Es ist gerade Herbst geworden, doch schon jetzt denken viele über die Energierechnung im Winter denken nach. Steigende Gaspreise, niedrige Speicherstände und höhere Stromkosten sorgen in den EU-Ländern abermals Unsicherheit. Die EU versucht gegenzusteuern: Schnellere Genehmigungen für erneuerbare Energieprojekte sollen Europa unabhängiger von fossilen Importen machen und langfristig die Preise senken.
Der europäische Gaspreis ist auf dem höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Ein wesentlicher Grund sind die niedrigen Füllstände der europäischen Gasspeicher. Nach Daten von Gas Infrastructure Europe sind die Speicher derzeit nur zu rund 65 Prozent gefüllt. Damit liegt Europa unter dem Niveau des Vorjahres und auf dem niedrigsten Stand für die Jahreszeit seit 2011.
Die Ausgangssituation: Niedrige Speicher und teure Importe
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat die EU ihre Abhängigkeit von russischem Erdgas erheblich reduziert und einen schrittweisen Ausstieg aus russischen Gasimporten bis 2027 beschlossen. 2021 stammten rund 45 % des europäischen Gasverbrauchs aus Russland. Letztes Jahr waren es noch etwa 12 %. Dabei handelt es sich sowohl um Pipelinegas als auch um Flüssiggas (LNG).
Doch weniger russisches Gas bedeutet nicht automatisch weniger Abhängigkeit. Beim Flüssiggas konkurriert Europa auf dem internationalen Markt vor allem mit Abnehmern aus Asien. Steigt die Nachfrage bei begrenztem Angebot, steigen häufig auch die Gaspreise – und mit ihnen kann der Strompreis unter Druck geraten.
„Energie muss leistbar, sicher und unabhängig sein. Gerade für Menschen die bereits einen großen Teil ihres monatlichen Budgets für Miete, Heizung und Strom aufwenden müssen, gibt es kaum Spielraum, wenn die Energiekosten erneut deutlich steigen“, kritisiert der sozialdemokratische Europaabgeordneter Hannes Heide.
In Österreich sind die Stromkosten im EU-Vergleich im Vorjahr am zweitstärksten gestiegen
Eine Eurostat-Studie zeigt: Im Vorjahr sind die Stromkosten für Haushalte in 17 EU-Mitgliedstaaten gestiegen. Besonders drastisch war die Entwicklung in Rumänien mit einem Plus von 58,6 Prozent. Österreich folgte mit einem Anstieg von 34,3 Prozent auf Platz zwei, vor Irland mit 32,7 Prozent.
Warum Gas den Strompreis mit nach oben zieht
Dass ausgerechnet ein Land wie Österreich mit großer Wind- und Wasserkraftproduktion so empfindlich auf Gaspreise reagiert, liegt am Merit-Order-System des europäischen Strommarkts.
Vereinfacht gesagt bestimmt das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage noch benötigt wird, den Preis für den gesamten Markt. Häufig sind das Gaskraftwerke. Wird Gas teurer, kann deshalb auch der Großhandelspreis für Strom steigen – selbst, wenn ein großer Teil des Stroms im Land aus günstigeren erneuerbaren Quellen stammt.

Auf EU-Ebene setzen sich die Sozialdemokrat:innen schon seit Langem für eine Reform des europäischen Strommarkts ein.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte im Frühjahr allerdings weniger eine grundlegende Reform als eine Weiterentwicklung des bestehenden Strommarktdesigns an. Die Stromerzeugungskosten, die mehr als die Hälfte des Strompreises ausmachen, sollen vor allem durch den Ausbau erneuerbarer Energien und der Stromnetze sinken.
Mehr Strom vor Ort – und weniger Warten auf Genehmigungen
Doch es gibt Baustellen bei der Strom-Infrastruktur in Europa: Bei leistungsfähigen Stromnetzen und Speicherkapazitäten gibt es Engpässe. In einigen EU-Ländern bremsen zudem langwierige Genehmigungsverfahren den Ausbau. Je nach Technologie und Mitgliedstaat kann die Genehmigung bis zu neun Jahre dauern.
Das Europäische Parlament hat im Rahmen des europäischen Netzausbaupakets für schnellere Verfahren gestimmt. Man will Genehmigungen besser koordinieren, digitalisieren und vereinfachen. Für erneuerbare Energieanlagen, Stromnetze, Speicher und Ladestationen sollen so Wartezeiten reduziert werden.
Förderungen sollen Investitionen und sozialen Ausgleich erleichtern
Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, konnte im Sommer besonders vom selbst erzeugten Strom profitieren und für überschüssige Energie zusätzlich eine Einspeisevergütung erhalten. Doch die Investition in die Anlagen und Stromspeicher bleibt für viele Privathaushalte und Betriebe kostspielig und wird oft erst durch Förderungen wirtschaftlich attraktiv.
Mit dem „Made-in-Europe“-Bonus steht seit Juni 2025 ein Investitionszuschuss zur Verfügung. Neu hinzugekommen ist auch der Klima-Sozialfonds, der einen sozial ausgewogenen und inklusiven Übergang zur Klimaneutralität unterstützen soll.
Österreich soll zwischen 2026 und 2032 bis zu 577,8 Millionen Euro aus dem Fonds erhalten. Dazu kommen mindestens 25 % nationale Kofinanzierung. Insgesamt stehen damit rund 770,4 Mio. Euro für Maßnahmen zur Verfügung. Das Geld soll vor allem gefährdete Haushalte sowie Kleinst- und Kleinunternehmen unterstützen, die besonders unter steigenden Energie- und Transportkosten leiden.
Die Beantragung entsprechender Fördermittel soll in Österreich ab 2027 möglich sein.
Das sind die 5 größten EU-Fördertöpfe für die Energiewende
- Kohäsionsfonds: eines der wichtigsten Finanzierungsinstrumente der Europäischen Union, um Energiewende und Klimaschutz in wirtschaftlich schwächeren Mitgliedstaaten voranzutreiben.
- EU-Innovationsfonds: Fördert die Entwicklung neuer Technologien bei erneuerbaren Energien, Energiespeicherung und CO₂-Reduktion.
- Klima-Sozialfonds (Social Climate Fund): Finanziert seit 2026 gezielt die Umstellung auf erneuerbare Energien für gefährdete Haushalte und kleine Unternehmen.
- REPowerEU & Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF): Einer der größten Fördertöpfe für den schnellen Ausbau von Solar- und Windkraft sowie die Unabhängigkeit von fossilen Energien.
- Horizont Europe: Ein EU-Programm, das Forschung, Innovation und die technologische Weiterentwicklung im Bereich der sauberen Energien fördert.
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