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Alexandria Ocasio-Cortez: Die junge Rebellin kämpft für staatliche Krankenversicherung und Mindestlohn

Alexandria Ocasio-Cortez (Foto: Matt Johnson from Omaha, Nebraska, United States / CC BY 2.0)

Alexandria Ocasio-Cortez bei einer Pressekonferenz zum Thema Green New Deal, Foto: Wikimedia Commons, Senate Democrats

Raphael Bossniak Raphael Bossniak
in Internationales, Politik
Lesezeit:5 Minuten
9. September 2021
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Alexandria Ocasio-Cortez ist die jüngste Kongressabgeordnete der USA. Sie mischt das konservative Amerika auf. Mit dem Green New Deal tritt sie für eine radikale Bekämpfung des Klimawandels und der Armut in den USA ein. Ein Porträt.

Alexandria Ocasio-Cortez bei einer Green-New-Deal-Kundgebung, Foto: Jackie Filson

Geboren in der Bronx

1989 kommt Alexandria Ocasio-Cortez in New York City zur Welt. Schon früh ist Alexandria Ocasio-Cortez mit Armut konfrontiert: Ihre beiden Eltern kommen aus Puerto Rico, ein verarmtes Außengebiet der USA. Und sie wächst in einem der ärmeren Viertel New Yorks auf, der Bronx. Ihre Eltern lebten schon länger dort. „Ich wurde als Tochter eines Vaters geboren, der in der South Bronx zur Welt kam, während die Bronx brannte, während die Vermieter Brandstiftung an ihren eigenen Gebäuden begingen“, sagte sie später über die Kindheit ihres Vaters Sergio. Vermieter zündeten in den 70ern ihre eigenen Häuser an, um das Versicherungsgeld einsacken zu können. Die Stadtverwaltung hatte die hauptsächlich von Afro-Amerikanern und Latinos bewohnte South Bronx zusätzlich vernachlässigt. Viele Feuerwehrstellen hatte sie in reiche, weiße Viertel verlegt. Alexandria Ocasio-Cortez konnte besser leben als ihr Vater, aber trotzdem war auch bei ihr das Geld knapp. „Wir waren arm, ich war es gewohnt, jeden Tag Reis und Bohnen zu essen„, erzählte sie.

Ein niedergebranntes Gebäude in South Bronx, Foto: John Fekner

Erst fünf Jahre nach Alexandrias Geburt gelingt ihren Eltern der soziale Aufstieg und sie ziehen in eine bessere Wohngegend in den Yorktown Heights um. Alexandrias Vater Sergio leitete ein kleines Architektenbüro, das gerade genug Geld einbrachte, um den Umzug zu finanzieren. Alexandria Ocasio-Cortez teilte sich ihr Zimmer mit ihrem Bruder Gabriel. Hier ging Alexandria zur Schule. Mit großem Erfolg: sie schloss die High-School ab und begann ihr Wirtschafts-Studium an der Boston University.

 „Ich komme aus der Arbeiterklasse, da hat man nicht wirklich viel Zeit zum Trauern.“

Zu Ende von Alexandria Ocasio-Cortez’s High-School-Zeit erkrankte ihr Vater an Lungenkrebs. „Er war in experimentellen Behandlungen, um sein Leben zu retten. Meine Familie verlor fast unser Haus, um zu versuchen, ihn zu retten“, sagte sie später. In den Vereinigten Staaten gibt es kein öffentliches Gesundheitssystem wie in Europa. US-Amerikaner müssen sich ärztliche Behandlungen meist selbst bezahlen. Die Krebsbehandlung ihres Vaters stürzte Alexandria Ocasio-Cortez’s Familie fast in den Ruin.

Alexandrias Vater starb 2008. Alexandria Ocasio-Cortez ist zu dem Zeitpunkt 19 Jahre alt. Sie bekommt nur eine Woche frei von ihrer Universität, um den Tod ihres Vaters zu verarbeiten. „Ich komme aus der Arbeiterklasse, da hat man nicht wirklich viel Zeit zum Trauern“, sagt sie später. Nach dem Tod ihres Vaters hören die Probleme nicht auf: das Geld fehlt an allen Stellen. Alexandria Ocasio-Cortez musste nach Abschluss ihres Wirtschafts-Studiums einen Job als Kellnerin annehmen, um ihre Mutter zu unterstützen. Die Erfahrungen mit der Krebserkrankung ihres Vaters sind ein Grund, warum Alexandria Ocasio-Cortez die Einführung eines staatlichen Gesundheitssystems in den USA unterstützt.

