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Asylwerbern wird Lehre verboten – trotz Fachkräftemangel

Asylwerbern wird Lehre verboten – trotz Fachkräftemangel

Patricia Huber Patricia Huber
in Gesellschaft, Migration & Asyl
Lesezeit:4 Minuten
28. August 2018
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Die Regierung schafft die Lehre für Asylwerber in Mangelberufen ab – obwohl zahlreiche Unternehmer gerade im Westen Österreichs über den Lehrlingsmangel klagen und junge Asylwerber froh sind, in der Wartezeit einen Beruf zu lernen. Jugendliche Asylwerber werden dann ihre Zeit in Österreich tatenlos absitzen müssen, während die Regierung andere Jugendliche aus dem Ausland über die Rot-Weiß-Rot Card anwerben will. Die Entscheidung wird von allen Seiten heftig kritisiert.

75 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind gegen die Abschiebung von Lehrlingen mit negativem Asylbescheid. 60.000 Menschen haben für Asylwerber in Lehrberufen unterschrieben – darunter prominente Unterstützer wie der Chef der Industriellenvereinigung Georg Kapsch, Spar-Vorstand Gerhard Drexel, der ehemalige Schirennläufer Hermann Maier und der frühere Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP).

Junge Asylwerber, die Jobs lernen, sich integrieren, Kontakt mit österreichischen Unternehmern, Beschäftigten und Kunden haben und von diesen geschätzt und gemocht werden – all das passt nicht ins Konzept der ÖVP-FPÖ-Regierung. Da sollen Asylwerber nur eines sein: Ein Problem, das hier niemand will.

Kaum etwas fördert ein gutes Auskommen so sehr, wie zusammen zu arbeiten und sich im Alltag selbstverständlich zu begegnen – beim Bäcker, beim Wirt oder beim Umbau im Haus.

In diesem Kontext ist der jüngste Streich der Regierung auch zu lesen: man will Leute auseinandertreiben, damit ja keine Vorurteile abgebaut, soziale Beziehungen geknüpft und gemeinsame Ziele verfolgt werden. Es geht um nichts als Teilen und herrschen.

— Sara Hassan (@sarahas_san) 26. August 2018

Doch die Antwort der Regierung auf die positive Einstellung der Österreicher gegenüber Lehrlingen im Asylverfahren lautet: Asylwerbern soll die Möglichkeit genommen werden, eine Lehre zu absolvieren. Sie zerstört damit eine gute Lösung für Unternehmer und Kunden in Österreich und verdonnert Jugendliche dazu, jahrelang herumzulungern und nichts tun, so lange das Asylverfahren läuft.

Vorgeschobene, falsche Argumente

Begründen tut die Regierung ihre Entscheidung mit falschen Argumenten. So sagt etwa Vizekanzler Heinz Christian Strache (FPÖ): Offene Lehrstellen sollten mit Österreichern oder Asylberechtigten (also Jugendlichen nach abgeschlossenem Asylverfahren und positivem Bescheid) besetzt werden.

Das ist aber heute schon der Fall: Junge Asylwerber bis 25 Jahren dürfen nur in „Mangelberufen“ eine Lehrstelle annehmen. Das sind Berufe, für die es viel zu wenige österreichische Bewerber gibt – wie Koch, Maurer, Dachdecker oder Tischler. Da springen dann Asylwerber dankbar ein. In Wien, Kärnten und im Burgenland sind die wenigsten Asylwerber in Lehre, dort ist das Angebot an anderen Lehrlingen meist ausreichend. Anders in Oberösterreich, Salzburg, Tirol oder der Steiermark: Fast 800 der 1.023 Asylwerber absolvieren dort ihre Lehre.

„Es gibt genügend Jugendliche, die eine Lehre suchen“ ist übrigens das dümmste Argument ever, da die #Lehre Asylwerber*innen sowieso nur in Mangelberufen offen stand, in denen es per definitionem nicht „genügend suchende Jugendliche“ gibt.

