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Keine Schulabbrecher in schlechten Jobs: Ausbildungspflicht spart Österreich hohe Kosten

Keine Schulabbrecher in schlechten Jobs: Ausbildungspflicht spart Österreich hohe Kosten

Patricia Huber Patricia Huber
in Arbeit & Freizeit
Lesezeit:2 Minuten
28. Oktober 2019
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Ohne Abschluss unter 18 arbeiten gehen – das ist in Österreich nicht mehr erlaubt. Denn jugendliche Billiglöhner ohne Ausbildung bleiben meist ihr Leben lang eine Risikogruppe: Häufiger betroffen von Arbeitslosigkeit, von Armut und von schlechter Gesundheit. Seit zwei Jahren unterstützt das Sozialministerium daher Jugendliche bei der Aufnahme einer Ausbildung – mit großem Erfolg. Zwei von drei schaffen eine Ausbildung und Österreich erspart sich Folgekosten von über 100 Mio., wie jetzt eine Studie errechnete.

Seit Sommer 2017 gilt in Österreich die Ausbildungspflicht: Jugendliche unter 18 Jahren müssen eine Schule besuchen oder eine andere Ausbildung machen. Bricht ein Jugendlicher seine Ausbildung ab, muss die Familie das melden. Beginnt er innerhalb von vier Monaten keine neue, nimmt das Sozialministerium Kontakt zu ihm auf – das sind oft zig Briefe und Anrufe pro Fall. Gemeinsam mit dem Jugendlichen wird dann eine Ausbildung gesucht.

Die Ausbildungsgaranie geht auf eine Initiative des verstorbenen SPÖ-Sozialministers Rudolf Hundstorfer zurück. Umgesetzt hat sie schließlich sein Nachfolger, der SPÖ-Sozialminister Alois Stöger.

Zwei Drittel der Abbrecher wieder in Ausbildung gebracht

Seither dürfen Jugendliche ohne Ausbildung keinen Job ausüben, ausgenommen natürlich Praktika oder Ferialjobs. 2.390 Jugendliche hat das Sozialministerium 2019 schon begleitet, zwei Drittel der Fälle gingen positiv aus: Sie sind direkt wieder in die Schule oder Lehre eingestiegen oder werden von Jugendcoaches unterstützt. Bei einem Drittel der Jugendlichen wurde die Betreuung erfolglos beendet, meist weil diese nicht erreichbar waren.

Die Gründe für Schulabbruch sind meist zu wenig Unterstützung zuhause, der Drang zum Geldverdienen oder zu wenig Wissen über Ausbildungen. Mit der Ausbildungspflicht lernen Jugendliche in allen Bundesländern Ausbildungen und Perspektiven kennen und werden konkret unterstützt.

Schulabbruch kostet Staat 1,8 Millionen Euro

Die Ausbildungspflicht bringt nicht nur den Jugendlichen etwas, wie jetzt eine Studie von IHS und Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung (öifb) festetellte:

1,8 Millionen Euro kosten den Staat die Folgen eines Schulabbruchs. Denn: Wer keine abgeschlossene Ausbildung hat, wird drei Mal öfter arbeitslos, bleibt oft sein Leben lang Hilfsarbeiter und ist viel häufiger krank.

Wenn die Hälfte der Bildungsabbrüche verhindert werden kann, bringt das der österreichischen Wirtschaft laut Studie 110 Mio. Euro jährlich, nach 50 Jahren sollen es dann sogar 4,4 Mrd. Euro pro Jahr sein. IHS und öifb gehen sogar davon aus, dass das Budgetdefizit durch die Ausbildungsgarantie langfristig um 0,4 Prozent des BIP sinken wird, während Lohn- und Umsatzsteueraufkommen um je 100 Mio. und die Sozialversicherungsabgaben um 200 Mio. Euro pro Jahr steigen.

Keine lebenslangen Billig-Jobs

Zuletzt hat auch der OECD-Bericht zur Chancengerechtigkeit in Österreich die Ausbildungsgarantie gelobt. Und auch die IHS-Studie sieht in der Ausbildungsgarantie ein erhebliches Potenzial für mehr soziale Gerechtigkeit. Denn Schulabbrecher bleiben oft ihr Leben lang Hilfsarbeiter und haben ein viel größeres Risiko, lange arbeitslos zu sein.

Die Ausbildungsgarantie schützt Menschen vor lebenslangen Billigjobs.

Neben Schule und Lehre bietet die Ausbildungspflicht auch Angebote der Erwachsenenbildung. Die Umsetzung läuft teilweise über ganz niederschwellige Angebote wie das Projekt „Tore für die Zukunft“, bei dem das Spielen im Fußballverein mit Berufsorientierung kombiniert wird.

Die Studienautoren wünschen sich mehr Schulsozialarbeiter und -psychologen, Jugendcoaching am Übergang von der Schule in den Beruf und das Lehrlings- und Lehrbetriebscoaching zur Vermeidung von Abbrüchen. Auch die Vernetzung mit Vereinen, Stadtteil- und Grätzlarbeit müsste noch viel umfassender sein, um Bildungsabbrüche zu vermeiden.

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