„Frauen wie ich sollten nicht für den Kongress kandidieren.“

Alexandria Ocasio-Cortez während ihrem Wahlkampf 2018, Foto: Corey Torpie

Alexandria Ocasio-Cortez hat am eigenen Leib die Sorgen der armen Leute erfahren und kämpft darum so konsequent und glaubwürdig gegen die Armut in ihrem Land. 2018 kandidierte sie als Kongressabgeordnete für den 14ten New-Yorker-Kongressbezirk. Politische Erfahrung hatte sie bereits gesammelt: Während ihrer Uni-Zeit arbeitete sie im Team des demokratischen Senators Edward Kennedy bei einer schlussendlich gescheiterten Einwanderungsreform mit und vermittelte als einzige Spanischsprecherin im Team die Ängste und Sorgen vieler lateinamerikanischer Einwanderer. 2016 unterstützte sie dann den Underdog-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders.

2018 gelang ihr die Sensation bei den Vorwahlen für den US-Kongress. Alexandria Ocasio-Cortezs sucht sich keinen leichten Gegner: Joe Crowley aus dem 14. Kongresswahlbezirk von New York. 20 Jahre war Joe Crowley einer der mächtigsten Kongressabgeordneten seiner Partei und er hatte reiche Unterstützer. Spenden für seine Kampagne kamen auch von der Wall Street. Seit 2004 hatte Crowley keinen Gegenkandidaten bei der Vorwahl mehr. Alexandria Ocasio-Cortez war die Erste seit 14 Jahren. Der Bezirk wählt traditionell demokratisch. Alexandria Ocasio-Cortez musste also „nur“ die Vorwahl für die demokratische Kandidatur gegen Crowley gewinnen, um sehr wahrscheinlich in den Kongress einzuziehen.

Alexandria Ocasio-Cortez führte ihren Wahlkampf aus dem gleichen Taco-Geschäft heraus, wo sie auch arbeitete. „80 Prozent dieser Kampagne habe ich aus einer Papiertüte heraus operiert, die hinter der Theke versteckt war.“, erzählte sie. Joe Crowleys großem Werbebudget setzte sie Bürgernähe entgegen. Ihr Motto: „Du kannst Leute mit viel Geld nicht wirklich mit mehr Geld schlagen. Man muss sie mit einem komplett anderen Spiel schlagen.“ Unterstützung für sie kam damals vor allem aus der Bevölkerung: auch die Bewegung Black Lives Matter stellte sich hinter die junge Latina. Und sie gewinnt tatsächlich. Ihr Sieg war ein riesiger Skandal. Sie hatte als Außenseiterin einen alteingesessenen Demokraten vom Thron gestürzt. Im November 2018 schlug sie schließlich ihren republikanischen Gegner und zog in den Kongress ein.

Der Green New Deal

Alexandria Ocasio-Cortez bei einer Pressekonferenz zum Thema Green New Deal, Foto: Senate Democrats
Alexandria Ocasio-Cortez bei einem Wahlkampfevent von Bernie Sanders, Foto: NSPA & ACP

Für Alexandria Ocasio-Cortez ist der Klimawandel „die größte nationale Sicherheitsbedrohung für die Vereinigten Staaten“. Dieses Bewusstsein führte zu ihrem ersten Gesetzesvorschlag als Abgeordnete: den Green New Deal. Angelehnt ist der Green New Deal an den New Deal des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Das Reformpaket des New Deals schuf in den 1930ern neue Arbeitsplätze in den USA und überwand eine Wirtschaftskrise. Ähnlich wie Roosevelt die Wirtschaftskrise überwand, möchte Alexandria Ocasio-Cortez die Klimakrise überwinden. Zwei Grundpfeiler des Green New Deals sind der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bis 2030 und ein neues Verkehrsnetz für die USA. Wenn Amerikaner zu ihren Verwandten innerhalb der USA reisen, benutzen sie meistens das klimaschädliche Flugzeug. Die Vision des Green New Deals ist ein modernes Zugnetz für die USA, das Schadstoffe verringern soll. Neben einer Rettung des Klimas soll der Green New Deal auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Der Vorschlag wurde von Trump abgeschmettert. Aber nach Trumps Abwahl 2020 nahm Wahlsieger Joe Biden einige Ideen des Green New Deals auf. Er verankerte Aspekte davon in seinem politischen Programm, etwa die Unterstützung von besonders stark vom Klimawandel getroffene Gemeinden. Doch Alexandria Ocasio-Cortez geht das nicht weit genug: Sie fordert weiter ein modernes Zugnetz für die USA und einen schnelleren Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, der auf 2050 nach hinten verschoben wurde.

