Nach der US-Militäraktion gegen Venezuela machte US-Präsident Donald Trump deutlich, dass er weitere Länder ins Visier nimmt. Neben Drohungen gegen Kolumbien, Kuba und Mexiko verkündete er, die Vereinigten Staaten müssten auch Grönland kontrollieren. Für die „nationale Sicherheit“. Schon seit Trumps erster Amtszeit investieren einige der reichsten Menschen der Welt, darunter Ronald Lauder, Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg, gezielt in Projekte auf der Insel. Das wirft einige Fragen auf.
Nach Angaben von John Bolton, Trumps damaligem nationalem Sicherheitsberater und heutigen Kritiker, kam die Idee eines Grönland-Kaufs erstmals Ende 2018 auf. Auslöser sei nicht ein internes Strategiepapier gewesen, sondern der Hinweis des Unternehmers Ronald Lauder, Erbe des Estée-Lauder-Vermögens. Lauder gilt seit Jahren als wichtiger Geldgeber konservativer Politik in den USA und engagierte sich auch finanziell für Trumps politische Kampagnen.
Lauder beließ es nicht bei internen Gesprächen. Er machte sein Interesse an Grönland öffentlich und warb in einem Meinungsbeitrag in der New York Post für einen stärkeren Einfluss der USA auf die Insel. Und er begann zu investieren. Nach Recherchen der dänischen Zeitung Politiken beteiligte sich Lauder an einem grönländischen Unternehmen zur Abfüllung von Süßwasser, obwohl dieses wirtschaftlich als wenig erfolgreich gilt. Brisant dabei ist die personelle Nähe: Miteigentümer ist Jørgen Wæver Johansen, lokaler Vorsitzender der Regierungspartei Siumut in der Hauptstadt Nuuk und Ehemann von Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt. Damit kommen Fragen nach möglichen Interessenkonflikten auf.
Bezos, Gates, Bloomberg, Altman: Milliardäre lassen nach Rohstoffen suchen
Andere Milliardäre richteten ihren Blick auf die Bodenschätze Grönlands. Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg investierten ab 2019 in das Start-up KoBold Metals. Das Unternehmen sucht auf der Insel nach kritischen Rohstoffen für Elektronik und Batterietechnik und setzt dabei auf KI-gestützte Exploration.
Die Einstiege erfolgten, nachdem Trump öffentlich über einen möglichen „Kauf“ Grönlands gesprochen hatte. Die Investitionen liefen über Breakthrough Energy Ventures, das Gates mitgegründet hat. Breakthrough Energy beteiligte sich auch an einer späteren Finanzierungsrunde im Dezember 2024, bei der KoBold Metals frisches Kapital erhielt und mit knapp drei Milliarden Dollar bewertet wurde.
2022 kam ein weiterer prominenter Investor hinzu. Sam Altman beteiligte sich über seinen Venture-Fonds Apollo Projects an einer Finanzierungsrunde. Keiner der beteiligten Milliardäre äußerte sich öffentlich zu den Zusammenhängen.
Pläne für eine „Freedom City“: Eine Sonderzone ohne staatliche Regeln
Neben Rohstoffen kursiert eine zweite Idee, die politisch noch weiter reicht. Nach Recherchen von Reuters diskutieren Investoren aus dem Umfeld des Silicon Valley, Grönland als Standort für eine sogenannte „Freedom City“ zu nutzen. Gemeint ist eine weitgehend deregulierte Modellstadt, die zentrale staatliche Zuständigkeiten aushebelt und politische Kontrolle durch demokratische Institutionen stark begrenzt. Die Gespräche befinden sich laut Reuters noch in einem frühen Stadium, werden in Trumps Umfeld aber ernst genommen.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei Ken Howery, Trumps Botschafter in Dänemark, der seit November 2025 im Amt ist. Howery war Mitgründer der von Peter Thiel aufgebauten Investmentfirma Founders Fund und gilt als enger Freund von Elon Musk. Thiel unterstützte laut Forbes Anfang 2021 das Start-up „Praxis“, das den Aufbau einer weitgehend deregulierten Modellstadt anstrebt und dafür auch Grönland als möglichen Standort prüfte.
