Am 3. November stimmt Kalifornien über eine Milliardärssteuer ab. Ein neues Dokument von Meta zeigt, dass Mark Zuckerberg sich schon darauf vorbereitet, sie zu zahlen. Seine Macht über den Konzern verliert er dabei nicht. Für den Ökonomen Gabriel Zucman ist damit das wichtigste Argument der Superreichen gegen Vermögenssteuern widerlegt.
Kalifornien könnte als erster US-Bundesstaat eine Steuer auf das Vermögen von Milliardären einführen. Die Abstimmung läuft bereits, am 3. November ist Schluss. Mitten im Wahlkampf ist ein Dokument aufgetaucht, das für Aufsehen sorgt. Der Facebook-Konzern Meta hat es bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Darin steht, dass Meta-Chef Mark Zuckerberg sich darauf vorbereitet, die Milliardärssteuer zu zahlen.
Bekannt gemacht hat das der französische Ökonom Gabriel Zucman auf X.
This is huge.
A just-released SEC filing makes an extraordinary revelation: Mark Zuckerberg is getting ready to pay California’s 5% billionaire wealth tax and has signed an agreement to remain in California for 8 years.
We are witnessing a global turning point unfold before our… pic.twitter.com/Wmg5dGxyi2
— Gabriel Zucman (@gabriel_zucman) October 22, 2026
Kalifornien stimmt über 5 Prozent Steuer auf Milliardenvermögen ab
Am 3. November stimmt Kalifornien über die Initiative „Billionaire Tax Act“ ab, auf dem Stimmzettel steht sie als „Proposition 40“. Der Vorschlag: Wer am 1. Jänner 2026 in Kalifornien gewohnt hat und mehr als eine Milliarde Dollar besitzt, zahlt einmalig 5 Prozent seines Vermögens. Die Zahlung kann auf bis zu fünf Jahre verteilt werden. Betroffen sind rund 250 Menschen.
Das Geld soll vor allem ins Gesundheitssystem fließen. Denn die Regierung von Donald Trump hat bei der staatlichen Krankenversicherung für Menschen mit wenig Geld massiv gekürzt. Diese Lücke soll die Milliardärssteuer schließen. Laut den Ökonomen Jasper Boll, Emmanuel Saez und Gabriel Zucman würde sie rund 100 Milliarden Dollar bringen.
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Meta gibt neue Aktien aus, damit Zuckerberg die Milliardärssteuer zahlen kann
Jedes Unternehmen an der US-Börse muss wichtige Entscheidungen bei der Börsenaufsicht SEC melden. Meta hat am 21. Oktober ein solches Dokument eingereicht.
Darin steht, dass Meta ab Jänner 2027 eine neue Art von Aktien einführt, die sogenannten C-Aktien. Mit ihnen kann man nicht mitbestimmen, sie haben also kein Stimmrecht. Alle Aktionär:innen bekommen für jede Aktie, die sie schon haben, eine neue C-Aktie dazu. Offiziell begründet Meta das damit, dass der Konzern viel Geld für künstliche Intelligenz braucht.
Auch Zuckerberg bekommt sehr viele dieser neuen Aktien. Ein Fünftel davon darf er sofort verkaufen. Meta nennt im Dokument ausdrücklich den Grund: Zuckerberg soll damit die Milliardärssteuer zahlen können, falls die Kalifornier:innen sie beschließen.
Zuckerberg zahlt die Steuer und behält trotzdem die Macht über Meta
Zuckerberg gehören nur rund 13 Prozent von Meta. Weil seine Aktien aber zehnfaches Stimmrecht haben, kontrolliert er gut 60 Prozent der Stimmen. Er allein entscheidet, was bei Meta passiert.
Superreiche sagen oft, eine Vermögenssteuer würde sie zwingen, Anteile an ihrer Firma zu verkaufen. Dann würden sie die Kontrolle verlieren. Zuckerberg hat das selbst abgeschätzt: Müsste er die Steuer mit seinen bisherigen Aktien zahlen, hätte er danach nach eigener Einschätzung immer noch rund 53 Prozent der Stimmen, also weiterhin die Mehrheit. Mit den neuen C-Aktien ändert sich an seiner Macht gar nichts. Sie haben ja kein Stimmrecht.
