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Erdwärme könnte Österreich unabhängiger von Öl- und Gasimporten machen. Das Potenzial ist groß, besonders in Wien: Bis zu 200.000 Haushalte will die Wien Energie in den nächsten Jahren mit Erdwärme versorgen. Doch rechtliche Hürden bremsen den Ausbau der erneuerbaren Energiequelle. Daher plant die Regierung noch heuer eine Reform.
Im Inneren der Erde ist es heiß, sehr heiß. 99 Prozent der Erdmasse sind heißer als 1.000 Grad Celsius. Selbst die oberen zehn Kilometer der Erdkruste enthalten noch so viel Wärme, dass man damit den Energiebedarf der gesamten Erde theoretisch 100.000-mal decken könnte. Genau hier setzt die Erdwärme an: Anlagen leiten Wasser durch Rohre tief in die Erde. Dort erwärmt es sich und bringt die Wärme zurück an die Oberfläche.
Durch die Energiekrise infolge des Irankriegs gewinnt Erdwärme an Bedeutung. Denn wie Wind, Wasser und Sonne muss Erdwärme nicht importiert werden – und hat den Vorteil, dass sie zuverlässig Wärme liefert, unabhängig von Wetter und Jahreszeit.
Je tiefer desto heißer – Wie Erdwärme funktioniert
Es gibt zwei Formen der Nutzung: Oberflächennahe Erdwärme kommt vor allem bei Wärmepumpen zum Einsatz. Hier reichen die Bohrungen meist ein paar hundert Meter tief in die Erde, wo Temperaturen zwischen 10 und 25 Grad Celsius herrschen. Das ist ausreichend, um Häuser und kleinere Gebäude zu beheizen. Strom lässt sich damit aber nicht erzeugen.
Anders ist das bei der Tiefen-Erdwärme: Hier reichen die Bohrungen mehrere Kilometer tief in den Untergrund, wo die Temperaturen deutlich höher sind. Tiefen-Erdwärme-Anlagen können ganze Stadtteile oder Gemeinden mit Wärme versorgen. Anders als die oberflächennahe Erdwärme, die an vielen Standorten möglich ist, ist Tiefen-Erdwärme aber auf unterirdisches Thermalwasser angewiesen – heißes Wasser, das tief im Untergrund in Gesteinsschichten zirkuliert.

Drei Regionen mit großem Potenzial
In Österreich sind die Voraussetzungen besonders gut. Geeignete Vorkommen gibt es vor allem in drei Regionen: im Molassebecken in Oberösterreich, im Steirischen Becken und im Wiener Becken. In Ried im Innkreis zeigt sich bereits, was möglich ist: Dort beziehen schon heute rund 60 Prozent der Haushalte Wärme aus Erdwärme. Auch in der Oststeiermark wird seit Jahren Erdwärme genutzt. In Bad Blumau etwa heizen Landwirte ihre Gewächshäuser mit Erdwärme – und können so ganzjährig Obst und Gemüse anbauen. Die Erdwärme-Anlage in Bad Blumau erzeugt neben Heizwärme außerdem Strom und gilt als internationales Vorzeigeprojekt.

Wien will 200.000 Haushalte mit Wärme aus der Tiefe versorgen
Vor allem Wien rückt stärker in den Fokus. Unter Wien befindet sich eines der größten unterirdischen Heißwasservorkommen Österreichs. Die Wien Energie treibt mit dem Projekt „deeep“ den Ausbau der Tiefen-Erdwärme voran. Geplant sind bis zu sieben Anlagen. Ab 2028 sollen zunächst 20.000 Haushalte Wärme aus Tiefen-Erdwärme erhalten. Langfristig will die Wien Energie damit bis zu 200.000 Haushalte versorgen – also rund ein Fünftel der Wiener Bevölkerung.

Warum Öl und Gas bisher im Vorteil sind
Noch gibt es aber rechtliche Hürden, die den Ausbau der Erdwärme bisher gebremst haben. Dabei geht es vor allem um das Eigentumsrecht: Wer in Österreich ein Grundstück besitzt, dem gehört dieses Grundstück theoretisch bis hinunter zum Erdkern. Nach unten gibt es keine Grenze. Betreiber von Erdwärme-Anlagen können sich daher nie sicher sein, ob ihre Anlage rechtlich abgesichert ist. Denn theoretisch kann jeder Grundeigentümer Einspruch einlegen – anders als bei Erdöl und Erdgas.
Reform soll den Ausbau von Erdwärme erleichtern
Für diese Rohstoffe gibt es nämlich Ausnahmen. Öl- und Gasunternehmen brauchen nicht die Zustimmung aller Grundeigentümer. Es reicht, wenn ihnen das Grundstück gehört, auf dem die Förderanlage steht. Diese Ausnahmeregelung will die Regierung auch auf Erdwärme-Anlagen anwenden. Noch 2026 soll die entsprechende Reform kommen. Im April stimmten im Parlament bereits alle Parteien einem Entschließungsantrag in diese Richtung zu.
„Wir wollen Klarheit schaffen und der Erdwärme in Österreich dadurch zum Durchbruch verhelfen […] Unter unserer Erde liegt ein riesiger Schatz, der erneuerbare Energie für hunderttausende Haushalte in ganz Österreich bereitstellen kann“, erklärte SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll nach der Abstimmung.
Bereits im Regierungsprogramm haben ÖVP, SPÖ und NEOS Reformen für den Ausbau dieser erneuerbaren Energie angekündigt.
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