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Krisengewinner: Öl-Konzerne verdienen 30 Millionen Dollar pro Stunde am Iran-Krieg

Ölpreise im Iran-Krieg. Bild: KI

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David Sowka David Sowka
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Lesezeit:3 Minuten
28. April 2026
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Eine Analyse von Global Witness und dem Energieinformationsdienst Rystad beziffert die Zusatzgewinne der 100 größten Öl- und Gaskonzerne im ersten Kriegsmonat auf 23 Milliarden Dollar. Bis Jahresende könnten es 234 Milliarden werden. Fünf EU-Finanzminister fordern eine Übergewinnsteuer.

Im März 2026 hat der durchschnittliche Ölpreis 100 Dollar je Fass erreicht, 30 Dollar mehr als vor Kriegsbeginn. Für die 100 größten Öl- und Gaskonzerne bedeutet das im ersten Monat nach Kriegsbeginn geschätzte Zusatzgewinne von rund 23 Milliarden Dollar, umgerechnet über 30 Millionen Dollar pro Stunde. Hält sich der Preis das Jahr über auf diesem Niveau, summieren sich die kriegsbedingten Mehreinnahmen auf 234 Milliarden Dollar. Die Zahlen stammen aus einer Auswertung von Rystad-Daten durch die Nichtregierungsorganisation Global Witness.

Saudi-Arabien und Russland als größte Profiteure

Größter Profiteur ist der mehrheitlich staatliche saudische Konzern Aramco. Auf das Unternehmen entfallen für 2026 prognostizierte Zusatzgewinne von 25,5 Milliarden Dollar. Das kommt zu den regulären Gewinnen hinzu, die Aramco zwischen 2016 und 2023 auf durchschnittlich 250 Millionen Dollar pro Tag brachten. Drei russische Unternehmen, Gazprom, Rosneft und Lukoil, kommen zusammen auf geschätzte 23,9 Milliarden Dollar. Russlands Einnahmen aus Ölexporten lagen im März bei 840 Millionen Dollar pro Tag, um die Hälfte höher als im Februar. Die Zahlen stammen vom Centre for Research on Energy and Clean Air, das den russischen Energiehandel seit Kriegsbeginn in der Ukraine verfolgt.

Auch die westlichen Konzerne profitieren. ExxonMobil soll 11 Milliarden Dollar an Kriegsgewinnen einstreichen, Chevron 9,2 Milliarden, Shell 6,8 Milliarden. Die Börsenwerte sind parallel gestiegen: ExxonMobil hat seit Kriegsbeginn 118 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung gewonnen, Shell 34 Milliarden. Chevron-Chef Mike Wirth verkaufte zwischen Jänner und März Aktien seines eigenen Unternehmens im Wert von 104 Millionen Dollar.

EU-Importkosten steigen um 22 Milliarden Euro

Wer zahlt, sind private Haushalte und Unternehmen über höhere Tank- und Energierechnungen. Dutzende Staaten, darunter Australien, Südafrika, Italien, Brasilien und Sambia, haben Kraftstoffsteuern gesenkt, um Konsumentinnen und Konsumenten zu entlasten. Die Einnahmenausfälle belasten die öffentlichen Haushalte. Die EU-Importkosten für fossile Energieträger sind seit Kriegsbeginn um 22 Milliarden Euro gestiegen.

In Österreich gilt seit 1. April 2026 eine Spritpreisbremse, die die Gewinnmargen von Raffinerien und Tankstellen per Verordnung deckelt und die Mineralölsteuer befristet senkt. Nach der ersten Woche zog die Regulierungsbehörde E-Control eine positive Bilanz: Die Zapfsäulenpreise sanken im Gesamtschnitt um 10,5 Cent bei Diesel und 18 Cent bei Super, bei den großen Markentankstellen sogar um 18 beziehungsweise 21 Cent. Österreich liegt damit im Preisniveau wieder unter Deutschland.

Auf europäischer Ebene haben die Finanzminister Deutschlands, Spaniens, Italiens, Portugals und Österreichs am 4. April in einem Brief an die Europäische Kommission eine koordinierte Übergewinnsteuer gefordert. Damit solle, so die Minister, ein klares Signal an jene gesendet werden, die von den Folgen des Krieges profitieren. Die Einnahmen sollten der Entlastung der Verbraucher dienen und die Inflation dämpfen, ohne die öffentlichen Haushalte zusätzlich zu belasten.

Ausbau erneuerbarer Energien dämpft Ölschocks

Fatih Birol, Direktor der Internationalen Energieagentur, bezeichnete die Verwerfungen als den größten Schock, den der globale Energiemarkt je erlebt habe. Simon Stiell, Klimachef der Vereinten Nationen, warnte Mitte März, dass die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern nationale Sicherheit und Souveränität untergrabe. In Ländern mit hohem Anteil erneuerbarer Energien fällt der Preisanstieg geringer aus.

Zur Einordnung: Mit 30 Millionen Dollar, also einer Stunde der aktuellen Kriegsgewinne der Branche, ließen sich nach IRENA-Daten je nach Region zwischen 20 und 30 Megawatt neue Onshore-Windkraft errichten. Bei einem Kapazitätsfaktor von rund 34 Prozent produzieren solche Anlagen pro Jahr etwa 50 bis 85 Gigawattstunden Strom, was dem Energiegehalt von fünf bis neun Millionen Litern Rohöl entspricht. Das entspricht grob dem Jahresstrombedarf einer kleinen Stadt mit 25.000 bis 45.000 Einwohner:innen, je nach Haushaltsgröße und Verbrauch. Onshore-Windkraft ist 2024 mit durchschnittlich 0,034 Dollar pro Kilowattstunde die günstigste neue Stromquelle weltweit geblieben.

Parlament Das Thema "Krisengewinner" im Parlament

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