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Wie Spanien Frauen vor Gewalt schützt und gegen Deepfakes vorgeht

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Das spanische Vorzeigemodell gegen Gewalt an Frauen - Foto: (c) Juliya Matuzava (@juliamatuzova)

Das spanische Vorzeigemodell gegen Gewalt an Frauen - Foto: (c) Juliya Matuzava (@juliamatuzova)

Katharina Opletal-Lang Katharina Opletal-Lang
in Frauen & Gleichberechtigung, Good News
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12. Mai 2026
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Spanien gilt in Europa als wichtiges Vorbild beim Schutz vor Gewalt an Frauen. Das Land verbindet spezialisierte Gerichte, Polizei, Hilfsangebote, Prävention und elektronische Überwachung zu einem umfassenden System. Gleichzeitig zeigen neue Formen digitaler Gewalt, etwa Deepfake-Pornografie oder der Fall Collien Fernandes, dass Gewaltschutz ständig weiterentwickelt werden muss.

Gewalt in Partnerschaften, Stalking und neue Formen digitaler Gewalt: Die aktuelle Debatte über Deepfake-Pornografie und der Fall Collien Fernandes, die ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vorwirft, jahrelang pornografische Inhalte unter ihrem Namen verbreitet zu haben, zeigen deutlich den Bedarf an Schutzmaßnahmen in Spanien und Europa gegen Gewalt an Frauen.

Spanien hat genau das verstanden und gilt in Europa als Vorbild für modernen Gewaltschutz. Seit 2004 verbindet das spanische Modell Strafverfolgung, Opferschutz, Prävention, spezialisierte Gerichte und digitale Überwachung zu einem umfassenden System. Deshalb schauen viele Länder auf Spanien, wenn es um besseren Schutz vor Gewalt an Frauen geht.

Gewaltschutz in Spanien: Gerichte, Polizei und Hilfsangebote

Betroffene Frauen können nicht nur Anzeige erstatten, sondern auch Zugang zu Beratung, medizinischer Versorgung, rechtlicher Unterstützung, sozialer Hilfe und sicheren Unterkünften erhalten.

Wichtig sind eigene Stellen und Gerichte, die sich auf Gewalt gegen Frauen spezialisiert haben. Die Juzgados de Violencia sobre la Mujer bearbeiten Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt und können unter bestimmten Voraussetzungen auch verbundene familienrechtliche Fragen mitbehandeln, etwa Trennung, Sorgerecht oder Schutzmaßnahmen. So müssen Betroffene nicht mehrere Verfahren gleichzeitig führen.

Auch Polizei, forensische Einheiten und Sozialdienste sind eingebunden. Sie sollen Risiken schneller erkennen und Schutzmaßnahmen besser koordinieren. Gerade diese enge Zusammenarbeit der unterschiedlichen Stellen macht das spanische System für andere Länder interessant.

Elektronische Fußfessel in Spanien: Schutz vor Annäherung

Im deutschsprachigen Raum wird das spanische Modell oft mit der elektronischen Fußfessel verbunden. Gerichte können Tätern verbieten, sich Betroffenen zu nähern, bestimmte Orte zu betreten oder Kontakt aufzunehmen. Elektronische Überwachung kann helfen, solche Verbote zu kontrollieren.

Die Fußfessel steht deshalb symbolisch für einen aktiveren Schutzansatz. Der Staat wartet nicht nur auf neue Taten, sondern versucht, bekannte Risiken zu überwachen. Entscheidend bleibt aber das Zusammenspiel mit Polizei, Justiz und Hilfsangeboten. Ohne diese Strukturen wäre die elektronische Überwachung allein kein umfassendes Schutzmodell.

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VioGén: Spaniens Risikobewertung bei Gewalt gegen Frauen

Ein weiteres wichtiges Instrument ist das polizeiliche Monitoringsystem VioGén. Ziel ist es, Informationen zu geschlechtsspezifischer Gewalt zu bündeln und so Risiken einzuschätzen, Schutzmaßnahmen zu koordinieren und gefährdete Frauen früher zu erkennen.

Je nach Risikostufe können Schutzmaßnahmen angepasst werden, etwa durch engere Polizeikontakte, Überwachung von Annäherungsverboten oder eine stärkere Abstimmung mit Gerichten und Hilfsdiensten. Gerade bei wiederholter Gewalt, Stalking oder Drohungen kann eine solche Koordination entscheidend sein. Wichtig ist aber: Solche Einschätzungen funktionieren nur gut, wenn Behörden genug Informationen bekommen und diese auch miteinander teilen.

