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Vollzeit-Lohn unter der Armutsgrenze: Oberösterreich will Contact-Tracern nur 933 Euro zahlen

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Marco Pühringer Marco Pühringer
in Arbeit & Freizeit
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23. September 2020
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Das Land Oberösterreich sucht nach Contact-Tracern. Also Angestellten, die die Kontakte von Corona Infizierten nachverfolgen. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, doch beim Gehalt wird gegeizt: 933,68 Euro netto will das schwarz-blau regierte Land für die Vollzeitstelle zahlen. Zum Vergleich: In Wien bekommt man für dieselbe Stelle um rund 500 Euro mehr. Die ÖVP-geführte Gewerkschaft öffentlicher Dienst  geht auf Tauchstation und wollte sich zu der Causa nicht äußern.

Die Corna-Zahlen steigen, es soll verhindert werden, dass sie außer Kontrolle geraten und ein zweiter Lockdown nötig wird. Dafür ist es entscheidend, Cluster zu erkennen, Infizierte zu finden und zu isolieren. Dazu braucht es Contract-Tracer. Sie telefonieren den ganzen Tag, fragen nach Kontaktpersonen, Vereinbaren Corona-Tests und sprechen im besten Fall mehrere Sprachen. Auch sie sind die viel beschworenen Helden der Krise.

Gehälter unter der Armutsgrenze

Damit wird den Mitarbeitern für einen verantwortungsvollen Job ein Gehalt geboten, das unter der Armutsgrenze von 1.060 Euro liegt. Wohl auch deshalb richtet das Land Oberösterreich seine Ausschreibung explizit an Studenten – wohlwissend das andere kaum bereit sein werden, für so wenig Geld zu arbeiten. Schließlich ist selbst das durchschnittliche Arbeitslosengeld mit 900 Euro nicht weit von dem Gehalt dieses Vollzeitjobs entfernt. Wer bereit ist, auch an Wochenenden, Feiertagen und Abends zu arbeiten, bekommt mit 1.238,43 € netto ein bisschen mehr.

Sind die niedrigen Gehälter überhaupt legal?

Das ausgeschriebene Gehalt steht auch im Widerspruch zum oberösterreichischen Gehaltsgesetz. Das Mindestgehalt für einen Vertragsbediensteten beträgt dort 1.785,50 Euro. Die 1.785,50 Euro sind die absolut unterste Grenze. Es handelt sich dabei nämlich um jene Gehälter für die erste Stufe in der Funktionslaufbahn LD25 (das ist die 25-stufige Einreihung von Landesbediensteten, die je nach ihrer auszuübenden Tätigkeit erfolgt). Das führte auch zu Diskussionen in Oberösterreichs Landespolitik:

„Wenn der Kampf gegen die globale Pandemie am Geiz scheitert, ist das vollkommen unverantwortlich! Ich erwarte mir umgehend eine neue Ausschreibung mit einem fairen Gehalt“, so der Gesundheitssprecher der SPÖ Oberösterreich, Peter Binder.

Schwarze Personalvertreter auf Tauchstation

Das Land Oberösterreich will also seinen Mitarbeitern zur Coronabekämpfung weniger Gehalt zahlen als ihnen gesetzlich zusteht. Eigentlich ein klarer Fall für die Gewerkschaft. Schließlich verhandeln sie auch die Löhne der öffentlichen Bediensteten. Doch im Land ob der Enns läuft vieles anders. Und auch die Gewerkschaft öffentlicher Dienst tickt nicht wie die anderen Gewerkschaftsorganisationen. Trotz mehrmaliger Kontaktaufnahme blieben eine Kontrast-Anfrage zur Causa unbeantwortet, mehrmals wurden wir auf späteren Rückruf vertröstet, doch am Ende des Tages blieb: Weder die Bundesstelle noch der oberösterreichische Landesvorsitzende konnten sich zu einer Stellungnahme überwinden. Ein möglicher Grund: Anders als die anderen Gewerkschaften ist die GÖD fest in den Händen der ÖVP.

Wien bezahlt um 500 Euro mehr

Dass 933,68 Euro kein übliches Gehalt für Contact-Tracer sind, zeigt auch der Bundesländer vergleich: Die Stadt Wien sucht aktuell ebenfalls Mitarbeiter für diesen Aufgabenbereich. Das Gehalt beträgt dort immerhin 1.800 Euro brutto – das ist mit netto 1.427,74 um knapp 500 mehr, als die schwarz-blaue Landesregierung in Oberösterreich zahlen will.

Deutscher Konzern nutzt Corona zum Lohndumping

Ebenfalls in Oberösterreich nutzt der deutsche Verpackungs-Konzern „Packservice PS Marketing“  die Hilfsbereitschaft der österreichischen Bevölkerung in der Corona-Krise aus. Das Unternehmen schrieb Jobs zur Mitarbeit bei der „Versorgung der Nation“ aus. In Wahrheit waren das aber ganz normale Verpackungs-Aufträge. Mit dem Krisen-Argument bezahlt der Konzern dafür einen Billig-Stundenlohn von nur 3,56€. Währenddessen vergrößert das Unternehmen mit den Zusatzaufträgen und der Krisen-Hilfsbereitschaft der Billig-Arbeiter seinen Profit, berichtet das Online Medium NeueZeit.

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist eine der traditionellen Großparteien Österreichs. Sie vertritt vor allem bürgerlich-konservative Werte. Traditionell gilt sie als Interessenvertreterin der Wirtschaft, der Bauern sowie der römisch-katholischen Kirche.

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