Alexandria Ocasio-Cortez for president?

2020 schaffte sie die Wiederwahl in den Kongress. 2024 könnte sie sogar womöglich die Kandidatur als Präsidentschaftskandidatin anstreben. Bei einem Wahlkampfevent von Bernie Sanders 2020 löste ein Sager von ihr Spekulationen aus: „Wir alle wissen, dass es hier nicht nur um Bernie Sanders geht. Hier geht es um eine Bewegung, die seit Jahrzehnten im Entstehen begriffen ist.“ Sie könnte in Zukunft den mittlerweile 80-jährigen Bernie Sanders als linke Präsidentschaftskandidatin ersetzen.

Alexandria Ocasio-Cortez (Foto: instagram.com/aoc)
Alexandria Ocasio-Cortez (Foto: instagram.com/aoc)

 

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Lara Georg
Lara Georg
13. September 2021 08:24

Eine schöne Geschichte, eine wahre Wunderwuzzi Frau. Leider stimmt ihre Biographie, wie die der meisten Celebrities nicht. Vielleicht sollten sie mal richtig recherchieren und nicht Legenden nachplappern.

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Trump hat im Wahlkampf versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Doch das war reine Rhetorik. "Wer verstanden hat, dass Trump faschistisch agiert, konnte das vorhersehen", sagt der US-Philosoph Jason Stanley. Wir haben mit ihm gesprochen: Über die USA und warum er sich dort nicht mehr sicher fühlt. Über Friedensversprechen, die nichts wert sind – und warum es ihn hoffnungsvoll stimmt, wenn sich in Städten wie Minneapolis Widerstand gegen eine scheinbare Übermacht formiert. Zitat: Europa muss sich gegen Trump wehren. Die USA sind die größte Gefahr für Freiheit in der Welt aktuell. Hoffentlich merken die Europäer, dass sie ihre liberalen Demokratien verteidigen und rechtsradikale Parteien stoppen müssen. Jason Stanley

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Trump hat im Wahlkampf versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Doch das war reine Rhetorik. "Wer verstanden hat, dass Trump faschistisch agiert, konnte das vorhersehen", sagt der US-Philosoph Jason Stanley. Wir haben mit ihm gesprochen: Über die USA und warum er sich dort nicht mehr sicher fühlt. Über Friedensversprechen, die nichts wert sind – und warum es ihn hoffnungsvoll stimmt, wenn sich in Städten wie Minneapolis Widerstand gegen eine scheinbare Übermacht formiert. Zitat: Europa muss sich gegen Trump wehren. Die USA sind die größte Gefahr für Freiheit in der Welt aktuell. Hoffentlich merken die Europäer, dass sie ihre liberalen Demokratien verteidigen und rechtsradikale Parteien stoppen müssen. Jason Stanley
Trump hat im Wahlkampf versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Doch das war reine Rhetorik. "Wer verstanden hat, dass Trump faschistisch agiert, konnte das vorhersehen", sagt der US-Philosoph Jason Stanley. Wir haben mit ihm gesprochen: Über die USA und warum er sich dort nicht mehr sicher fühlt. Über Friedensversprechen, die nichts wert sind – und warum es ihn hoffnungsvoll stimmt, wenn sich in Städten wie Minneapolis Widerstand gegen eine scheinbare Übermacht formiert. Zitat: Europa muss sich gegen Trump wehren. Die USA sind die größte Gefahr für Freiheit in der Welt aktuell. Hoffentlich merken die Europäer, dass sie ihre liberalen Demokratien verteidigen und rechtsradikale Parteien stoppen müssen. Jason Stanley

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