— Michael Mingler (@michaelmingler) 27. August 2018

Überhaupt ist schwer vorzustellen, dass ein Unternehmer auf einen Lehrling zurückgreift, der während oder nach der Lehre abgeschoben werden kann, wenn es Lehrlinge mit sicherem Aufenthalt in Österreich gebe – wie die Regierung behauptet.

Aus Interesse: Wo sind diese 1.300 gemeldet? Mir scheint es ökonomisch unlogisch, dass 1 Arbeitgeber den rechtlich unsicheren Status eines Asylwerbenden bevorzugt (& Abschiebung in Kauf nimmt), wenn er stattdessen Personen mit Aufenthaltsstatus anstellen hätte können.

— Judith Kohlenberger (@J_Kohlenberger) 26. August 2018

Lehrlings-Lücke geht weiter auf

Im Westen Österreichs berichten Dachdecker oder Malereibetriebe, dass auf ihre Lehrlingsanzeigen keine einzige Bewerbung kommt. Junge Afghanen und Syrer, die auf ihr Asylverfahren warten, freuen sich dagegen über das Angebot und springen gerne ein. Unternehmer sind wiederum über die motivierten Mitarbeiter froh.

In ganz Österreich gab es Ende Juli 10.024 Menschen, die beim AMS eine Lehrstelle gesucht haben. Dem gegenüber stehen 12.545 offene Lehrstellen. Aktuell gibt es also um 2.521 mehr offene Lehrstellen als Lehrstellen-Suchende. Selbst die 1.023 Asylwerber in Lehre schließen diese Lücke nicht.

Rot-Weiß-Rot Karte: Asylwerber müssen rumsitzen, Arbeitskräfte aus Drittstaaten geholt

Statt Asylwerbern die Chance zu geben, in der Wartezeit eine Lehre zu absolvieren und die Lehrstellenlücke etwas zu schließen, will die Regierung Lehrlinge für Mangelberufe jetzt über die Rot-Weiß-Rot Card aus dem Ausland holen. Jugendliche aus Drittstaaten sollen künftig in Mangelberufen über die Zuwanderungskarte legal nach Österreich einwandern.

Man wird jetzt aber nicht echt Jugendliche aus fernen Ländern für eine Mangelberufslehre einfliegen und jene, die hier sind, untätig in den Gemeinden und Städten rumsitzen lassen, oder? #rotweißrotcard

— Simon Rosner 📰 (@SimonRosner) 26. August 2018

Das ist unrealistisch: 2016 und 2017 gab es jeweils rund 1.800 ausländische Fachkräfte, die über die Karte nach Österreich kamen. Das waren erwachsene, ausgebildete Fachkräfte. 15-Jährige Menschen aus dem Ausland nach Österreich zu holen, damit sie hier fern von Eltern und Freunden eine Lehre machen, ist der verkehrte Ansatz. Umgekehrt könnte man Asylwerbern, die ohnehin hier sind, arbeiten wollen und eine Lehre in Mangelberufen machen, die Rot-Weiß-Rot-Karte anbieten.

Asylwerbern eine Lehre in gesuchten Berufen zu verunmöglichen und gleichzeitig über die Regionalisierung der Mangelberufsliste vermehrt Arbeitskräfte aus Drittstaaten zu holen, ist so unsinnig wie bösartig. VP/FP vergrößern die Probleme, die sie vorgeben zu lösen. https://t.co/384PzrCSk4

— Christian Kern (@KernChri) 26. August 2018

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Trump hat im Wahlkampf versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Doch das war reine Rhetorik. "Wer verstanden hat, dass Trump faschistisch agiert, konnte das vorhersehen", sagt der US-Philosoph Jason Stanley. Wir haben mit ihm gesprochen: Über die USA und warum er sich dort nicht mehr sicher fühlt. Über Friedensversprechen, die nichts wert sind – und warum es ihn hoffnungsvoll stimmt, wenn sich in Städten wie Minneapolis Widerstand gegen eine scheinbare Übermacht formiert. Zitat: Europa muss sich gegen Trump wehren. Die USA sind die größte Gefahr für Freiheit in der Welt aktuell. Hoffentlich merken die Europäer, dass sie ihre liberalen Demokratien verteidigen und rechtsradikale Parteien stoppen müssen. Jason Stanley

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