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Österreich fährt immer mehr Bahn – und sichert damit über 80.000 Arbeitsplätze

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In Österreich fahren die Menschen immer mehr mit der Bahn

In Österreich fahren die Menschen immer mehr mit der Bahn. Foto: Collage. Links: ÖBB / Florian Pirnbacher; Rechts: ÖBB/Lukas Leonte.

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Erklärt
Lesezeit:5 Minuten
3. Juni 2026
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In Österreich fahren die Menschen immer mehr mit der Bahn. Laut Schienen-Control stieg die Zahl der Bahnfahrten in Österreich seit 2016 um rund 21 Prozent. Der Ausbau der Bahn-Infrastuktur ist dabei nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die Wirtschaft wichtig: In Österreich hält der Bahnsektor mehr als 80.000 Arbeitsplätze und bewegt fast 100 Millionen Tonnen Güter auf der Schiene.

Die Bahn befördert nicht nur Millionen Menschen und Güter, sondern schafft auch Arbeitsplätze. Jeder zusätzliche Zug braucht nicht nur Strom und Schienen, sondern auch Menschen, die planen, bauen, reparieren, programmieren und forschen. Der Bahnsektor gehört daher zu den größten Arbeitsfeldern Österreichs.

Gerade weil in Österreich immer mehr Fahrgäste die Bahn nutzen, wächst dieser Wirtschaftszweig mit zehntausenden Jobs. Gleichzeitig steht die Bahn-Branche auch vor Problemen: Im Güterverkehr geht es aufgrund von hohen Energiepreisen und der schwachen Wirtschaftsentwicklung stockend voran.

21 Prozent mehr Bahnfahrten als 2016: Österreich fährt immer mehr Bahn

Die Zahl der Bahnfahrten stieg von etwa 288 Millionen im Jahr 2016 auf mehr als 348 Millionen im Jahr 2024. Das ist ein Plus von rund 21 Prozent.

Das heißt nicht, dass so viele verschiedene Menschen mit der Bahn gefahren sind. Wer regelmäßig mit dem Zug fährt, wird dabei mehrfach gezählt.

Laut Schienen-Control ist diese Entwicklung vor allem einem besseren Angebot zu verdanken: Es gibt mehr Verbindungen, dichtere Taktungen und neue Streckenabschnitte. Dazu zählen etwa die heuer in Betrieb genommene Koralmbahn, die die Verbindungen zwischen Wien und Villach um rund eine Stunde verkürzt hat. Außerdem gibt es zusätzliche Nachtzüge und verlängerte WESTbahn-Verbindungen.

Auch pro Einwohner:in gerechnet fahren Österreicher:innen besonders viel Bahn. Eurostat zählte 2024 28,5 Bahnfahrten pro Kopf. Nur Luxemburg, Dänemark und Deutschland lagen höher.

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Österreichs Bahnen fahren zu 100 Prozent mit grünem Strom

Züge fahren in Österreich zu einem großen Teil elektrisch. Strom kann aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden, also etwa aus Wasserkraft, Windkraft oder Sonnenenergie.

Die ÖBB fahren seit 2018 mit 100 Prozent grünem Bahnstrom. Seit 2019 versorgen sie auch Gebäude und Betriebsstätten mit Strom aus erneuerbarer Energie.

Hinzu kommt, dass die ÖBB einen Teil ihres Bahnstroms selbst erzeugen. Das Unternehmen betreibt neun eigene Wasserkraftwerke. Diese liefern rund ein Drittel des Bahnstroms, den Österreichs Bahnverkehr braucht. Die ÖBB plant bis 2030 einen Ausbau auf 80 Prozent.

Dieser Bahnstrom ist nicht nur für ÖBB-Züge wichtig. Auch private Anbieter fahren auf dem ÖBB-Netz und können diesen Bahnstrom nutzen – etwa die WESTbahn im Personenverkehr oder private Güterbahnen wie CargoServ und Ecco-Rail.

Der Bahnsektor beschäftigt mehr als 80.000 Menschen in Österreich

Möchte man die Frage der Beschäftigung in den Blick nehmen, muss man zwischen der Bahnindustrie und dem gesamten Bahnsektor unterscheiden.

Zur Bahnindustrie zählen Unternehmen, die den Bahnverkehr technisch möglich machen: Sie entwickeln, bauen, liefern oder warten Züge, Schienen, Motoren, Bremsen oder Software. Über 34.000 Menschen sind dort in Österreich beschäftigt. Davon arbeiten über 18.000 Menschen direkt in der Bahn-Branche. Weitere Jobs entstehen indirekt bei anderen Betrieben, etwa bei Material-Zulieferern.

Der gesamte Bahnsektor ist größer: Dazu gehören zusätzlich auch die Unternehmen, die Züge betreiben – also etwa Lokführer:innen, Zugbegleiter:innen, Bahnhöfe, Werkstätten und Verkehrsunternehmen wie die ÖBB, die WESTbahn oder Güterbahnen. Er zählt insgesamt über 80.000 Beschäftigte.

