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53 Prozent mehr Pflanzengifte: Köstinger verheimlicht Daten zu Pestiziden

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53 Prozent mehr Pflanzengifte: Köstinger verheimlicht Daten zu Pestiziden

Marco Pühringer Marco Pühringer
in Gesundheit, Umwelt & Klima
Lesezeit:2 Minuten
20. Juli 2020
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Von 2011 bis 2018 hat sich der Pestizid-Verbrauch in Österreich um 53 Prozent gesteigert – auf 5,3 Millionen Kilogramm. Dass Pflanzengifte in diesem Ausmaß auf unsere Felder gesprüht werden, wissen wir aber nicht aus dem Landwirtschaftsministerium, sondern von Eurostat. Denn Landwirtschaftsministerin Köstinger verheimlicht die offiziellen Zahlen. Der Einsatz von Pestiziden und Stickstoffdüngern wird indes immer mehr zum Problem. 10 Prozent der privaten Brunnen wurden deswegen ungenießbar.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger will nicht, dass Daten über den Pestizid-Einsatz in Österreichs Landwirtschaft öffentlich werden. Obwohl das Landwirtschaftsministerium jedes Jahr erheben lässt, welche Pestizide von welchen Herstellern und in welchen Umfang auf Österreichs Äckern landen, wird die Bevölkerung nicht informiert. Die Daten werden weder an Wissenschaftler, das Parlament oder Medien weitergegeben. Die Informationen werden nur gesammelt, weil sie an die EU berichtet werden müssen. Die SPÖ fordert nun die Offenlegung dieser Daten.

53 Prozent mehr Pestizide

Eine Studie von Eurostat zeigt jetzt, was Köstinger nicht öffentlich machen will: In Österreich ist von 2011 auf 2018 der Pestizid-Verbrauch um 53 Prozent gestiegen. In den meisten anderen europäischen Ländern blieb er in etwa gleich – nur in Zypern hat sich der Wert noch stärker erhöht. Andere Länder konnten den Einsatz von Pflanzengiften hingegen deutlich senken. Die größten Rückgänge meldeten Portugal (minus 43 Prozent), Irland (minus 28 Prozent) und Tschechien (minus 27 Prozent) an das Statistikamt.

In Österreich ist es ein Staatsgeheimnis, welche Gifte in unserer Umwelt landen

Österreich ist aber nicht nur beim Pestizid-Einsatz ein negatives Beispiel – auch bei der Transparenz hinken wir hinterher. In Schweden veröffentlicht seit 1979 die staatliche Chemikalien-Agentur (KEMI) jedes Jahr die Menge der in Schweden verkauften Pflanzengifte inklusive deren Wirkstoffe. Das will die SPÖ nun auch für Österreich, denn gerade bei der Art der versprühten Wirkstoffe ist Transparenz wichtig. Viele Wirkstoffe schaden unserer Umwelt und erhöhen unser Krankheitsrisiko, etwa für Krebs. Das  schwarze Landwirtschaftsministerium stemmt sich aber schon seit Jahrzehnten gegen Transparenz in diesem Bereich und beruft sich auf das zu schützende Betriebsgeheimnis der Chemie-Konzerne. Doch der Europäische Gerichtshof hat in einem ähnlichen Fall schon entschieden:

Das öffentliche Interesse daran, welche Umweltgifte versprüht werden, wiegt schwerer als das Interesse eines Unternehmens, die Inhaltsstoffe zu verschweigen.

10 Prozent unserer Brunnen sind wegen industrieller Landwirtschaft nicht mehr genießbar

Schließlich landen die Pestizide auf unseren Lebensmitteln, in unserer Luft und auch in unserem Wasser. Die Wasserqualität leidet auch generell an der intensiven Landwirtschaft. Durch den Einsatz von Pflanzengiften und Stickstoff-Dünger ist das Wasser aus vielen Brunnen nicht mehr genießbar. Häufig ist Grundwasser mit Pestiziden und Nitrat verunreinigt und kritische Grenzwerte werden überschritten. So muss das Landwirtschaftsministerium im jährlich erscheinenden „Grünen Bericht“ einräumen, dass bei rund 10 Prozent aller getesteten Poren-Grundgewässer Schwellenwerte überschritten wurden.

Das trifft vor allem Menschen, die ihr Wasser aus Hausbrunnen beziehen. Eine Studie der AK OÖ zeigt: Von 1.572 untersuchten Wasserproben weisen 115 Proben Nitrat-Werte über dem zulässigen Höchstwert von 50 Milligramm pro Liter (mg/I) auf, 13 davon lagen sogar über 100 mg/I – der Spitzenwert betrug 211 mg/l. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt etwa für die Zubereitung von Babynahrung möglichst den Grenzwert von 10 mg/l nicht zu überschreiten. Seit dem Jahr 2011 ist bei einem Viertel der Messstellen eine steigende Nitratbelastung zu beobachten.

Das hat Folgen: Hohe Nitratkonzentrationen im Wasser erhöht das Darmkrebsrisiko. Außerdem kann Nitrat im Blut zu Nitrit umgewandelt werden und damit den Sauerstoffgehalt im Blut beeinträchtigen – was zu Blausucht führt.

Parlament Das Thema "Pestizide" im Parlament

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