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Kampf um die Steine: Wie LEGO gegen Händler und Konkurrenten vorgeht

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LEGO-Minifiguren in einer Szene vor türkisfarbenem Hintergrund. LEGO-/Star-Wars-Minifiguren. Foto: Daniel Cheung via unsplash

LEGO-/Star-Wars-Minifiguren. Foto: Daniel Cheung via unsplash

Noah Dueker Noah Dueker
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19. Juni 2026
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Für die meisten ist LEGO ein familienfreundliches Unternehmen mit langer Geschichte und Tradition. Doch LEGO ist längst nicht mehr der einzige Hersteller auf dem Klemmbausteinmarkt. Die grundlegenden Patente auf den klassischen LEGO-Baustein sind seit Jahrzehnten ausgelaufen; geschützt sind heute vor allem Marke, Logos, Figuren, neuere Bauteile und einzelne Designs. Dennoch spielen LEGO Designrechte bis heute eine zentrale Rolle in Rechtsstreitigkeiten mit Konkurrenten und Händlern.

Seit 1932 stellt LEGO Spielzeug her. Gegründet in Billund, Dänemark, fokussierte sich das Unternehmen ursprünglich auf unterschiedliches Kinderspielzeug wie Rasseln, Bauklötze und Holzspielzeug. In den späten 1940er-Jahren produzierte das englische Unternehmen Kiddicraft Bausteine, deren Oberseite mit Noppen besetzt war. LEGO orientierte sich bei seinen frühen Kunststoffbausteinen an den von Kiddicraft entwickelten „Self-Locking Bricks“ und entwickelte das Konzept später weiter. 1958 patentierte LEGO ein System aus Noppen und Röhren, wodurch gebaute Modelle besser zusammenhielten: Der Klemmbaustein war geboren.

LEGO Designrechte im Streit

Schon Ende der 70er Jahre liefen die ersten Patente auf die Klemmfunktion aus. LEGO besitzt allerdings noch die Rechte an den ikonischen Figuren sowie den Logos und Markenzeichen. Um die eigene Vormachtstellung nicht an die aufstrebende Konkurrenz zu verlieren, wendet LEGO nun andere Strategien an.

Inzwischen meldet LEGO neue Steine als sogenannte „Designs“ an. Diese LEGO Designrechte stehen immer wieder im Zentrum von Streitfällen. Ein „Designrecht“ schützt das Aussehen eines Produkts, nicht dessen technische Funktion. Anders als bei Patenten prüft die Behörde bei der Anmeldung nicht umfassend, ob die Form tatsächlich neu ist und sich genug von älteren Designs unterscheidet. LEGO nutzt die Möglichkeit, Bauteile als Designs anzumelden, auch um Variationen von bereits vorhandenen Steinen zu schützen. Ob diese Variationen tatsächlich schutzfähig sind, zeigt sich oft erst, wenn ein Konkurrent oder Händler die Eintragung juristisch angreift.

LEGO blitzt vor Gericht ab

Ein Beispiel dafür ist ein Rechtsstreit mit dem Konkurrenten Qman. Im Jänner 2026 verlor LEGO vor dem Gericht der Europäischen Union einen Streit um den Schutz eines Bausteins. Der chinesische Hersteller Qman hatte zuvor beantragt, ein eingetragenes LEGO-Design für ungültig erklären zu lassen. LEGO wehrte sich gegen diese Entscheidung, hatte vor Gericht aber keinen Erfolg. Nach Ansicht des Gerichts unterschied sich das Design nicht ausreichend von einem älteren Entwurf. Deshalb blieb die Entscheidung bestehen und der Designschutz wurde für ungültig erklärt.

Aber nicht alle, die ins Visier der LEGO-Rechtsabteilung geraten, haben genügend Geld für einen Prozess gegen den Konzern. Zum Beispiel im Fall der „Klemme“ im 20. Wiener Gemeindebezirk. 2023 wurde die Lieferung zum Weihnachtsgeschäft des Wiener Einzelhändlers vom Zoll aufgehalten. LEGO machte Verletzungen von Design-, Marken- und Urheberrechten geltend. Nach Angaben von ORF Wien musste Ware mit einem Verkaufswert von rund 25.000 Euro vernichtet werden. Der geschätzte Gesamtschaden lag bei rund 100.000 Euro. Markus Leopold-Blaim, der Ladenbesitzer, gab nach und schloss „die Klemme“ im Dezember 2023. Seit März 2024 betreibt er am selben Standort den Brettspielladen „Paradice Board Game Store“.

Auch andere LEGO-Designs werden inzwischen rechtlich überprüft. Der YouTube-Creator „Johnny’s World“ verfolgt solche Verfahren und berichtet regelmäßig darüber. Einige Schutzrechte wurden bereits für ungültig erklärt, andere hat LEGO selbst aufgegeben. Der Fall Qman zeigt zudem, dass Gerichte nicht jedes eingetragene LEGO-Design automatisch als schutzfähig ansehen. Für kleinere Händler bleiben solche Verfahren jedoch oft eine finanzielle Herausforderung.

LEGO und Influencer – Kritik am Botschafterprogramm

In der Vergangenheit ging LEGO immer wieder gegen kleinere Händler und Creator rechtlich vor. Beispielsweise mahnte der Konzern 2019 den YouTube-Creator „Held der Steine“ wegen seines damaligen Kanalbildes ab. 2021 gab es einen weiteren Konflikt, weil dieser „LEGO“ aus Sicht des Konzerns als Gattungsbegriff für Klemmbausteine benutzte. Ursprünglich war auf dem Profilbild des Kanals ein Klemmbaustein zu sehen. Auch wenn der YouTuber sein Kanalbild änderte, erntete LEGO daraufhin einen Shitstorm und scharfe Kritik von einem der reichweitenstärksten deutschsprachigen Content-Creator der Szene. Denn der YouTube-Kanal „Held der Steine“ zählt heute über eine Million Abonnenten und eine beachtliche Reichweite.

Schlechte Rezension = keine Vorabsets mehr?

Doch selbst aus den Reihen der Influencer, die gegenüber LEGO positiv eingestellt sind, rumort es. Jahrelang hatte LEGO durch sein „Ambassador Network“ YouTube-Creator aus der Szene vorab mit exklusiven Bausätzen beliefert. Doch zuletzt kam es zu einem Umschwung. Einzelne große Creator, darunter „Bricksie“ mit fast 500.000 Abonnenten, stiegen aus dem Programm aus oder kritisierten die Bedingungen rund um Reviews und Vorabzugänge.

Ob LEGO kritische Kanäle gezielt benachteiligt, ist allerdings umstritten. Der Held der Steine erhob diese Darstellung in einem Video auf seinem Kanal im März 2026. Fachblogs aus der Szene widersprachen ihr zumindest teilweise und verwiesen auf Händler- und Reseller-Regeln. Klar ist aber: Auch abseits der Gerichte wird LEGO in der Klemmbaustein-Szene zunehmend daran gemessen, wie der Konzern mit Kritik, Konkurrenz und unabhängigen Händlern umgeht.

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