Ibiza-U-Ausschuss

Trotz Staatshilfen und Millionen-Gagen: Casinos Austria melden 600 Mitarbeiter zur Kündigung an

Die Casinos Austria haben 600 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung angemeldet. Der Betrieb ist für exorbitante Vorstands-Gagen und Abfertigungen bekannt, die auch den Ibiza-Untersuchungs-Ausschuss beschäftigen. Der Betriebsrat wirft dem Glücksspielkonzern Profitgier vor. 

Die Casinos waren von Corona und den darauffolgenden Maßnahmen betroffen. Die Casinos blieben zu, Sportveranstaltung (auf die sonst gewettet wurde) wurden abgesagt. Wie viele andere Unternehmen schickten die Casinos ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit – auf Staatskosten. Anders als viele andere Unternehmen in Österreich verfügt der Konzern allerdings über große Liquidität.

112 Mio. Euro Gewinn führen die Casinos im Geschäftsbericht von 2019 an. Trotzdem streicht das Unternehmen nun über ein Drittel seiner Mitarbeiter.

Vonseiten des Managements heißt es, man habe bereits vor Corona unter Umsatzeinbrüchen wegen des Rauchverbots gelitten – in den Geschäftsberichten ist der Effekt nicht sichtbar. Die Gewinne konnten von 2018 auf 2019 sogar gesteigert werden. Das ist vor allem auf Online-Wetten zurückzuführen.

CASINOS IM IBIZA-AUSSCHUSS

Das Unternehmen steckt viel mehr wegen der Postenbestellung rund um den ehemaligen Manager Peter Sidlo und des Vorwurfs der Postenschacherei in der Krise. Sowohl der ÖBAG-Chef Schmid als auch der Aufsichtratsvorsitzende der Casinos, Austria Walther Rothensteiner, waren bereits im Ibiza-Untersuchungsausschuss geladen. Auch Bettina Glatz-Kremsner (ÖVP), die von der Finanzvorständin zur Vorstandsvorsitzenden (CEO) der Casinos Austria AG (CASAG) befördert wurde, musste den Abgeordneten Rede und Antwort stehen. Sie war von Juli 2017 bis zu ihrem Karrieresprung zur CASAG-Chefin Vizeparteiobfrau der ÖVP. Und Glatz-Kremsner hat rund 1,6 Mio. Euro Abfertigung von den Casinos bekommen, als sie zur Casinos-Chefin aufstieg. Normalerweise werden Abfertigungen beim Ausscheiden aus dem Unternehmen ausbezahlt, Glatz-Kremsner kassierte sie bei der Beförderung. Dazu verdient sie laut CEO-Vertrag 700.000 Euro im Jahr.

Als die Frage nach der Abfertigung im U-Ausschuss aufkam, blockierte Wolfgang Sobotka als Vorsitzender des U-Ausschuss die Befragung: Glatz-Kremsner müsse zu ihren horrenden Honoraren nicht Stellung beziehen, nicht einmal die Frage sei zulässig, so Sobotka.

„Die türkis-blaue Regierung hat durch skrupellosen Postenschacher das Unternehmen in Verruf gebracht“, sagt der Geschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten Dürtscher im Juli dazu und findet:

„Mit einer seriösen, faktenbasierten Diskussion unter Einbeziehung der Belegschaft hätte es Alternativen gegeben, die die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens besser gesichert hätten.“

EXTERNE BERATER STATT EIGENER BELEGSCHAFT

Auch der CASAG-Zentralbetriebsrat unter Manfred Schönbauer hatte sich im Vorfeld gegen die Pläne gestellt. Die Kündigungen stützen sich auf Annahmen der externen Beraterfirma McKinsey, die Gewerkschaft findet die Annahme über die Verluste 2020 massiv überzogen. Der Vorstand geht für 2020 von einem Verlust von rund 65 Mio. Euro aus. 40 Mio. Euro sollen bei Personal- und Sachaufwand mit dem Sparpaket eingespart werden.

Wieviele der 600 zur Kündigung angemeldeten Mitarbeiter tatsächlich ihre Arbeit verlieren, hänge auch davon ab, mit wie vielen Mitarbeitern ein freiwilliger Ausstieg oder ein Teilzeitmodell vereinbart werden könne, lässt der Glücksspielkonzern über einen Sprecher ausrichten. Die Belegschaftsvertreter plädieren für Modelle wie Altersteilzeit. Man wandte sich auch an den staatliche Miteigentümerin ÖBAG. Doch die Appelle blieben ungehört.

Eine Verpflichtung der Unternehmen, bei Staatshilfen Arbeitsplätze nicht abzubauen, gibt es nach wie vor nicht. Auch bei den Casinos wirkt das Fehlen einer Arbeitsplatzgarantie fatal. Mehrmals hat die Regierung gegen Anträge der Opposition gestimmt, dass Firmen Arbeitsplätze erhalten müssen, wenn sie Staatshilfen wir Kurzarbeit in Anspruch nehmen – sofern es wirtschaftlich möglich ist. Bei den Casinos wäre das der Fall.

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J.H.
J.H.
29. Juli 2020 19:54

Wenn jetzt eh so viele Mitarbeiter rausgeschmissen werden, sollen sie gleich ganz zusperren!
Wer braucht Casinos? An diesem „Verspielgeld“ klebt Blut und Tränen.

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