Der Wehrdienst wird länger, soll dafür aber auch mehr bieten: Mit einer intensiveren Ausbildung, besserer Bezahlung und neuen Möglichkeiten für Frauen will die Regierung den Dienst beim Bundesheer attraktiver machen. Gleichzeitig kehren die verpflichtenden Milizübungen zurück – mit dem Ziel, Fähigkeiten auch Jahre nach dem Grundwehrdienst zu erhalten. Das Ziel: Österreich soll damit seine Neutralität besser wahren können und in Krisensituationen gerüstet sein.
Österreich will den Wehrdienst verlängern und gleichzeitig attraktiver für die jungen Erwachsenen machen. Es soll einen Urlaubsanspruch geben und ein spürbar höheres Gehalt für die Dauer des Dienstes. Hintergrund der Verlängerung ist die Erkenntnis, dass sechs Monate Grundwehrdienst ohne verpflichtende Übungen in der heutigen Zeit nicht mehr ausreichen. Um militärische Fähigkeiten dauerhaft einsatzbereit zu halten, braucht man mehr Zeit.
Gerade für einen neutralen Staat ist das relevant: Neutralität bewahren zu können, setzt voraus, das eigene Staatsgebiet im Notfall verteidigen zu können und in Krisen handlungsfähig zu sein. Das Bundesheer hatte deshalb acht Monate Grundwehrdienst plus zwei Monate Milizübungen gefordert, 10 Monate insgesamt. Im nun vereinbarten Kompromiss, auf den sich die Regierung aus ÖVP, SPÖ und Neos geeinigt hat, fällt die Wehrdienstzeit kürzer aus und dauert 9 Monate.
| Bisher | Neu ab 2027 | |
|---|---|---|
| Dauer | 6 Monate | 9 Monate |
| Modell | 6 Monate Grundwehrdienst | 6 + 1 + 2: 6 Monate Grundwehrdienst, 1 Monat Truppenausbildung, 2 Monate weiterer Dienst bzw. Milizübungen |
| Milizübungen | Keine allgemeine Verpflichtung nach dem Grundwehrdienst | Verpflichtende Übungen möglich: verteilt über fünf Jahre nach einer einjährigen Sperrfrist |
| Sold | rund 626 Euro pro Monat | 1.000 Euro pro Monat |
| Urlaub | Kein allgemeiner Urlaubsanspruch | 7 Kalendertage Dienstfreistellung |
| Ausbildung | Bisherige Ausbildung innerhalb der sechs Monate | Mehr Ausbildungszeit, unter anderem durch den zusätzlichen Monat Truppenausbildung |
6 Monate Grundwehrdienst, einen Monat Truppenübung und zwei Monate Zusatzübungen
Künftig gilt für den Grundwehrdienst das Modell „6+1+2“: Auf sechs Monate Grundwehrdienst folgt unmittelbar ein Monat Truppenausbildung. Danach kann entweder zwei weitere Monate gedient werden oder man meldet sich für Milizübungen. Diese Milizübungen dient man nach einer Sperrfrist von einem Jahr über fünf Jahre laufend ab, um die Fähigkeiten, die man beim Bundesheer gelernt hat, bestmöglich zu erhalten und trotzdem den eigenen Lebens- und Ausbildungsweg verfolgen zu können.
Zugleich steigt der Sold von derzeit rund 626 Euro auf 1.000 Euro monatlich. Neu sind sieben Kalendertage reguläre Dienstfreistellung, also Urlaub. Bisher gab es für Grundwehrdiener keinen allgemeinen Urlaubsanspruch, sondern lediglich Freistellungen aus besonderen Gründen oder als Anerkennung.

9 Monate Zivildienst bleiben vorerst, solange es genügend Zivildiener gibt
Beim Zivildienst bleibt es zunächst bei neun Monaten, doch wird diese Dauer an die Entwicklung des Wehrdienstes gekoppelt. Unterschreitet die Zahl der männlichen angetretenen Grundwehrdiener in einem Kalenderjahr 13.875 Personen, verlängert man den Zivildienst ab dem übernächsten Kalenderjahr auf elf Monate. Die zusätzlichen zwei Monate können durchgehend oder später in derselben Einrichtung geleistet werden. Statt diesen zwei Moanten können Zivildiener in dieser Einrichtung auch 400 Stunden Ehrenamt leisten.
Der Zivildienst soll außerdem stärker für Krisen- und Katastrophenfälle ausbilden. Welche zusätzlichen verpflichtenden Ausbildungsmodule und wie viele Stunden dafür vorgesehen sind, ist derzeit noch nicht festgelegt. Ehemalige Zivildiener sollen im Ernstfall künftig schneller wieder einberufen werden können.
SPÖ machte sich für höheres Gehalt, Urlaub und bessere Ausbildung im Wehrdienst stark
Der SPÖ waren vor allem 1.000 Euro Sold, Urlaub, weniger Leerläufe im Dienst, bessere Ausbildung, die Aufwertung des Zivildienstes und Verbesserungen für Frauen wichtig. Frauen bleiben von der Wehrpflicht ausgenommen, können aber freiwillig den Grundwehrdienst leisten. Für sie gelten die gleiche Dauer und Entlohnung, es gibt eine bessere Infrastruktur als bisher, ein Mentoring-Programm und erstmals eine Soldatinnen-Beauftragte. Einen freiwilligen Zivildienst im selben rechtlichen Sinn gibt es für Frauen hingegen nicht.
Das Ganze soll mit 1. Jänner 2027 in Kraft treten. Rund 36.000 Männer sind jährlich stellungspflichtig.
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