Mondragón im spanischen Baskenland ist die größte Genossenschaft der Welt und eines der erfolgreichsten Unternehmen in ganz Spanien. Die Arbeiterinnen und Arbeiter des Genossenschafts-Verbundes Mondragón besitzen ihr Unternehmen und treffen selbst die Entscheidungen. Heute ist Mondragón nicht nur ein globaler Player in einer Vielzahl von Industrien, sondern ein Vorbild für jene, die unser Wirtschaftsleben demokratisch und solidarisch gestalten wollen.
Wenn wir in Österreich an Genossenschaften denken, kommen uns Wohnbau-Genossenschaften oder am Land vielleicht Weide- oder Energie-Genossenschaften in den Sinn. Kleine Strukturen, die eine untergeordnete Rolle im Wirtschaftsleben spielen. Ganz anders ist das im spanischen Baskenland. Dort ist die Genossenschaft Mondragón das erfolgreichste Unternehmen und der größte Arbeitgeber der Region. Mit Produktionsstandorten in 37 Ländern und mehr als 70.000 Mitarbeiter:innen ist Mondragón der weltweit größte Verbund von Arbeitergenossenschaften.
Die Entstehung der Genossenschaft
Begonnen hat die Geschichte von Mondragón nach dem spanischen Bürgerkrieg. Damals herrschte in der Kleinstadt Massenarbeitslosigkeit und Armut. Der Priester von Mondragón, José María Arizmendiarrieta, wollte seiner Gemeinde aus der wirtschaftlichen Notlage helfen. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt gründete er 1943 eine Berufsschule. Die Absolventen dieser Schule gründeten 13 Jahre später die ersten Genossenschaften der Stadt. Kurz darauf gründeten diese Genossenschaftler eine Kreditanstalt, um die Arbeit der Genossenschaften zu unterstützen – und bei der Finanzierung neuer Genossenschaften zu helfen.
In den darauffolgenden Jahren wuchs die Genossenschaft Mondragón schnell: Bereits sieben Jahre nach der Gründung gab es mehr als zwanzig Genossenschaften, die Teil von Mondragón waren. Zusätzlich übernahmen die Genossenschaften immer mehr Industrien. Die erste Genossenschaft stellte vor allem Haushalts-Elektronik her. Bald war Mondragón auch im Maschinenbau, Finanzsektor, Einzelhandel und der Bauwirtschaft tätig. Eines der Prestige-Projekte der Genossenschaft ist die Dachkonstruktion des berühmten Guggenheim-Museums in Bilbao.

Das Prinzip Mondragón
Das Erfolgsrezept von Mondragón? Die Beschäftigten führen ihr Unternehmen selbst. Anstatt Aktionären oder Milliardären zu gehören, besitzen die Beschäftigten von Mondragón ihr Unternehmen selbst und treffen die Entscheidungen selbst. Der Gewinn des Unternehmens wird nicht an Off-Shore-Konten in Steuersümpfen ausgezahlt, sondern geht an jene, die den Gewinn erwirtschaftet haben: die Arbeiterinnen und Arbeiter von Mondragón.
Diese Wirtschafts-Demokratie findet auf allen Ebenen von Mondragón statt. In den einzelnen Genossenschaften finden regelmäßig Versammlungen statt, wo über künftige Investitionen, Verwendung der Profite und ähnliches entschieden wird. Außerdem schickt jede Genossenschaft Delegierte zur Generalversammlung des Mondragón-Verbunds, wo die großen strategischen Fragen des Verbunds entschieden werden. Dadurch wurde nicht nur sichergestellt, dass die Genossenschaften im Interesse ihrer Beschäftigten geführt werden, sondern auch, dass alle Mitarbeiter:innen eine starke Bindung an Mondragón haben.
Solidarisches Wirtschaften
Neben der Mitbestimmung auf allen Ebenen ist es die gelebte Solidarität, die Mondragón so erfolgreich macht. Die spiegelt sich auch im Lohngefälle wider. In vielen Mondragón-Genossenschaften beträgt das Verhältnis zwischen dem höchsten und niedrigsten Einkommen 6:1, wobei einzelne Genossenschaften auch etwas höhere Obergrenzen (z. B. 8:1) beschlossen haben. Zum Vergleich: In österreichischen börsennotierten Großunternehmen verdienen die Chefs und Manager das 66-Fache einer normalen Beschäftigten in Österreich.
Dazu kommt, dass die unteren Lohngruppen weit mehr verdienen als der regionale Durchschnitt, während sich das Management mit weniger zufriedengeben muss als ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Firmen.
Die Belegschaft honoriert diese Lohngerechtigkeit. So ist die Abwesenheitsrate um die Hälfte niedriger als in gewöhnlichen Betrieben und die Produktivität um acht Prozent höher.

