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Wer Europa bereisen will, kann mit nur wenigen Klicks Flugtickets kaufen. Will man hingegen mit dem Zug fahren, muss man deutlich mehr Geduld mitbringen. Nicht nur dauert die Zugfahrt länger, schon beim Ticketkauf werden einem Steine in den Weg gelegt. Das soll sich ändern. Die EU-Kommission hat einen Vorschlag zu einem einheitlichen Buchungssystem vorgelegt.
Will man etwa von Wien nach Lissabon fliegen, ist ein Flugticket schnell gebucht. Für dieselbe Strecke per Zug muss man gute Nerven mitbringen. Verbindungen müssen über verschiedene Plattformen zusammengesucht und Teilstrecken einzeln gebucht werden. Somit muss man für eine Strecke verschiedene Tickets von unterschiedlichen Anbietern kaufen. Das macht die Sache unnötig kompliziert. Grund dafür ist die Struktur des europäischen Ticketmarkts. Der wird großteils national abgewickelt, Bahnunternehmen haben oft wenig Interesse daran, Tickets ihrer Konkurrenten zu vertreiben.
Laut einer Eurobarometer-Umfrage haben 25 Prozent der Europäer:innen Schwierigkeiten, Tickets für Reisen mit mehreren Zügen zu kombinieren. Knapp 45 Prozent verzichten ganz darauf, weil sie der Buchungsprozess über mehrere Apps abschreckt.
Eine Reise, eine Buchung, ein Ticket
Um mehr Menschen vom Flugzeug in die Züge zu bekommen, muss deshalb unter anderem die Buchung so einfach wie möglich sein. Daher plant die Europäische Kommission das sogenannte Passenger Package. In Zukunft soll es möglich sein, Zugverbindungen durch ganz Europa auf einer Plattform zu suchen und zu kaufen. Außerdem sollen die Angebote neutral angezeigt werden und den Vergleich nach Preis, Reisedauer und Abfahrtszeit für Reisende möglichst einfach zu machen.
Fahrgastrechte wie im Flugzeug
Eine weitere Änderung, die umgesetzt werden soll, betrifft die Fahrgastrechte. Ähnlich wie im Flugverkehr fordert die EU bei verpassten Anschlusszügen eine Weiterbeförderung ohne zusätzliche Kosten. Im Bedarfsfall soll außerdem Verpflegung oder eine Übernachtung gewährleistet werden.
Auch Entschädigungen sollen gezahlt werden. Hat ein Zug etwa 120 Minuten Verspätung, bekommt man 50 Prozent des Ticketpreises zurück. Zwar gelten diese Sätze bereits heute. Bisher fühlte sich im grenzüberschreitenden Bahnverkehr aber niemand dafür zuständig.
Bis die neuen Regeln umgesetzt werden, wird es allerdings noch etwas dauern. Im Herbst wird das Europäische Parlament nach dem Vorschlag der EU-Kommission mit der Arbeit an dem Gesetz beginnen.
„Es kann nicht sein, dass es einfacher ist, einen Flug ans andere Ende der Welt zu buchen als eine Zugreise von Wien nach Lissabon. Genau deshalb ist es Zeit, Europa auf Schiene zu bringen. Mit dem von der Kommission vorgestellten neuen Ticketingsystem soll es künftig möglich werden, grenzüberschreitende Zugreisen mit einem einfachen Klick zu buchen. Dadurch können Konsument:innen Angebote deutlich leichter vergleichen, während mehr Wettbewerb dazu beitragen kann, die Preise zu senken“, sagt EU-Abgeordneter Andreas Schieder (SPÖ).
Das neue Ticketing-System könnte für Bahnreisende das werden, was die Abschaffung der Roaming-Gebühren für Handynutzer:innen ist: eine europäische Lösung, die Grenzen im Alltag endlich weniger spürbar macht.
Gerade in Österreich, wo immer mehr Menschen mit der Bahn fahren, wäre das eine positive Entwicklung.
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