Prävention gegen Gewalt an Frauen in Spanien

Der spanische Ansatz beginnt nicht erst nach einer Gewalttat. Das Gesetz von 2004 enthält auch Maßnahmen in Bildung, Gesundheit und Medien:

  • Schulen sollen für Gleichstellung und Gewaltprävention sensibilisieren.
  • Das Gesundheitssystem soll Anzeichen von Gewalt früher erkennen.
  • Medienkampagnen sollen gesellschaftliches Bewusstsein schaffen.

Auch Täterarbeit gehört zum Modell. Diese soll dazu beitragen, erneute Gewalt zu verhindern. Damit verfolgt Spanien einen breiteren Ansatz als reine Strafverfolgung. Gewalt gegen Frauen wird vielmehr als gesellschaftliches Problem verstanden, das mehrere staatliche und soziale Bereiche betrifft.

Wichtig ist zudem der Pacto de Estado gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Der Staatspakt wurde 2017 beschlossen und später erneuert. Er bündelt Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen und soll die Zusammenarbeit zwischen Staat, Regionen, Justiz, Bildung, Gesundheitssystem und Hilfsstrukturen stärken. Der erneuerte Pakt umfasst 461 Maßnahmen. Nach Angaben des spanischen Gleichstellungsministeriums wurde bis Dezember 2025 bei 235 Maßnahmen, also 51 Prozent, mit den Umsetzung begonnen. Vollständig abgeschlossen ist die tatsächliche Realisierung damit nicht zwingend.

Spanisches Modell gegen Gewalt an Frauen: Ursprung und Ziel

Grundlage des spanischen Modells ist die Ley Orgánica 1/2004, das Gesetz über integrierte Schutzmaßnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Es wurde Ende 2004 beschlossen und schuf einen umfassenden Rechtsrahmen gegen Gewalt an Frauen. Spanien behandelte solche Gewalt damit nicht mehr als private Angelegenheit, sondern als Folge von Diskriminierung, Ungleichheit und Machtverhältnissen zwischen Männern und Frauen.

Das Gesetz erfasst vor allem Gewalt durch aktuelle oder frühere Partner, darunter körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt sowie Drohungen, Nötigung und Freiheitsberaubung. Andere Formen, etwa sexuelle Gewalt außerhalb von Beziehungen oder digitale Gewalt, wurden erst später stärker einbezogen.

Wie wirksam ist das spanische Modell gegen Gewalt an Frauen?

Eine 2024 im Journal of Public Economics veröffentlichte Studie untersuchte Justizdaten aus Spanien für die Jahre 2005 bis 2018. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Einführung spezialisierter Gerichte die gemeldeten Fälle von Partnerschaftsgewalt um rund 28 Prozent erhöhte. Betroffene finden dadurch eher Zugang zu Schutz und rechtlicher Unterstützung. Genau darin zeigt sich eine zentrale Stärke des spanischen Modells. Der Effekt betrifft vor allem mittelschwere Delikte.
Für eine Senkung von Tötungsdelikten fanden die Autorinnen und Autoren dagegen keine eindeutigen Belege.

Digitale Gewalt gegen Frauen: Neue Herausforderung für Spanien

Zugleich bleibt Gewalt gegen Frauen in Spanien ein großes Problem: Laut einer großen staatlichen Befragung in Spanien, der Macroencuesta de Violencia contra la Mujer 2024 gaben 12,7 Prozent der Frauen ab 16 Jahren an, körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch einen Partner erlebt zu haben. 

Zusätzlich entstehen neue Herausforderungen durch digitale Gewalt. Dazu zählen etwa Online-Belästigung, Identitätsdiebstahl, die Verbreitung intimer Bilder ohne Zustimmung und sexualisierte Deepfakes. Spanien bezieht solche Formen stärker in den Gewaltschutz ein: Die Macroencuesta 2024 erfasst inzwischen auch digitale Übergriffe und Stalking. Dadurch wird besser sichtbar, wie häufig Frauen auch online betroffen sind.