Solidarität wird aber auch zwischen den verschiedenen Teil-Genossenschaften von Mondragón gelebt. Wenn eine der Teil-Genossenschaften in finanzielle Schwierigkeiten gerät, bekommt sie oft Zuschüsse von dem Genossenschafts-Verbund, um sich zu stabilisieren. Außerdem können die Mitarbeiter:innen der Genossenschaft vorübergehende Gehaltskürzungen beschließen, um die Genossenschaft zu sanieren. Sollten alle diese Maßnahmen nicht helfen und eine Genossenschaft in Konkurs gehen, werden ihre Mitarbeiter:innen nicht auf die Straße gesetzt. Soweit es möglich ist, übernehmen andere Genossenschaften diese Mitarbeiter:innen in ihrem eigenen Betrieb.
Mondragón heute
Mondragón besteht heute aus 81 autonomen Genossenschaften und beschäftigt über 70.000 Menschen auf allen 5 Kontinenten. 2024 erzielte Mondragón einen Rekordgewinn von 632 Millionen Euro und einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro. Gestützt werden die wirtschaftlichen Tätigkeiten nicht nur durch eine eigene Bank, sondern auch durch ständige Forschung und Verbesserungen. Die Genossenschaft hat 12 Forschungs- und Entwicklungszentren und seit 1997 sogar eine eigene Universität mit rund 6.000 Studierenden.

Der Erfolg von Mondragón zeigt, dass ein Unternehmen auf Solidarität, Demokratie und hohen Löhnen beruhen kann – und international erfolgreich bleibt. Für die Führung des Genossenschafts-Verbunds ist klar:
„Unser oberstes Ziel ist es, mit der Schaffung und dem Erhalt von Arbeitsplätzen den Wohlstand der Bevölkerung zu mehren.“ – Mikel Lezamiz, langjähriger Direktor für die Verbreitung des Genossenschaftsmodells bei Mondragón.
Mondragón als Vorbild
Die Genossenschaft aus dem Baskenland ist heute Vorbild für Unternehmen und Regierungen. Ein Beispiel dafür ist Cleveland in den USA. Früher war Cleveland eine blühende Industrie-Stadt. Infolge der De-Industrialisierung in weiten Teilen der USA schlossen aber viele der Fabriken in Cleveland. Oft haben Firmen die Produktion in Billiglohnländer verlagert. Das Ergebnis war zunehmende Arbeitslosigkeit und ein wirtschaftlicher Niedergang wie in vielen ehemaligen Industriegegenden der USA.
Die Menschen von Cleveland wollten diese Situation aber nicht einfach hinnehmen. Sie nahmen sich den Erfolg der Genossenschaften von Mondragón als Vorbild und schufen einen städtischen Wirtschaftsplan mit Genossenschaften und lokaler Produktion im Zentrum. Die Evergreen Cooperatives betreiben heute unter anderem eine Wäscherei, Unternehmen für Gebäudedienstleistungen und Isolierung sowie weitere mitarbeitergeführte Betriebe und gelten international als Vorbild für demokratische Unternehmensentwicklung.
Auch in England wurde das Mondragón-Modell zum Vorbild für eine neue Form der lokalen Wirtschaftspolitik. Die nordenglische Stadt Preston, die unter den Folgen der Deindustrialisierung litt, entwickelte gemeinsam mit lokalen Institutionen das sogenannte Preston Model. Es setzt auf Genossenschaften, Arbeitnehmerbeteiligung und den Aufbau lokaler Wertschöpfung. Das Modell gilt heute international als eines der bekanntesten Beispiele für Community Wealth Building und hat zahlreiche Städte in Großbritannien und darüber hinaus inspiriert.
Der Artikel wurde am 15. April 2021 veröffentlicht und am 21. Juli 2026 aktualisiert.
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Warum mir das gefällt: Weil nicht, wie meistens zum Geistesbetrug unterrichtet, der Arbeitgeber die Löhne bezahlt, sondern der Kunde. Der Arbeitgeber nimmt das Geld und reicht einen Teil an den Arbeitnehmer, dem, der die Güter erzeugt wohlgemerkt, weiter, das ist alles.
Fazit: Umso mehr Arbeitnehmer ein sogenannter Arbeitgeber auszubeuten vermag, desto reicher wird er selbst. Das andere ist, dass ein Arbeitgeber selten selbst imstande ist, die Güter zu erzeugen, von denen er überproportional profitiert. Er lebt somit auf KOSTEN der ANDEREN.