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20 statt 14.000 (!) Dollar: Revolutionäres HIV-Medikament ab 2027 als günstiges Präparat verfügbar

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Wissenschaftlerin schaut in Mikroskop (Foto: Unsplash/Getty Images)

Karina Stuhlpfarrer Karina Stuhlpfarrer
in Gesundheit, Good News
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10. Dezember 2025
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Ein neues Medikament könnte den Kampf gegen HIV revolutionieren: Studien zeigen eine fast vollständige Schutzwirkung. Doch ausgerechnet der hohe Preis der Spritze drohte, ihren Einsatz zu bremsen. Der Pharmakonzern, der das Medikament entwickelt hat, verlangte 14.000 Dollar pro Dosis. Die Gesundheitsinitiative „Unitaid“ hat nun aber angekündigt, ein Generikum, also eine günstige Variante des Medikaments, ab 2027 zur Verfügung zu stellen. Es soll nur 20 Euro pro Dosis kosten. Eine weitere Besonderheit: „Unitaid“ finanziert sich über Solidarabgaben auf Flugtickets, die einige Länder einheben. Wer Flugtickets gekauft hat, hat also über Umwege ein lebenswichtiges HIV-Medikament zugänglich gemacht.

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Etwa 40 Millionen Menschen sind weltweit an HIV erkrankt – rund 9.000 davon leben in Österreich. An den Folgen einer Infektion sterben weltweit jedes Jahr noch über 600.000 Personen. Ein neues Medikament namens Lenacapavir könnte jetzt aber dafür sorgen, dass HIV-Infektionen der Vergangenheit angehören.

Zwei große Studien zeigten, dass das Medikament nahezu alle HIV-Infektionen verhindern kann. Das Risiko einer HIV-Übertragung reduziert sich nachweislich um mehr als 99,9 Prozent.

Anders als bisher muss Lenacapavir nur zweimal im Jahr verabreicht werden. Denn bei den bislang verfügbaren Medikamenten gibt es einen entscheidenden Nachteil: Man muss sie deutlich häufiger einnehmen. Die in Europa zugelassenen PrEP-Mittel wie Truvada entfalten ihre optimale Schutzwirkung nur dann, wenn man sie konsequent täglich zur gleichen Uhrzeit nimmt, sie nie vergisst und sie nicht durch Erbrechen oder Durchfall ausscheidet, bevor der Wirkstoff vollständig aufgenommen werden kann. Seit April 2024 steht diese Behandlung jeder HIV-infizierten Person in Österreich kostenlos zur Verfügung. 

14.000 Dollar pro Dosis: Zukunft des Medikaments ungewiss

Ob Lenacapavir aber in heimischen Apothekenregalen landen wird, hängt noch von der Kostenfrage ab: In den USA, wo die Spritzen bereits als Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) zugelassen sind, verlangt der Pharmakonzern Gilead 28.000 US-Dollar pro Jahr (also 14.000 Dollar pro Dosis). Das sind umgerechnet 24.000 Euro (12.000 Euro pro Dosis). Zum Vergleich: Andere HIV-Vorbeuge-Medikamente kosten im Schnitt 50-60 Euro im Monat, also etwa 600-700 Euro im Jahr. 

Der Pharmakonzern Gilead rechtfertigt die hohen Kosten mit langen Forschungszeiten. Fachleute widersprechen jedoch und sagen, dass das Medikament viel günstiger produziert werden kann. Laut Berechnungen des Pharmakologen Andrew Hill dürfe der Preis selbst bei einer Gewinnmarge von 30 Prozent nur bei etwa 40 Dollar pro Jahr liegen.

„Für Europa laufen noch die Preisverhandlungen, aber wir werden sehen, ob der Wirkstoff den Weg in die Praxis findet oder es doch am Preis scheitert“, sagt Mirijam Hall, Vorsitzende der Aids Hilfe Wien gegenüber dem ORF. 

Doch die Kosten stellen nicht nur hierzulande eine Hürde dar. Besonders in Regionen der Welt, in denen die finanziellen Mittel für Gesundheitsversorgung ohnehin begrenzt sind, wäre die neue Vorsorge-Spritze von großem Nutzen. In Ländern des Globalen Südens oder in Krisen- und Kriegsgebieten ist es schwierig, eine verlässliche Versorgung mit täglich einzunehmenden Tabletten sicherzustellen. „Für solche Regionen wäre natürlich ein Medikament, das man nur zweimal im Jahr nehmen muss, super. Man könnte eine Abgabe an die Bevölkerung sicherstellen, ohne dass es ein täglicher Kampf um die Medikamentenversorgung ist“, sagt Hall.

Kaptstadt in Südafrika (Foto: Unsplash/sebastian canaves)
Vor allem in Ländern des globalen Südens, wie zum Beispiel Südafrika, in denen eine zuverlässige Versorgung oft schwer ist, könnte Lenacapavir einen echten Meilenstein darstellen. (Foto: Unsplash/sebastian canaves)

Dank Solidarabgabe auf Flugreisen könnte das Medikament für viele leistbar werden

Doch es gibt Hoffnung: Im September 2025 kündigte Unitaid – eine globale Gesundheitsinitiative – gemeinsam mit der Gates Foundation an, dieses Medikament als Generikum um etwa 20 Dollar pro Dosis zur Verfügung zu stellen. Ab 2027 soll es in 120 Ländern erhältlich sein.

„Wissenschaftliche Fortschritte wie Lenacapavir können uns helfen, die HIV-Epidemie zu beenden, wenn sie denjenigen zugänglich gemacht werden, die am meisten davon profitieren können“, sagte Trevor Mundel, Leiter der Abteilung für globale Gesundheit bei der Gates-Stiftung, in einer Erklärung.

Das Geld für die Initiative kommt unter anderem von einer Solidarabgabe auf Flugtickets. Denn Unitaid finanziert sich seit seiner Gründung 2006 zu zwei Dritteln aus diesen Solidaritätsabgaben, die Frankreich als erstes Land eingeführt hat. 2025 startete eine neue Koalition aus acht Ländern (Frankreich, Kenia, Barbados, Spanien, Somalia, Benin, Sierra Leone und Antigua und Barbuda), die künftig eine Solidaritätsabgabe auf Premium-Flüge einheben wollen.

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