Auch in der EU wird das Thema wichtiger. Eine EU-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, stärker gegen digitale Gewalt vorzugehen. Dazu gehört zum Beispiel die Verbreitung intimer oder manipulierter Bilder ohne Zustimmung. Die Debatte über Deepfakes in Spanien ist deshalb Teil einer größeren Entwicklung in Europa.

Deepfake-Gesetz in Spanien: Schutz vor sexualisierten KI-Bildern

Die geplante Deepfake-Regelung ist Teil der Debatte über digitalen Gewaltschutz.

Ein Auslöser war der Fall Almendralejo. In der spanischen Stadt kursierten 2023 KI-generierte Nacktbilder minderjähriger Schülerinnen. Der Fall zeigte, dass bestehende Gesetze digitale Gewalt zwar teilweise erfassen, neue technische Formen aber nicht immer ausreichend abdecken.

Das Vorhaben ist kein reines Frauengewaltschutzgesetz, sondern Teil eines breiteren Projekts zum Schutz Minderjähriger im digitalen Raum. Es soll die Verbreitung künstlich erzeugter oder manipulierter Bilder, Körperdarstellungen und Stimmen ohne Zustimmung erfassen, wenn die betroffene Person dadurch schwer herabgewürdigt oder bloßgestellt wird.

Zusätzlich kündigte die Regierung im Januar 2026 weitere KI-Regeln an. Bild, Stimme und Ähnlichkeit einer Person sollen stärker geschützt werden. Satirische oder klar gekennzeichnete fiktionale Inhalte sollen ausgenommen bleiben.

 

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Fall Collien Fernandes: Anzeige in Spanien wegen digitaler Gewalt

Auch der Fall Collien Fernandes hat die Aufmerksamkeit auf das spanische Modell gelenkt. Die deutsche Schauspielerin und Moderatorin erstattete in Spanien Anzeige gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen. Sie wirft ihm vor, über Jahre hinweg unter ihrem Namen Fake-Profile betrieben und darüber pornografisches Material verbreitet zu haben. Nach den Vorwürfen soll dabei der Eindruck entstanden sein, die Inhalte stammten von ihr oder zeigten sie. Ulmen bestreitet die Tatvorwürfe.

Die spanische Justiz leitete zunächst ein Verfahren ein, gab den Fall später aber an deutsche Behörden ab. Begründet wurde das unter anderem mit starken Bezügen zu Deutschland, etwa der Staatsangehörigkeit der Beteiligten, deutschsprachigen Inhalten und möglichen Tatorten.

Der Fall macht sichtbar, wie schwer digitale sexualisierte Gewalt rechtlich zu fassen ist, wenn Identität, Bild und Stimme einer Person ohne Zustimmung manipuliert oder missbraucht werden. Zugleich rückte er die Frage in den Mittelpunkt, ob Deutschland Betroffene digitaler Gewalt ausreichend schützt und warum Spanien in solchen Fällen als strengeres Vergleichsmodell wahrgenommen wird.

 

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Kritik am spanischen Gewaltschutz: Wo das Modell an Grenzen stößt

Trotz seines guten Rufs gibt es Kritik am spanischen Modell. Frauenhauskoordinierung e.V. weist darauf hin, dass auch 20 Jahre nach dem Gesetz von 2004 noch nicht alles umgesetzt ist. Der Verein kritisiert außerdem Mängel im System: Betroffene können durch Behörden oder Verfahren erneut belastet werden, teils sogar durch staatliche Abläufe zusätzlichen Schaden erfahren. Zudem fehle eine bessere Kontrolle, ob die Maßnahmen wirklich wirken.

Auch GREVIO, ein Expert*innengremium des Europarats, sieht weiterhin Probleme. Es lobt zwar Spaniens Reformen, fordert aber Verbesserungen in der Praxis. Dazu zählt mehr Schulung für Justiz, Polizei, Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich. Außerdem sollen Frauen in besonders verletzlichen Lebenslagen besseren Zugang zu Schutz und Unterstützung bekommen.

Zudem erfasst das Gesetz von 2004 vor allem Gewalt durch Partner oder Ex-Partner. Andere Formen von Gewalt gegen Frauen wurden erst später stärker berücksichtigt. Das spanische Modell ist deshalb kein fertiges Erfolgsmodell, sondern wird laufend erweitert.

Parlament Das Thema "Gewalt gegen Frauen" im Parlament

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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