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9GAG: Von harmloser Spaßseite zur Plattform für rechte Hetze

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rechtsextremistische Inhalte auf 9GAG// Foto: Montage / Unsplash

rechtsextremistische Inhalte auf 9GAG// Foto: Montage / Unsplash

Anna Weisz Anna Weisz
in Digitales Leben
Lesezeit:4 Minuten
14. August 2025
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Wenn es um viralen Internet-Humor geht, ist 9GAG im deutschsprachigen Raum ganz vorn dabei.  Laut dem Analysedienst Similarweb zählt die Seite weltweit rund 85,8 Millionen Besuche im Monat, über 13 % davon stammen aus Deutschland. Vor allem junge Männer zwischen 18 und 34 sind die Hauptzielgruppe. Ursprünglich war 9GAG ein Ort für harmlose Witze, Katzenbilder und virale Memes. Doch in den letzten Jahren hat sich die Plattform gewandelt: Politische Postings sind häufiger geworden, viele davon mit rechtsextremen, rassistischen oder frauenfeindlichen Inhalten.

9GAG startete mit unpolitischen Inhalten

9GAG wurde ursprünglich 2008 von Ray Chan gemeinsam mit einem vierköpfigen Team in Hongkong als Nebenprojekt gestartet. Die Idee war simpel: Nutzer laden lustige Bilder oder Videos hoch, andere bewerten sie mit Up- oder Downvotes (Auf- oder Abwertungen). Was gut ankommt, landet auf der Startseite. Lange funktionierte das System gut. Die Seite wurde immer populärer, die Inhalte waren anfangs unpolitisch.

Doch schon wenige Jahre nach der Gründung tauchten auf 9GAG vereinzelt rechte Posts und Memes auf. Die blieben zunächst noch Randerscheinungen und fanden wenig Zustimmung beim Publikum. Während der Flüchtlingsdebatte und des US-Wahlkampfs von Donald Trump änderte sich das, es kam zu einer spürbaren Verschiebung der Community nach rechts.

Rechte Inhalte wurden sichtbarer und fanden zunehmend Unterstützung durch bestimmte Nutzergruppen, die sich gegenseitig verstärkten. Themen wie Migration, Gender oder LGBTQ-Rechte wurden immer öfter abgewertet oder ins Lächerliche gezogen.

Humor als Deckmantel für Diskriminierung

Der französische Linguist Albin Wagener untersuchte in einer bereits 2014 veröffentlichten Studie über 400 populäre Beiträge auf der Seite. In etwa elf Prozent der Beiträge fand er deutlich diskriminierende Inhalte, vor allem gegen Frauen, homosexuelle Menschen und ethnische Minderheiten. Solche Darstellungen machten zwar nicht die überwiegende Mehrheit der Posts aus, tauchten aber immer wieder auf. Es geht darin vor allem darum, sich über benachteiligte Gruppen lustig zu machen. Humor dient dann als Vorwand, um rassistische und sexistische Aussagen zu verbreiten.

Auch der Kommunikationsforscher Jose Gutierrez stellte 2015 fest, dass auf 9GAG sexistische, rassistische und nationalitätsbezogene Stereotype verbreitet wurden. Gleichzeitig fand er jedoch auch Beiträge, die sich deutlich für Pluralismus und gesellschaftliche Vielfalt aussprachen.

Wenig Kontrolle machte 9GAG anfällig für Extremismus

9GAG wurde über Jahre hinweg  von einem sehr kleinen Team betrieben. Problematische Inhalte wurden meist nur dann gelöscht, wenn sie zuvor von Nutzerinnen oder Nutzern gemeldet worden waren. Für eine globale Plattform war das völlig unzureichend.

Hinzu kam, dass andere soziale Netzwerke wie Reddit oder Facebook ihre Regeln verschärften und härter gegen extremistische Inhalte vorgingen. So wurde etwa 2020 der bekannte Subreddit „r/The_Donald“ geschlossen, und auch Meta sperrte vermehrt radikale Trump-Anhänger. Damit verlagerte sich politisch aufgeladener Inhalt zwangsläufig auch zu 9GAG, wo es im Gegensatz zu den anderen Plattformen kaum Moderation gab.

Während der Corona-Pandemie verbreiteten sich dort massenhaft Anti-Impf-Memes, Falschinformationen und Verschwörungserzählungen. Auch LGBTQ-feindliche Inhalte nahmen deutlich zu. Selbst unter unpolitischen Posts tauchten zunehmend politische Spitzen auf. Zum Beispiel mit spöttischen Kommentaren über „woke culture“ oder angebliche „gender ideology“.