Mit den neuen Aktien behält Zuckerberg seine ganze Macht
Zuckerbergs Anteil an den Stimmrechten bei Meta, in Prozent
Die neuen C-Aktien haben kein Stimmrecht. Der Wert für normale Aktien ist eine Schätzung Zuckerbergs. Quelle: Meta Platforms, SEC Schedule 14C vom 21.10.2026
Für Zucman ist das Argument vom „Kontrollverlust“ damit widerlegt.
Zuckerberg hat mit Wegzug gedroht, bleibt nun aber weitere acht Jahre in Kalifornien
Aus dem Dokument geht auch hervor, dass Zuckerberg wegen der Steuer überlegt hat, aus Kalifornien wegzuziehen. Das hat er Meta mitgeteilt. Jetzt hat er sich verpflichtet, acht Jahre lang in Kalifornien oder am jeweiligen Firmensitz von Meta zu wohnen, solange er den Konzern führt. E
ine Ausnahme gibt es, wenn unvorhersehbare Umstände eintreten. Dafür bekommt er die neuen Aktien. Zuckerberg hat auch verhindert, dass seine Macht über Meta zeitlich begrenzt wird. Das hatte ein Ausschuss im Konzern vorgeschlagen.
Zuckerberg zahlt bisher sehr wenig Steuern
In den USA heben nicht nur der Staat, sondern auch die einzelnen Bundesstaaten eine eigene Einkommensteuer ein. An den Bundesstaat Kalifornien zahlt Zuckerberg im Schnitt rund 95 Millionen Dollar pro Jahr. Das klingt nach viel. Im Vergleich zu seinem Vermögen ist es aber winzig. Zwischen 2019 und 2025 machte das nur 0,37 Prozent dessen aus, um das sein Vermögen gewachsen ist. Das zeigt die Studie von Boll, Saez und Zucman.
Der Grund ist einfach. Einkommensteuer fällt nur auf Lohn, Dividenden oder verkaufte Aktien an. Superreiche verkaufen aber kaum Aktien. Ihr Vermögen wächst, ohne dass dafür Steuern fällig werden. Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin haben 2019, 2020 und 2023 keinen Cent Einkommensteuer an Kalifornien auf ihr Google-Vermögen gezahlt.
Nach Zucmans Berechnung würde die Milliardärssteuer Zuckerberg rund 10,5 Milliarden Dollar kosten, gerechnet mit dem Wert seiner Aktien von Anfang September. Das ist so viel, wie er sonst in 110 Jahren an kalifornischer Einkommensteuer zahlt.
Die Milliardärssteuer entspricht 110 Jahren Einkommensteuer
Was Mark Zuckerberg an Kalifornien zahlt, in Millionen Dollar
Jedes Quadrat steht für ein Jahr Einkommensteuer.
Quelle: Boll/Saez/Zucman, „California Billionaires“, NBER Working Paper 35218 (2026); Vermögen laut Zucman, Stand 4.9.2026
Normale Menschen zahlen anteilig dreimal so viel Einkommensteuer wie die Superreichen
Laut der Studie zahlen normale Kalifornier:innen 4,4 Prozent ihres Einkommens als Einkommensteuer an den Bundesstaat. Die vier reichsten Kalifornier zahlen nur 1,3 Prozent. Die Forscher rechnen bei ihnen auch die Konzerngewinne mit ein, die nicht ausgeschüttet werden. Gemeint sind Page, Brin, Zuckerberg und Nvidia-Chef Jensen Huang.
Normale Menschen zahlen anteilig dreimal so viel
Kalifornische Einkommensteuer in Prozent des tatsächlichen Einkommens, 2019–2025
Quelle: Boll/Saez/Zucman, „California Billionaires“, NBER Working Paper 35218 (2026)
Das Vermögen der Milliardäre hat sich in drei Jahren mehr als verdoppelt
Seit 1982 ist das Vermögen der reichsten Kalifornier auf das 30-Fache gewachsen. Allein zwischen 2023 und 2025 ist es um 144 Prozent gestiegen. Das normale Familieneinkommen in Kalifornien hat sich im selben Zeitraum seit 1982 nur etwa verdoppelt.