Die diskutierten Konzepte reichen von KI-Zentren über autonome Fahrzeuge bis zu neuer Infrastruktur. Sie knüpfen an libertäre Vorstellungen sogenannter „Freedom Cities“ an, die international auch als Charter Cities bezeichnet werden. Donald Trump hatte die Schaffung solcher Städte bereits im Wahlkampf angekündigt.
Provokationen aus dem Weißen Haus
Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela erklärte Präsident Donald Trump, die Vereinigten Staaten „brauchen Grönland“ aus Gründen der nationalen Sicherheit. Zur Begründung führte er an, Washington müsse verhindern, dass Russland oder China ihren Einfluss in der Arktis ausweiten. Beobachter verweisen jedoch darauf, dass für eine akute Verschiebung der Machtverhältnisse rund um Grönland öffentlich keine belastbaren Belege vorliegen und werten die Argumentation daher vor allem als strategische Rahmung für eigene geopolitische Ambitionen der USA.
Zusätzliche Irritationen löste ein Post aus Trumps Umfeld aus. Katie Miller, die Ehefrau des stellvertretenden Stabschefs im Weißen Haus Stephen Miller, teilte auf X eine Grönlandkarte in US-Flaggenfarben und schrieb dazu „SOON“ (bald).
SOON pic.twitter.com/XU6VmZxph3
— Katie Miller (@KatieMiller) January 3, 2026
Parallel dazu wurden Berichte bekannt, wonach die US-Regierung erneut einen Kauf Grönlands prüft. Einem Reuters-Bericht zufolge wurde intern auch diskutiert, jedem der rund 57.000 Einwohner einmalige Zahlungen zwischen 10.000 und 100.000 US-Dollar anzubieten, um Zustimmung für einen solchen Schritt zu gewinnen. Offiziell bestätigt wurde das Vorhaben nicht.
Elon Musk hatte sich bereits im vergangenen Jahr zu dem Thema geäußert. 2025 schrieb er auf X, die Menschen Grönlands seien in den Vereinigten Staaten willkommen, sollten sie sich für einen Anschluss entscheiden.
Die Regierung Grönlands wies die jüngsten Äußerungen und Spekulationen aus Washington entschieden zurück. In einer Stellungnahme machte sie deutlich, dass weder ein Verkauf der Insel noch ein Anschluss an die USA zur Debatte stehe. Auch aus Kopenhagen kam eine klare Reaktion: Die dänische Regierung betonte, dass Grönland kein Objekt geopolitischer Verhandlungen sei. Unterstützung erhielt diese Position auch aus Europa. Mehrere EU-Staaten unterstrichen die Souveränität Grönlands und verwiesen darauf, dass über die Zukunft der Insel ausschließlich die grönländische Bevölkerung selbst entscheiden soll. Umfragen zeigen eine klare Mehrheit gegen einen Anschluss an die USA.
Wachsende US-Präsenz in Grönland
Kritik kommt auch aus der Fachwelt. Der Arktis-Experte Marc Jacobsen vom Royal Danish Defence College hält Lauders Engagement in der grönländischen Süßwasserabfüllung für wirtschaftlich kaum relevant. Ausschlaggebend sei weniger das Geschäftsmodell als das institutionelle Umfeld, in dem solche Beteiligungen angesiedelt seien. Problematisch werde es dort, wo wirtschaftliche Interessen mit unmittelbarem Zugang zur politischen Spitze zusammenfielen – etwa wenn Investorenstrukturen bis in das engste Umfeld der Regierung hineinreichen. In diesem Licht erscheine auch die wachsende US-Präsenz in Grönland, etwa durch neue Direktflüge nach Nuuk, weniger als reine Tourismusentwicklung, sondern als Teil eines schwer trennbaren Geflechts aus Einflussnahme, politischer Nähe und strategischem Interesse.
Trumps Griff nach Grönland erscheint damit weniger als spontane Obsession. Hinter der politischen Zuspitzung stehen Akteure mit klaren Interessen: Zugang zu Rohstoffen, geopolitischer Einfluss und Experimente mit neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodellen.
Von Peter Thiel bis Sebastian Kurz: Das Polit-Netzwerk aus Tech, Geld und Überwachungsstaat


































