteuern kam es zu keiner nennenswerten Abwanderung wohlhabender Einwohner:innen. Im Gegenteil: Die Zahl der Millionäre nach Nettovermögen stieg um mehr als 30 %, und die Abwanderung junger, nicht wohlhabender Arbeitskräfte hat sich verlangsamt.

Die Daten aus Massachusetts stehen in deutlichem Widerspruch zu den düsteren Warnungen der Reichen und ihrem gängigen Selbstbild als heimatlose Jetsetter, die angeblich automatisch in das steuergünstigste Gebiet abwandern.

Laut dem Wirtschaftssoziologen Cristobal Young basiert ein großer Teil des Vermögensaufbaus nach wie vor auf Standort- und Insidervorteile. Konkret bedeutet das: Soziale Faktoren machen deutlich, dass auch reiche Menschen trotz höherer Steuern oft an ihrem Wohnort bleiben.

Vor dem Hintergrund zunehmender Ungleichheit macht Massachusetts vor, dass ein höherer Beitrag der Reichsten soziale Aufstiegschancen fördern und Investitionen in Infrastruktur sowie öffentliche Dienstleistungen absichern kann.

„Niemand zahlt so wenig Steuern wie Milliardäre“ – Starökonom Zucman fordert globale Reichensteuer

Parlament Das Thema "Millionärssteuer" im Parlament

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2 Comments
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Th. M.
Th. M.
29. Januar 2026 18:58

Hier wird aber ein Aufschlag auf die Einkommenssteuer mit einer Substanzbesteuerung auf VERMÖGEN vermischt. Ich denke zwar, dass die Egfekte vergleichbar wären, aber das sollte schon beleuchtet werden – sonst ist man sofort wieder angreifbar.

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Reinhard Lange
Reinhard Lange
19. Januar 2026 17:03

Für das Steuerjahr 2026 beträgt der Einkommensteuersatz in Massachusetts einheitlich 5,0 % für die meisten Erwerbs- und Nichterwerbseinkommen. Auf ein jährliches zu versteuerndes Einkommen über 1.083.150 US-Dollar wird jedoch ein Zuschlag von 4 % erhoben , sodass sich der Gesamtsteuersatz für Einkommen über dieser Grenze auf 9 % beläuft . 

Details zur Einkommensteuer:
In Massachusetts gilt für die meisten Einkommensarten ein „Flat Tax“-System. Das bedeutet, dass unabhängig von der Höhe des Einkommens der gleiche Steuersatz gilt, unterschiedliche Einkommensarten jedoch unterschiedlich besteuert werden können. 

  • Die meisten Einkünfte (Löhne, Zinsen, Dividenden, langfristige Kapitalgewinne): Werden mit einem Grundsteuersatz von 5,0 % besteuert .
  • Kurzfristige Kapitalgewinne: Gewinne aus dem Verkauf von Vermögenswerten, die ein Jahr oder weniger im Besitz des Eigentümers waren, werden mit 8,5 % besteuert .
  • Langfristige Kapitalgewinne aus Sammlerstücken: Diese Gewinne werden mit 12,0 % besteuert .
  • Zuschlagsgrenze: Der zusätzliche Zuschlag von 4 % gilt für alle Arten von steuerpflichtigem Einkommen (einschließlich Löhne, Zinsen, Dividenden und alle Kapitalgewinne), die 1.083.150 $ übersteigen . Diese Grenze wird jährlich an die Inflation angepasst. 
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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Sozialstaat

Als Sozialstaat bezeichnen sich Länder, die sich zum Ziel setzen, soziale Gerechtigkeit herzustellen, die Bürger:innen vor Lebensrisiken zu schützen und zwischen den verschiedenen Einkommenssituationen und Lebensphasen auszugleichen. Soziale Sicherheit sorgt dafür, dass Menschen, die von Armut, Krankheit oder Arbeitslosigkeit betroffen sind, finanziell aufgefangen werden und etwa Zugang zu guter medizinischer Versorgung haben. Es folgt dem Prinzip, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben und finanzielle Mittel fair verteilt werden sollen, damit alle die gleichen Chancen zur Teilhabe in der Gesellschaft haben. Die staatlichen Einrichtungen, das Steuersystem, die Gesetze und die Verwaltung sind also danach ausgerichtet, sozialen Ausgleich zu schaffen. So soll allen Menschen – von Kleinkindern bis Pensionist:innen – ein würdevolles Leben ermöglicht werden. 

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Vermögenssteuer

Eine Vermögenssteuer im engeren Sinne bezeichnet im Normalfall eine jährliche Steuer, die auf das Nettovermögen (also minus Schulden) von Personen eingehoben wird. Sie wird ab einer bestimmten – meist sehr hohen – Freigrenze fällig. Das Vermögen kann sowohl finanzielle Vermögenswerte (wie Aktien und Anleihen) als auch nicht finanzielle Vermögenswerte (wie Wohneigentum) umfassen. Im weiteren Sinne versteht man unter Vermögenssteuern alle vermögensbezogenen Steuern. Sie sind demnach einmalige und wiederkehrende Steuern auf die Nutzung, das Eigentum oder die Übertragung von Vermögen. Dazu zählen etwa Steuern auf unbewegliches Vermögen oder Nettovermögen, Grundsteuer, Erbschafts- und Schenkungssteuern sowie Finanz- und Kapitaltransaktionssteuern. Der Wert wird meist in Prozent aller Steuereinnahmen oder am BIP bemessen.  

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