Die Steuer von 5 Prozent würde die Milliardäre also kaum treffen. Laut Zucman wären ihre Vermögen danach so hoch wie Anfang September 2026.
Nvidia-Chef Huang würde zahlen, Brin und Page drohen mit Wegzug
Zuckerberg ist nicht der einzige Superreiche, der mit der Steuer leben kann. Jensen Huang, Chef des Chipkonzerns Nvidia, hat gesagt, er hätte kein Problem damit, sie zu zahlen. Bei ihm wären es laut Zucman rund 9,8 Milliarden Dollar. Allein Zuckerberg und Huang brächten damit gut 20 Milliarden Dollar für Gesundheit und Bildung in Kalifornien.
Anders die Google-Gründer: Sergey Brin und Larry Page haben angekündigt, Kalifornien zu verlassen. Für die Steuer zählt aber, wo sie am 1. Jänner 2026 gewohnt haben. Wer erst danach wegzieht, muss trotzdem zahlen.
Selbst wenn alle Milliardäre gingen, würde Kalifornien laut Boll, Saez und Zucman gewinnen: Die einmalige Steuer bringt nach ihrer Rechnung so viel Geld, dass der Staat damit 25 Jahre lang die Einkommensteuer der Milliardäre ersetzen könnte. Ökonomen um Joshua Rauh von der Stanford University kommen zu einem deutlich ungünstigeren Ergebnis, weil sie annehmen, dass Milliardäre dauerhaft wegziehen. Zucman hält das für einen Denkfehler: Bei einer einmaligen Steuer gebe es keinen Grund für einen dauerhaften Wegzug.
Milliardäre geben fast 500-mal mehr Geld für Werbung gegen die Steuer aus
Die Gegner:innen der Steuer haben über 300 Millionen Dollar gesammelt. Fast ein Drittel davon kommt allein von Sergey Brin. Für Werbung im Fernsehen und im Internet haben sie rund 96 Millionen Dollar ausgegeben oder gebucht. Die Befürworter:innen der Steuer haben nur 209.000 Dollar ausgegeben. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP.
Gegner geben fast 500-mal mehr für Werbung aus
Ausgaben und Buchungen für TV- und Onlinewerbung zu Proposition 40, in Millionen Dollar
Quelle: AdImpact, zitiert nach Associated Press (9.10.2026)
Zwei Gegenvorschläge von Brin könnten die Steuer verhindern
In Umfragen liegt die Milliardärssteuer vorne. Laut dem Public Policy Institute of California sind 52 Prozent dafür und 46 Prozent dagegen.
Auf dem Stimmzettel stehen aber auch zwei Gegenvorschläge, Proposition 41 und 42. Sie werden vor allem von Brin bezahlt und würden die Milliardärssteuer aushebeln. Auch sie haben in Umfragen eine Mehrheit. Bekommt einer der Gegenvorschläge mehr Ja-Stimmen als die Milliardärssteuer, könnte sie scheitern. Deshalb ruft Zucman dazu auf, für 40 und gegen 41 und 42 zu stimmen.
Gegen die Steuer sind auch Gouverneur Gavin Newsom und die Lehrergewerkschaft. Sie befürchten, dass reiche Menschen Kalifornien verlassen. Unterstützt wird die Steuer von der Gesundheitsgewerkschaft SEIU und von Senator Bernie Sanders.

Was in Kalifornien passiert, betrifft auch Österreich
In Österreich gibt es seit 1994 keine Vermögenssteuer und seit 2008 keine Erbschaftssteuer mehr. Auch hier wird oft behauptet, eine Vermögenssteuer würde Familienbetriebe zerstören, weil Eigentümer:innen Anteile verkaufen müssten. Das Beispiel Meta zeigt, dass man eine Vermögenssteuer so gestalten kann, dass Unternehmer:innen zahlen und trotzdem die Kontrolle über ihre Firma behalten.
Kreuze maximal 4 Antworten an, die für dich am meisten zutreffen.



































