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Wie arme Menschen die Pension der Wohlhabenden finanzieren

Wie arme Menschen die Pension der Wohlhabenden finanzieren

Kathrin Glösel Kathrin Glösel
in Gesundheit, Verteilungsgerechtigkeit
Lesezeit:3 Minuten
12. April 2017
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Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt: Wer von Armut betroffen oder bedroht ist, stirbt bis zu zehn Jahre früher als wohlhabende Menschen. Das heißt auch: Menschen mit wenig Einkommen, die ihr Leben lang Pensionsbeiträge zahlen, finanzieren im Grunde die Pension der Wohlhabenden, die länger leben.

Das Robert Koch Institut hat untersucht, wie groß der Unterschied in der Lebenserwartung von Männern und Frauen ist, wenn sie an bzw. unterhalb der Armutsgrenze leben. Das Ergebnis: Arme Männer haben eine Lebenserwartung von 70,1 Jahren, wohlhabende Männer von 80,9 Jahren. Bei Frauen liegen die Zahlen bei 76,9 Jahren und 85,3 Jahren. Das ergibt eine Differenz in der Lebenserwartung von etwa 10 Jahren.

Die Situation wird sich noch weiter verschärfen, wenn nicht gegengesteuert wird, so Prof. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes:

„Die Lebenserwartung steigt für die wohlhabenden Menschen in jedem Jahr stärker als für die ärmeren Menschen und deshalb vergrößert sich der Abstand.“

Vor allem bei chronischen Erkrankungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen ist das Risiko, darunter zu leiden, „zwei bis drei Mal höher bei Personen, die von Armut betroffen sind“, erklärt Dr. Thomas Lampert vom Robert Koch Institut. Gründe für die eklatanten Unterschiede in der Lebenserwartung sind psychischer Stress durch Existenzängste, schlechte Arbeitsbedingungen und eingeschränkte Teilhabe an der Gesellschaft.

Ob wir gesund sind, hängt wesentlich davon ab, ob wir uns wertgeschätzt fühlen und selbstbestimmt arbeiten können, ob wir zufrieden sind und optimistisch in die Zukunft blicken. Wenn wir uns jeden Tag fürchten müssen, wie es morgen weitergeht, sind wir anfälliger für Herzbeschwerden, Infektionen und altern auch schneller.

Zusammenhang zwischen Einkommen und Gesundheit auch in Österreich

Auch in Österreich führen sich Personen mit wenig Einkommen weniger gesund, wie eine Studie der Statistik Austria im Auftrag des Gesundheitsministeriums zeigt. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen und Männer in der höchsten Einkommensstufe ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut einstufen, drei Mal höher als bei Frauen und Männern mit niedrigen Einkommen. Arme Personen leiden auch viel häufiger an chronischen Krankheiten.

Ziel muss sein, Ungleichheit zu bekämpfen

Diese Situation ist nicht nur für die einzelnen Betroffenen schwer erträglich, sie ist auch gesamtpolitisch ungerecht, wie Prof. Rosenbrock aufzeigt:

„Die armen Menschen, die ihr Leben lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt haben und dann im Durchschnitt vielleicht noch vier oder fünf Jahre die Rente genießen können, finanzieren im Grunde genommen die Rente der Wohlhabenderen, länger Lebenden mit.“

Gesundheitliche Probleme und Risikofaktoren auf individuelle Verhaltensmuster zu reduzieren, ist zu wenig. Sichere Arbeitsplätze, faire Löhne, sich erholen können und die Freizeit genießen, sind äußerst wichtige Faktoren für die Gesundheitsvorsorge. Das stärkt die Zufriedenheit, das Wohlbefinden und erhöht so unsere Lebenserwartung.

Zum Weiterlesen

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2017/Lebenserwartung-Wer-wenig-hat-ist-frueher-tot,armreich106.html

https://kontrast.at/wie-wir-alle-laenger-leben-koennten/

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Herrmann
Herrmann
5. April 2018 17:22

Das ist für Österreich FALSCH !!

https://www.trend.at/politik/oesterreich/pensionssystem-generationen-6110606

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David Müller
David Müller
7. Juni 2017 14:26

Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Neulich habe ich mich mit einem Kollegen darüber unterhalten, dass die armen Menschen die Pension der wohlhabenden finanzieren und wieso dies der Fall ist. Wir konnten es uns leider nicht erklären, daher wollte ich mich im Internet erkundigen. Glücklicherweise bin ich auf diesen Artikel gestoßen.

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Gerhard Gillhofer
Gerhard Gillhofer
13. April 2017 15:30

Der Zusammenhang von Einkommen und Lebenserwartung ist unbestritten. Ergänzend wäre jedoch eine Betrachtung der Auswirkung(en) des Bildungsgrades auf Einkommen UND Lebenserwartung interessant. Ich denke, dass eine Verringerung der Einkommensunterschiede allein noch nicht zielführend wäre. Vielmehr ist eine Verbesserung der Bildungschancen für möglichst breite Bevölkerungsschichten anzustreben.

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Patricia Huber
Patricia Huber
Reply to  Gerhard Gillhofer
17. April 2017 20:56

Es stimmt wohl beides, mehr Bildung hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit: https://kontrast.at/wie-wir-alle-laenger-leben-koennten/ Gleichzeitig ist aber gerade die Einkommensverteilung in einer Gesellschaft entscheidend darüber, wie gesund die Menschen sind. Ungleichheit führt immer zu Misstrauen, Angst, Missgunst und Stress – weil der soziale Abstieg droht usw. Da gibt es hervorragende Studien von Wilkinson und Picket dazu, etwa hier zusammengefasst: https://kontrast.at/von-gesundheit-bis-freundschaft-wie-finanzielle-ungleichheit-unser-aller-glueck-zerstoert/

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Berta Cáceres war eine honduranische Umweltaktivistin und Vertreterin der indigenen Lenca. Sie kämpfte für den Schutz der Umwelt und die Rechte der indigenen Bevölkerung, besonders gegen große Infrastrukturprojekte wie den Agua Zarca Staudamm, der die Lebensgrundlage ihrer Gemeinschaft bedrohte. Cáceres wurde 2015 mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet – ein Zeichen für ihr großes Engagement. Sie wurde am Morgen des 3. März 2016 in ihrem Haus von mehreren Bewaffneten ermordet. Zitat: Wir haben keinen Ersatzplaneten. Wir haben nur diesen und wir müssen jetzt handeln. Berta Cáceres

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