Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran ist das Vermögen von 41 Milliardären aus der Öl-, Gas- und Kohlebranche in den G7-Staaten um 23,5 Milliarden Dollar gewachsen. Das zeigt eine neue Oxfam-Analyse. Im selben Zeitraum kürzten diese Länder – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA – ihre Entwicklungshilfe so stark wie nie zuvor.
Seit die USA und Israel Ende Februar den Iran angriffen, sind 41 Milliardäre aus der Öl-, Gas- und Kohlebranche in den G7-Staaten um 23,5 Milliarden Dollar reicher geworden. Das sind 301 Millionen Dollar pro Tag. Die Zahlen stammen aus einer Analyse der Hilfsorganisation Oxfam, die kurz vor dem G7-Gipfeltreffen im französischen Évian vom 15. bis 17. Juni veröffentlicht wurde. Grundlage ist die Milliardärsliste des Wirtschaftsmagazins Forbes mit Stand 18. Mai 2026, auf der unter anderem Charles Koch, Miteigentümer von Koch Industries, und Harold Hamm, Gründer des Öl- und Gasunternehmens Continental Resources, stehen. Weltweit haben Milliardäre ihr Vermögen seit 2020 um 9,8 Billionen Dollar vergrößert.
Energie-Konzerne machen 416 Millionen Dollar Gewinn pro Tag
Auch die Konzerne selbst verdienen am Krieg. Die sechs größten Ölkonzerne der Welt dürften 2026 rund 152 Milliarden Dollar Gewinn machen, das sind 416 Millionen Dollar pro Tag. Die Zahlen beruhen auf den Gewinnprognosen von Finanzanalysten. Verglichen mit den Prognosen von Ende Februar, kurz vor Kriegsbeginn, liegen die erwarteten Gewinne um 80 Prozent oder 68 Milliarden Dollar höher. Bei den drei größten Düngemittelkonzernen stiegen die Gewinnerwartungen um 23 Prozent. Insgesamt untersuchte Oxfam 691 große Konzerne mit Sitz in G7-Staaten.
30 Millionen Menschen zusätzlich in Armut
Die Kosten für die Profite der Energiebranche tragen andere. Der Krieg begann am 28. Februar mit Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran. Der Iran reagierte mit Raketen und Drohnen auf Israel und auf US-Stützpunkte in den Golfstaaten Bahrain und Kuwait. Inzwischen sind die Todeszahlen auf mehrere tausend angestiegen – darunter viele Zivilist:innen. Iran sperrte außerdem zu Kriegsbeginn die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls läuft. Energie- und Lebensmittelpreise stiegen weltweit. Der Preisindex der UN-Ernährungsorganisation FAO legte zwischen Februar und April mehr als dreimal so schnell zu wie im Vorjahreszeitraum.
Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP geht in einer Schätzung davon aus, dass der Krieg weltweit mehr als 30 Millionen Menschen zusätzlich in Armut treiben könnte.
Diese Zahl ist eine Prognose und bezieht sich auf die Folgen der weltweit steigenden Preise. Dort sind nach Angaben von UN-Organisationen bis zu 3,2 Millionen Menschen auf der Flucht.
Größte Kürzung der Entwicklungshilfe wie nie zuvor
Zugleich ziehen sich die reichsten Industriestaaten aus der Hilfe für arme Länder zurück. Zwischen 2024 und 2025 kürzten die G7-Staaten ihre Entwicklungshilfe um 48 Milliarden Dollar, so stark wie nie zuvor.
Die Milliardäre der G7-Länder häuften dieselbe Summe in neun Tagen an.
Auf die G7 entfallen rund drei Viertel der weltweiten Entwicklungshilfe. Ihre Kürzungen treffen Länder, die bereits unter Schuldenkrisen und Klimaschäden leiden, etwa die Demokratische Republik Kongo, wo derzeit ein Ebola-Ausbruch auf ein geschwächtes Gesundheitssystem trifft.
Oxfam fordert Übergewinnsteuer und Schuldenerlass
Oxfam fordert von den G7-Staaten eine Steuer auf Kriegsgewinne und große Vermögen, die Aussetzung von Schuldenzahlungen armer Länder, mehr Entwicklungshilfe und neue Sonderziehungsrechte. Das sind Reserven beim Internationalen Währungsfonds, mit denen Staaten ohne neue Schulden an Geld kommen. Die Organisation richtet ihren Appell ausdrücklich auch an die „G6”, also an die Mitglieder ohne die USA. Oxfam-Direktor Amitabh Behar wirft ihnen vor, die Blockade Washingtons als Ausrede für eigene Untätigkeit zu nutzen. Um die Teilnahme von Präsident Donald Trump am G7-Gipfeltreffen im Juni zu sichern, habe Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sogar die Themen Klima und Ungleichheit von der Tagesordnung gestrichen, sagt Behar.
Krisengewinner: Öl-Konzerne verdienen 30 Millionen Dollar pro Stunde am Iran-Krieg
(maximal 5 Antwortmöglichkeiten)


