 

Bildschrimfoto eines rassistischen Beitrags auf 9GAG, aufgenommen am 14.08.2025

Ehemalige Nutzerinnen und Nutzer berichten, dass sie 9GAG verlassen haben, weil ihnen die inhaltliche Ausrichtung und der raue Umgangston zu viel wurden. Wer alleine schon versucht, Falschbehauptungen zu korrigieren oder für Toleranz zu argumentieren, wird häufig beleidigt oder mit Hass überzogen. Ein User auf Reddit beschreibt seinen Ausstieg von der Plattform wie folgt:

„Sie sind zu absolut hassenswerten Idioten geworden. Sie verspotten Menschen, die leicht zu provozieren’ sind, aber flippen selbst aus, wenn eine fiktive Figur schwarz oder schwul ist. Sie verbreiten Fake-News und falsche Statistiken. Es geht nicht mehr um Memes. Es ist nur noch Propaganda. Ich habe meinen Account gelöscht. Ich komme nicht zurück.“

“L’amour toujours” war wegen rassistischer Parolen auf der Plattform populär

2024 ging ein Video viral, in dem deutsche Jugendliche Neonazi-Parolen zu Gigi d’Agostinos Song „L’amour toujours“ grölten. Auf dem ersten Video war eine Gruppe Jugendlicher in der “Pony-Bar” auf Sylt zu sehen, die lauthals “Deutschland den Deutschen, Ausländer raus” zu dem Partyhit mitsangen. Es folgten weitere Videos, in denen junge Menschen die gleiche umgedichtete Version direkt in die Kamera schrien. Später wurde klar, dass viele dieser Clips auf 9GAG zu Tausenden geteilt wurden. Die Plattform war voll davon, ein Beitrag folgte dem anderen. Die Kommentarspalten waren voller Zuspruch.

Geschichten wie die des rassistisch umgetexteten Agostino-Songs zeigen, dass 9GAG längst nicht mehr bloß eine Anlaufstelle für harmlose Internetwitze ist. Im Gegenteil: Was auf 9GAG gepostet wird, landet nicht selten wenig später auf Telegram, X, Facebook oder Reddit. Im schlimmsten Fall beschränkt sich der Hass nicht aufs Internet. 2019 richtete sich ein sexistischer und transphober Shitstorm gegen das Frauenreferat der Universität Mainz. Zahlreiche Emails mit Hassnachrichten und frauenverachtenden Kommentaren erreichten das Referat. Mindestens eine E-Mail wurde sogar zur Anzeige gebracht. Auslöser war ein Beitrag, der mutmaßlich von 9GAG ausging und sich rasend schnell verbreitete.

9GAGs Inhalte bleiben rechts, trotz Besserungen

Erst in jüngerer Zeit scheint sich etwas zu ändern. Nutzerinnen und Nutzer berichten inzwischen von gelöschten Kommentaren und gesperrten Accounts. Außerdem können bestimmte Themen wie Politik in den Einstellungen ausgeblendet werden.

Ob 9GAG es mit der Moderation nun wirklich ernst meint, bleibt jedoch fraglich. Auf der Startseite tauchen weiterhin regelmäßig rassistische oder diskriminierende Inhalte auf. Zudem ist die Plattform juristisch schwer zu fassen: Der Unternehmenssitz in Hongkong schützt sie vor vielen Regulierungen, wie sie in der EU oder teilweise auch in den USA inzwischen üblich sind.

Incels: Wie sich junge Männer im Internet zu radikalen Frauenhassern entwickeln

Parlament Das Thema "Hass im Netz" im Parlament

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Peter Fuchs
Peter Fuchs
30. April 2026 01:16

Als ehemaliger Nutzer muss ich sagen, dass die Nicht-Moderation, zum Charme von 9gag beigetragen hat, man wird ja nicht gezwungen es zu verwenden.
In meinen Augen ist Moderation eine Form von Zensur, über gewaltätigen oder missbrauchs Content darf gerne moderiert werden und ich muss zugeben man braucht ein dickes Fell, aber ich habe das bevorzugt.
Heutzutage wird läuft man schnell in Gefahr gesperrt zu werden, wenn man in einem kritischen Statement die Worte „weis“ gegen „schwarz“ austauscht und das re-posted.
Dies impliziert aber auch, dass die Aussage von Anfang an nicht politisch Korrekt war und einseitige Zensur betrieben wird.
Nach meinem Empfinden sieht es so aus, als ob Echokammern nur für ein politisches Spektrum erlaubt sind, aber wenn ich zwei Echokammern verwende die sich gegenüber stehen, erlaubt dies eine bessere Perspektive
Das Problem in meinen Augen ist, dass die gegenteiligen, wenn auch extremen Meinungen, immer schwerer zu finden sind und man versucht mit „Gewalt“ alle auf einen Nenner zu bringen.
Dies reduziert die Vielfalt an Meinungen und alles scheint gleich und grau.

Zum Abschluss eines meiner Lieblingsstatements von 9gag von damals, ich hoffe es ist nicht zu pikant, da ich hier niemanden auf die Füße treten will und es ist als Witz gedacht.

„Rassisten sind hier willkomen, Farbe, Religion und Nationalität sind egal, Hauptsache du bist ein Rassist. 😉 “

MfG
Peter Fuchs

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Die Country- und Pop-Ikone Dolly Parton ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Neben ihrer Karriere als Sängerin ist sie auch für ihr soziales Engagement bekannt: Mit der Imagination Library hat sie ein weltweites Leseprojekt gegründet, das Kindern kostenlos Bücher zur Verfügung stellt. Außerdem unterstützte sie Bildungs- und Hilfsprojekte über die Dollywood Foundation und spendete Millionenbeträge in die medizinische Forschung. Ihrem 1980 verfassten Song „9 to 5“ – einem sozialkritischen Kommentar auf Arbeitswelt und Ungleichheit - entstammt dieses Zitat: “It’s a rich man’s game no matter what they call it, and you spend your life putting money in his wallet.” Zitat: Es ist ein Spiel der Reichen und egal wie sie es nennen, du verbringst dein Leben damit, Geld in ihre Taschen zu stecken. Dolly Parton

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