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Verwirrte Corona-Kommunikation: Wir müssen die Kurve abflachen – Trotz der Regierung

Jakob Zerbes Jakob Zerbes
in Politik
Lesezeit:2 Minuten
16. Oktober 2020
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Auch nach sieben Monaten wissen wir nicht, worauf die Regierung ihre Corona-Entscheidungen begründet. Es gibt keinen für die Öffentlichkeit nachvollziehbaren Plan. Es ist, als schauen wir in eine Blackbox und bekommen Anweisungen, die keiner offensichtlichen Regel folgen. Aber wir sollen sie mit Motivation „als Team“ mittragen. Wenn der Gesundheitsminister Anschober auf die Frage, ob bundesweite Corona-Verschärfungen kommen, in der ZIB2 sagt: „Ich würde nicht ausschließen, dass das schon in den kommenden Tagen sein könnte“, hat er entweder wirklich keinen Plan oder möchte ihn nicht mit uns teilen.

Beides ist ein Problem. Keinen Plan zu haben ist eine Haltung, die bei einem Roadtrip legitim ist, nicht in einer weltweiten Gesundheitskrise. Einen Plan zu haben und diesen dem Volk nicht mitteilen zu wollen, ist eine demokratische Krise. Die Regierungsmitglieder sind nach republikanischem Verständnis die obersten Diener des Volkes, keine gewählte Autokraten. Und: Jeder Betriebswirt weiß mittlerweile, dass man mit autoritären Verhalten keinen Teamgeist herstellt.

Ja, wir müssen „die Kurve flach halten“.

Ja, wir müssen „die Kurve flach halten“. Was im März gegolten hat, gilt in weiten Teilen noch heute. Die Belastungsgrenzen des Gesundheitssystems sind mehr oder weniger die gleichen. Ebenso wie die Mathematik hinter der Verbreitung des Virus. Aber wir haben den Vorteil, dass wir sieben Monate Zeit hatten zu lernen – nicht nur aus unseren Fehlern, sondern von den Erfahrungen der Regierungen weltweit. Oder besser gesagt: Wir könnten diesen Vorteil haben – derzeit schaut es so aus als hätten wir ihn verschenkt.

Noch immer nicht nachvollziehbar

Transparente Regeln fehlen bis heute. Wir sind in den Herbst mehr gestolpert, als gegangen – obwohl wir seit dem Frühjahr die Gefahren einer zweiten Welle kennen. Viele Bürgermeister berichten, dass sich die Menschen in den Gemeinden immer weniger an die Corona-Bestimmungen halten. Auch sie fordern mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Natürlich sind die Menschen nach Monaten der Einschränkungen auch Corona-müde. Die Bundesregierung macht es sich aber sehr einfach, die Verantwortung (und Schuld) auf die einzelnen Bürger abzuwälzen. Statt uns wie autoritäre Erzieher ihren Kindern anzudrohen „Wenn’s nicht brav seid’s, werdet ihr schon sehen, was passiert“, könnten der Gesundheitsminister und die Regierung uns wieder mehr wie mündige Bürgerinnen und Bürger behandeln – und uns Fakten und nachvollziehbare Pläne präsentieren.

Die Krux

Die Krux an der Geschichte bleibt: Egal, wie sehr man sich über die Kommunikation der Bundesregierung aufregt. Egal, wie schlecht, die Bundesregierung den Herbst vorbereitet hat und egal, wie sehr uns das gebremste Leben schon auf die Nerven geht: Corona bleibt real. Wir müssen unser Gesundheitssystem schützen, wir müssen uns selbst schützen, unsere Omas, Opas, Eltern und Nachbarn. Wir müssen die Kurve wieder abflachen – und das gelingt nach wie vor nur, wenn wir unsere Sozialkontakte reduzieren. Da müssen wir durch. Trotz der Regierung.

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Lionel Jospin war von 1997 bis 2002 Ministerpräsident Frankreichs und langjähriger Chef der Sozialistischen Partei Frankreichs. In seiner Amtszeit setzte er die 35-Stunden-Woche durch, führte die allgemeine Krankenversicherung ein und schuf 1999 mit dem PACS die eingetragene Lebenspartnerschaft als ersten Schritt zur Ehe für alle. Zitat: Sozialdemokratie heißt, die Gesellschaft zu gestalten und die Marktwirtschaft in den Dienst der Menschen zu stellen. Der Markt schafft Reichtum, aber nicht von selbst Solidarität, Werte und Sinn. Lionel Jospin

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