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Das ÖVP-Syndrom

Kurz Nehammer_Erwin Scheriau_APA_picturedesk

Gerd Millmann Gerd Millmann
in Millmann
Lesezeit:2 Minuten
5. September 2023
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Beim Imposter-Syndrom ist es so: Betroffene sind überzeugt, die Position, die sie innehaben, eigentlich nicht zu verdienen. Sie leiden unter massiven Selbstzweifeln. Sie sehen sich selbst als Hochstapler.

Und dann gibt es die ÖVP. Das ÖVP-Syndrom ist das inverse Imposter-Syndrom. Die Betroffenen überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten kolossal und setzen die Kompetenz der anderen herab. Kurzzeit-Heiland Sebastian Kurz hat diese parteipsychische Störung allerschönst zur Schau gestellt.

Normal ist das nicht, um ÖVP-Chef Nehammer zu zitieren. Es ist auch nicht gesund, weil die ÖVP ihr politpsychisches Gebrechen auf Kosten der Menschen und der Demokratie auslebt. Aber es erklärt einiges. Zum Beispiel Herrn Sobotka. Dieses prachtvolle Exemplar kommt ja aus dem natürlichen Habitat des ÖVP-Cäsarenwahns: aus Niederösterreich. Dort lernt man wie sonst nirgendwo die „Klaviatur“ (Achtung Witz) der patzigen „Der Staat bin ich-Polka“, bei der alle Unterlinge mittanzen müssen. Kein Wunder, dass ÖVP-Chef Karl Nehammer (VP-NÖ) seine Regierung und sein Kabinett personell niederösterreichisiert hat.

Nehammer staunt täglich darüber, dass er Bundeskanzler ist

Wobei: Herr Nehammer ist ein Sonderfall. Ja, er gibt Sätze von sich, die auf immense Realitätsverzerrung schließen lassen („Die ÖVP hat kein Korruptionsproblem“). Aber der Mann an der ÖVP-Spitze ist in diesen Job ja nur hineingestolpert. Hineingefunden hat er nicht. Er erweckt vielmehr den Eindruck, jeden Tag darüber zu staunen, Bundeskanzler zu sein (Imposter-Syndrom?)

In diesem Staunen sucht er das Kleine im Großen. Statt die Menschen von der Inflationslast zu befreien fordert er das Recht auf Normalsein ein. Statt den Verzweifelten in den Überschwemmungsgebieten in Südösterreich die helfende Hand zu reichen, startet er eine Kampagne zur Rettung des gar nicht gefährdeten Bargelds. Statt ein dringend notwendiges Klimaschutzgesetz anzugehen, spricht er vom Recht auf´s Schnitzerl.

Pippi-Langstrumpf-Syndrom wird so ein Handlungsmuster genannt. Bekanntlich hat sich unsere Pippi ja ihre Welt so gebaut, wie es ihr gefällt. So wie der Bundeskanzler. Er schottet sich von der Realität der Welt ab und schafft seine eigene parallele Realität. Psychologisch interessant, aber leider verheerend für das Land – und auch nicht „normal“.

Der Allerheiligste will übers Hintertürl wieder zur Macht

Fast tut einem Herr Nehammer leid, aber er hätte ja nicht Ja sagen müssen auf die Frage, ob er den Bundeskanzler geben will. Aber, wir erinnern uns: Der Allerheiligste ist ja wie die flotte Lotte trotzig abgetreten und einer musste es ja machen. Blöd nur, dass der Allerheiligste jetzt wieder übers Hintertürl zur Macht kommen will. Mit “Kurz – der Film“ zeigt Nehammers der (österreichischen) Welt, wo der Bastl den Most holt, wie böse die Welt zu ihm war und wie gut es Österreich unter ihm ging. Hollywood streikt und Kurz liefert.

Dabei würden sich Titel wie „Die Firma“ oder „Die 12 Geschworenen“ weit besser als Filmtitel eignen. Schließlich wird Herr Kurz als Angeklagter mehr Zeit in Gerichtssälen verbringen müssen als mit Comeback-Visionen. Innovativ ist das nicht, auch andere Heilsbringer wie Israels Netanjahu oder Donald Trump müssen sich ähnlichen Karambolagen mit der Realität stellen. Und wer weiß, vielleicht werden sie beizeiten per Zoom gemeinsam Verdis Gefangenenchor intonieren – featuring Karlheinz Grasser?

Vielleicht sollte es der ÖVP-Chef ja Barbie nachmachen, die sich im Film entscheidet, künftig in der realen Welt zu leben. Besser für Österreich, dem Heimatland der Psychoanalyse, wäre es allemal.

Gerd Millmann – Journalist und Kabarettist

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Konrad
Konrad
4. Juli 2024 22:54

Kurios: ÖVP und FPÖ gehören weg-weg-weg, aber gerade die sind die, die gerade donnergrollend hochkommen. Ob euer Niedergang ein Selbstverschulden ist?

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Mario H.
Mario H.
10. September 2023 10:07

Das gefällt mir, weil es, wenn auch leicht satirisch die Realität anspricht; die Realität, die dringend geändert werden muss

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Fritzerl
Fritzerl
Reply to  Mario H.
25. Juni 2024 23:53

Niemand wird irgend etwas positiv verändern: niemand. Ob an der politischen Macht oder nicht. Weil politische Macht eine Ohnmacht ist.

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Berta Cáceres war eine honduranische Umweltaktivistin und Vertreterin der indigenen Lenca. Sie kämpfte für den Schutz der Umwelt und die Rechte der indigenen Bevölkerung, besonders gegen große Infrastrukturprojekte wie den Agua Zarca Staudamm, der die Lebensgrundlage ihrer Gemeinschaft bedrohte. Cáceres wurde 2015 mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet – ein Zeichen für ihr großes Engagement. Sie wurde am Morgen des 3. März 2016 in ihrem Haus von mehreren Bewaffneten ermordet. Zitat: Wir haben keinen Ersatzplaneten. Wir haben nur diesen und wir müssen jetzt handeln. Berta Cáceres

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Berta Cáceres war eine honduranische Umweltaktivistin und Vertreterin der indigenen Lenca. Sie kämpfte für den Schutz der Umwelt und die Rechte der indigenen Bevölkerung, besonders gegen große Infrastrukturprojekte wie den Agua Zarca Staudamm, der die Lebensgrundlage ihrer Gemeinschaft bedrohte. Cáceres wurde 2015 mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet – ein Zeichen für ihr großes Engagement. Sie wurde am Morgen des 3. März 2016 in ihrem Haus von mehreren Bewaffneten ermordet. Zitat: Wir haben keinen Ersatzplaneten. Wir haben nur diesen und wir müssen jetzt handeln. Berta Cáceres

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