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Falschmeldungen verbreiten sich sechs Mal schneller als wahre Nachrichten!

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Falschmeldungen verbreiten sich sechs Mal schneller als wahre Nachrichten!

Marco Pühringer Marco Pühringer
in Gesellschaft, Medien
Lesezeit:3 Minuten
15. Mai 2018
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„Bombenalarm am Wiener Hauptbahnhof!“ Warum sich Fake-News wesentlich rascher im Netz verbreiten als wahre Nachrichten, haben Forscher nun herausgefunden. Ihre Studie zeigt: Verantwortlich dafür sind wir alle bzw. unsere Psyche.

„Bombenalarm am Wiener Hauptbahnhof“ lautet die Top-Story von oe24 am 14. Mai. Die Nachricht verbreitet sich rasch. Dann widersprechen die ÖBB via Twitter: „Entgegen der Top-Schlagzeile auf @Oe24at haben wir am Hauptbahnhof in Wien keinen Bombenalarm. Alle Züge fahren normal, nichts wurde geräumt“. Es sei lediglich eine Tasche in der Nähe des Hauptbahnhofs entdeckt worden, was einen Routineeinsatz der Polizei zur Folge hatte, bestätigt auch Polizeisprecher Daniel Fürst.

Soziale Medien sind voller Falschmeldungen wie dieser, wie Faktencheck-Plattformen wie Kobuk! und Mimikama wissen. Jetzt haben die Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) herausgefunden, dass sich falsche Nachrichten deutlich schneller im Netz verbreiten als wahre Meldungen. Sie haben 126.000 Tweets analysiert. Den Wahrheitsgehalt der jeweiligen Kurzmeldung haben sie gemeinsam mit sechs Faktencheck-Organisationen überprüft.

Das Ergebnis: Zwei Drittel der Nachrichten waren falsch. Und: Eine wahre Nachricht braucht im Schnitt sechsmal so lange wie eine falsche, um 1.500 Personen zu erreichen. Am größten war der Unterschied bei politischen Nachrichten.

Wer ist dafür verantwortlich?

„Auch wenn die Analyse nur anhand von Twitter-Daten durchgeführt wurde, glaube ich, dass sich die Ergebnisse auf andere Social Media-Plattformen übertragen lassen“, sagt Soroush Vosough, der Erstautor der Studie. „Denn unsere Ergebnisse deuten auf mögliche psychologische Gründe hin, die Menschen dazu verleiten, falsche Nachrichten zu verbreiten.“

Anfangs gingen die Forscher davon aus, dass Bots, Programme, die automatische Retweets erzeugen, eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung von Fake-News spielen. Mithilfe einer Software haben sie den Effekt aber hinausgefiltert. An den Ergebnissen hat sich aber wenig geändert. Bots erklären nicht, warum sich falsche Meldungen so schnell verbreiten.

Der MIT-Wissenschaftler Sinan Aral nennt die wahren Verantwortlichen:

„Menschen sind für die Verbreitung falscher Nachrichten weitaus mehr verantwortlich, als wir bisher dachten.“

Warum tun wir das?

Dahinter stecken im Wesentlichen zwei psychologische Phänomene:

  1. Meldungen, die sich nicht an Fakten halten, beinhalten meist überraschende „Informationen“. Dinge, die wir so noch nie gehört haben, erregen unsere Aufmerksamkeit. Somit werden wir angespornt, diese „Neuigkeiten“ auch mit anderen zu teilen.
  2. Falschmeldungen thematisieren häufig Negatives. Menschen gewichten negative Informationen stärker. Das ist evolutionär bedingt: Es war wichtiger, seine Sippe vor Raubtieren zu warnen, als die Nachricht von einem schönen Sonnenuntergang zu verbreiten. Und auch heute wird eine vermeintliche Bombendrohung schneller geteilt als andere News.

Profit durch Fake-News

Außerdem gibt es wirtschaftliche Gründe für die Verbreitung von Fake-News. Social Media Portale und Webseiten, die von Quote und Werbung leben, müssen ständig Reichweite erzeugen. Je mehr Leute eine Meldung sehen, desto profitabler ist diese. Da Falschmeldungen eben schneller zirkulieren, lohnt es sich auch finanziell, Fake-News zu verbreiten.

Social Media Plattformen könnten gegensteuern

Dagegen anzusteuern, ist kein leichtes Unterfangen. Ein denkbarer Ansatz wäre es aber, dass Social Media-Plattformen wie Facebook und Twitter in die Pflicht genommen werden. So könnte z.B. durch die Algorithmen die Reichweiten von Seiten reduziert werden, die häufig Falschmeldungen verbreiten.

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Dale Spender war eine australische Autorin, Wissenschaftlerin und Feministin, die sich mit der Macht von Sprache beschäftigte. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch „Man Made Language“, in dem sie zeigte, dass Sprache nicht neutral ist, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse mitprägt. Sie fragte danach, wessen Stimmen gehört werden – und wessen Erfahrungen in Geschichte, Literatur und Wissenschaft fehlen. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit bestand deshalb darin, vergessene Autorinnen und Denkerinnen wieder sichtbar zu machen. Damit hat Spender eine Debatte angestoßen, die bis heute aktuell ist: darüber, wie Sprache bestimmt, wer gesehen, erinnert und ernst genommen wird. Zitat: Der Feminismus hat keine Kriege geführt, keine Gegner getötet und keine Grausamkeiten begangen. Seine Kämpfe galten der Bildung, dem Wahlrecht, besseren Arbeitsbedingungen, sozialer Absicherung und Reformen im Recht. Wenn jemand sagt: "Oh, ich bin kein Feminist." Dann frage ich nur: Warum? Dale Spender

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