Allein bei den ÖBB sind ungefähr 48.000 Menschen angestellt. Dazu kommen private Bahnunternehmen wie die WESTbahn im Personenverkehr sowie Güterbahnen wie Ecco-Rail, Lokomotion oder CargoServ. Ende 2024 waren in Österreich insgesamt 92 Eisenbahnunternehmen tätig.

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Einblick in die verschiedensten Jobs im Bereich „Bahnsektor“, konkret bei der ÖBB, geben die „Gleisgeschichten“ auf Youtube!

Innerhalb von 3 Jahren 22 Prozent mehr Beschäftigte in der Bahnindustrie

Seit 2023 ist die Zahl der Beschäftigten in der Bahnindustrie um 22 Prozent gestiegen. Der Anstieg hängt mit mehreren Entwicklungen zusammen: Österreich investiert bis 2030 rund 23 Milliarden Euro in den Ausbau und die Erhaltung des Bahnnetzes. Große Projekte wie die Koralmbahn, der Brenner Basistunnel und der Semmering Basistunnel laufen gleichzeitig und die Nachfrage nach moderner Bahntechnik steigt.

Dazu kommt: Die österreichische Bahnindustrie produziert nicht nur für den heimischen Markt. Sie exportiert viel ins Ausland. Laut Austrian Rail Report liegt die Exportquote bei 68 Prozent. Das bedeutet: Einen großen Teil der Produkte und Leistungen, die österreichische Unternehmen produzieren, verkauft man in andere Länder. Österreich liefert also Bahntechnik für seine europäischen Partner und für internationale Märkte. Dadurch entsteht eine Nachfrage nach Jobs in diversen Branchen.

Die Arbeitsplätze in der Bahnindustrie
In der Produktion arbeiten Facharbeiter:innen an Bauteilen für Züge, Schienen, Weichen oder Oberleitungen. In der Elektrotechnik geht es um Stromversorgung, Motoren, Kabel, Steuerung und Sicherheitssysteme. Im Maschinenbau werden Fahrzeugteile, Bremsen, Türen oder Antriebe entwickelt und gebaut. In der IT arbeiten Menschen an Software für digitale Stellwerke, Fahrgastinformation, Ticket-Systeme und Verkehrssteuerung. Ingenieur:innen planen Strecken, Tunnel, Brücken, Fahrzeuge und Energieanlagen. Techniker:innen kümmern sich um Wartung und Reparatur.

Güterverkehr: 96 Millionen Tonnen Gütern auf der Schiene – unter Niveau von 2022

Gleichzeitig gibt es auch Probleme: Nach einem starken Rückgang im Jahr 2023 hat die Bahn 2025 wieder mehr Güter auf der Schiene transportiert (+1,8 % im Vergleich zu 2024).

Durch hohe Energiepreise, die schwache Wirtschaftslage und zahlreiche Baustellen und Streckensperren im deutschen Bahnnetz liegen die Zahlen aber noch unter dem Wert von 2022.

96 Millionen Tonnen Güter wurden 2025 in Österreich auf der Schiene transportiert
96 Millionen Tonnen Güter wurden 2025 in Österreich auf der Schiene transportiert. Foto: ÖBB / David Payr

Damit mehr Güter auf der Schiene transportiert werden können, fördert die Bundesregierung den Ausbau von Güterterminals und Anschlussbahnen für Unternehmen. Güterterminals sind Umschlagplätze, an denen Waren zwischen Lkw und Bahn verladen werden. Anschlussbahnen verbinden einzelne Betriebe direkt mit dem Schienennetz, sodass Güter ohne zusätzlichen Transport auf der Straße per Bahn verschickt werden können.

Österreich EU-weit auf Platz 1 bei Entwicklungs- und Forschungsausgaben

In Österreich arbeiten viele Unternehmen an neuer Bahntechnik. Zu den bekanntesten Unternehmen gehören Siemens Mobility Austria, Plasser & Theurer sowie Frauscher Sensor Technology. Sie entwickeln und produzieren Bahntechnik, die weltweit zum Einsatz kommt.

Der Verband der Bahnindustrie vertritt rund 60 Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – also vom Fahrzeugbau über Komponenten, Signaltechnik und Digitalisierung bis zu Service und Wartung.

Laut Austrian Rail Report 2025 liegt Österreich bei den Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Schienenfahrzeugbau bei 16,5 Euro pro Einwohner:in und damit im EU-Vergleich an der Spitze. Außerdem meldet Österreich in diesem Bereich rund 90 Patente pro Jahr an und liegt damit hinter Deutschland und Frankreich auf Platz 3 in der EU.

Wolfgang Moitzi, Verkehrssprecher der SPÖ im Nationalrat, bekräftigt, dass man politisch die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen darf und man daher in Zukunftstechnologie investieren muss. Die Bahn gehört aus seiner Sicht dazu: „Wir haben die Bahnindustrie als wichtige Zukunftsbranche in der Industriestrategie verankert, stärken damit die heimische Wertschöpfung und bauen gute Arbeitsplätze weiter aus.“

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