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Warum es so schwer ist, den gewalttätigen Partner zu verlassen – eine Betroffene erzählt

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Warum es so schwer ist, den gewalttätigen Partner zu verlassen – eine Betroffene erzählt

Foto: Unsplash/Luiza Sayfullina

Kathrin Glösel Kathrin Glösel
in Frauen & Gleichberechtigung
Lesezeit:3 Minuten
23. Januar 2019
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Jahrelang war ihr Ex-Mann gewalttätig, hat seine Aggressionen an seiner Partnerin ausgelassen. Es war ein Kraftakt, doch Karin Pfolz ist aus dieser gefährlichen Beziehung ausgebrochen. Um anderen Frauen Mut zu machen, hat sie ein Buch über ihre Erlebnisse, ihre Ängste und ihren Weg in ein Leben frei von Gewalt geschrieben. Wir haben mir darüber gesprochen, warum es vielen Frauen so schwer fällt, sich von ihren gewalttätigen Partnern zu trennen. Und was die Gründe sind, dass gerade Beziehungen für Frauen zu Gefahrengebieten werden.

Kontrast.at: Sie haben Erfahrungen mit einem gewalttätigen Ehepartner gemacht. Wann und warum haben sie beschlossen, über Ihre Erlebnisse zu schreiben und öffentlich zu sprechen?

Karin Pfolz: Es ist so wichtig, dass die Menschen begreifen, dass eine Betroffene nicht einfach so gehen kann. Der psychische Druck ist einfach zu groß als dass man große Pläne schmieden könnte. So hat man oft kein Geld, keine andere Wohnmöglichkeit auf Dauer, und vor allem fürchtet man laufend Angriffe. Mein Buch „Manchmal erdrückt es mich das Leben“ ist bewusst in der „Ich-Form“ verfasst, damit man in die Rolle der Betroffenen eintaucht. Verstehen durch Erleben. Zudem ist es wichtig, häusliche Gewalt nicht unter den Tisch zu kehren, sondern offen darüber zu sprechen.

Würden Sie uns Ihre eigene Geschichte kurz schildern?

Karin Pfolz: Das ist ziemlich schwierig in kurz. Es ist aber so, dass man nicht erkennen kann, ob ein Mann gewalttätig wird. Meist sind diese Männer ja liebevoll. In meinem Fall hat er die Isolierung von Freunden und Familie geschickt eingeleitet. Es begann mit Aussagen wie „bleiben wir doch lieber zu Zweit zu Hause“, oder „den mag ich nicht besonders“. Dann ging es ans Geld. Meine Ersparnisse hat er sich „ausgeliehen“. Zuerst immer kleinere Beträge, die ich dann auch zurückbekam in der ersten Zeit, dann immer größere Summen. Die Rückzahlungen blieben dann aus. Das wahre Gesicht hat er erst nach der Hochzeit gezeigt. Ab da wurde ich vom „Objekt der Begierde“ zum Eigentum. Es begann dann sehr schnell mit verbaler Gewalt. Also „Du bist nichts Wert“, „Du kannst das nicht“. So ein Mann arbeitet also an Zermürbung. Und wenn der erste Schlag fällt, dann bekommt man umgehend gesagt „Du bist selbst schuld, weil…“

In der Diskussion um dieses Thema hört man häufig: Warum verlassen die Frauen ihren Mann nicht einfach. Warum kann man nicht einfach gehen?

Karin Pfolz: Die schlimmste und gefährlichste Zeit ist die, in der dem Mann bewusst wird, dass sein „Eigentum“ ihn verlässt. Die Bedrohung wird schlimmer, die Angriffe werden es auch auch. Wie man an den Morden an Ex-Partnerinnen sieht. Und dann kommt die wirtschaftliche Abhängigkeit. Auch wenn eine Frau arbeitet, überwacht oft der Mann das Konto, hat die Bankomat-Karte usw. Auch muss das gesamte Umfeld geändert werden, die Arbeitsstelle, die Schule.

Wenn man geht, dann hat man nichts und ich meine wirklich nichts. Man steht da, oft mit einem Kind an der Hand und der einzige Besitz ist das, was man am Leib trägt. Man braucht einen irren Mut, um einfach die Türe hinter sich zuzumachen und nicht wissen, wohin man jetzt geht.

Karin Pfolz ist einer gewaltvollen Beziehung entkommen – und macht anderen Frauen Mut, zu gehen. (Foto: Lillith Green, CC BY-SA 4.0)

Was hat Ihnen geholfen, aus dieser gefährlichen Beziehung auszusteigen?

Karin Pfolz: Kleine Schritte. Es ist wichtig, dass man Vorkehrungen für die Zukunft trifft. Man muss ja alles aufgeben – das gesamte Leben. Ein Neustart mit nichts. Jeder Euro, den ich für meine Flucht verstecken konnte, hat mir Hoffnung gemacht.

Falls das hier Betroffene lesen: Was würden Sie ihnen raten?

Karin Pfolz: Rechtzeitig versuchen, sich Informationen zu holen. Man kann und soll die Frauenhelpline (0800 222 555) kontaktieren und klären, wo es Soforthilfe gibt. Wohin man flüchten kann. Und darüber sprechen hilft. Denn es ist nie die Schuld des Opfers, wenn man in so eine Situation kommt, sondern die des Täters.

Die schlimmsten Übergriffe landen ja in der Zeitung: Attacken auf offener Straße bis hin zu Morden. Über die alltägliche Gewalt liest man hingegen wenig. Wie bewerten sie die Rolle der Medien in diesem Zusammenhang?

Karin Pfolz: Derzeit sehr gut. Leider wird das Thema jedoch nur im Ernstfall aufgegriffen. Aber es ist auch wichtig, dass die Medien sich nicht von manchen Aussagen täuschen lassen, denn:

Der Grund für die derzeitige Zuspitzung ist nicht die Migrationswelle. Auch sind das keine Nachahmungs-Täter, sondern es ist einfach ein totgeschwiegenes Thema, das seit Jahrzehnten besteht, aber leider von der Regierung nicht ernst genommen wird – man braucht sich nur die Kürzungen und fehlenden Gelder anschauen.

Ich finde es jedoch großartig, dass tatsächlich Betroffene in die Berichterstattung einbezogen werden.

Parlament Das Thema "Gewalt an Frauen" im Parlament

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