Giorgia Meloni führt in Italien seit 2022 die stabilste Regierung seit Jahrzehnten. Trotz Sozialkürzungen und autoritärer Politik findet die Opposition bislang keinen Hebel gegen die Rechtskoalition von Meloni. Die ehemalige Olympia-Hammerwerferin Silvia Salis zeigte vergangenes Jahr in Genua, der sechstgrößten Stadt Italiens, wie man als unabhängige Kandidatin mit einem Mitte-Links-Bündnis eine rechte Stadtregierung nach acht Jahren ablöst. Jetzt wird die Bürgermeisterin als linke Anti-Meloni gehandelt, die 2027 gegen die Ministerpräsidentin antreten könnte.
Georgia Meloni begann ihre politische Laufbahn in der Jugendorganisation der Movimento Sociale Italiano, einer 1946 von ehemaligen Anhängern Mussolinis gegründeten Partei. Aus dieser postfaschistischen Tradition entstand später ihre heutige Partei Fratelli d’Italia . Sie regiert seit 2022 mit der rechtspopulistischen Lega von Matteo Salvini und der von Silvio Berlusconi gegründeten konservativen Forza Italia . Die Lega sitzt im Europaparlament gemeinsam mit der FPÖ in der Fraktion Patriots for Europe .
Die Koalition in Rom fährt einen harten Rechtskurs : Man kürzt Sozialleistungen, verschärft die Migrationsgesetze, schränkt Rechte gleichgeschlechtlicher Paare ein, will die Verfassung umbauen, damit die Regierungschefin direkt gewählt wird und will die Justizaufsicht schwächen.
Lange schien Meloni unbesiegbar. Bei einem umstrittenen Verfassungsreferendum im März 2026 stimmten rund 54 Prozent gegen ihre Justizreform. Es war die erste größere Niederlage seit ihrem Amtsantritt. Meloni schloss einen Rücktritt aus und will weiterregieren . Das Image der Unschlagbaren ist beschädigt. In der zerstrittenen Opposition wächst die Hoffnung auf einen Wahlsieg.
Silvia Salis gelingt Wahlsieg in der alten linken Hochburg
In dieser Lage rückt eine Frau ins Zentrum, die vor gut einem Jahr noch kaum politische Erfahrung hatte. Silvia Salis wuchs im Genueser Arbeiterviertel Sturla auf. Ihr Vater war Platzwart einer städtischen Sportanlage und Mitglied der Kommunistischen Partei, ihre Mutter städtische Angestellte.
Schon als Kind kam sie über den Sportplatz ihres Vaters zur Leichtathletik und spezialisierte sich später auf den Hammerwurf. Sie holte zehn italienische Meistertitel, gewann Gold bei den Mittelmeerspielen und nahm zweimal an den Olympischen Spielen teil. Nach einer Verletzung beendete sie 2016 ihre Karriere. Sie wechselte als Funktionärin ins italienische Olympische Komitee CONI, wo sie zuletzt als Vize-Präsidentin tätig war.
Im Mai 2025 gewann Salis die Wahl in Genua mit 51,5 Prozent gegen den Kandidaten der Rechtskoalition und beendete damit acht Jahre rechte Stadtregierung. Sie kandidierte als unabhängige Kandidatin, getragen von einem Bündnis aus dem sozialdemokratischen Partito Democratico , dem Movimento 5 Stelle , den Grünen und kleineren Mitte-Links-Listen.
Salis setzt Mindestlohn durch, unterstützt Arbeiterstreiks und unterstützt Familien mit lesbischen Eltern
Salis setzte Beschlüsse durch, die unter der rechten Vorgängerregierung keine Chance gehabt hätten. Firmen, die städtische Aufträge erhalten, müssen ihren Beschäftigten seither mindestens neun Euro pro Stunde zahlen.
Im November 2025 stellte sie sich hinter die Streiks der Arbeiter des ehemaligen ILVA-Stahlwerks in Cornigliano, die gegen drohende Werksschließungen und Massenentlassungen protestierten.
Außerdem erkannte die Stadt unter Salis elf Kinder von Zwei-Mütter-Familien offiziell an. Möglich wurde das durch ein Urteil des Verfassungsgerichts zur doppelten Mutterschaft; politisch bedeutete der Schritt in Genua aber auch einen Kurswechsel gegenüber der früheren rechten Stadtregierung. Zudem eröffnete die Stadt ein Büro für LGBTQIA+-Rechte.
Größere Bekanntheit erlangte Salis im April 2026. Meloni hatte 2022 als eine ihrer ersten Amtshandlungen ein Verbot illegaler Raves erlassen. Salis lud die belgische DJane Charlotte de Witte nach Genua ein und ließ sie kostenlos auf der Piazza Matteotti in der Innenstadt auflegen. Mehr als 20.000 Menschen kamen zu dem Open-Air-Konzert .
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Gleichauf mit Meloni: Umfrage gibt der Linken in Italien neue Hoffnung
In einer Umfrage des Instituts Noto käme eine Liste unter Salis‘ Namen auf 6,5 Prozent. Damit läge das Mitte-Links-Lager mit 45,5 Prozent fast gleichauf mit dem Rechtsbündnis um Meloni, das auf 46,8 Prozent kommt.
Salis selbst hält sich eine Kandidatur offen. Wie eine gemeinsame Kandidatin der Mitte-links-Parteien bestimmt werden soll, ist noch nicht geklärt . Eine Vorwahl lehnt Salis ab und verweist auf Absprachen zwischen den Parteien.



































