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Propaganda aus Aleppo – Wie die Dschihadisten unsere Nachrichten kontrollieren

Propaganda aus Aleppo – Wie die Dschihadisten unsere Nachrichten kontrollieren

Foto: Flickr/Michał Unolt (CC BY-NC 2.0)

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Internationales
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9. Januar 2017
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Was in den letzten Monaten aus Aleppo in die westlichen Medien gelangt ist, wird die Berichterstattung über Konflikte weltweit verändern – und zwar nicht zum Positiven. Der britische Journalist und Nahost-Experte Patrick Cockburn warnt davor, Informationen als authentisch und objektiv darzustellen, die aus von Dschihadisten kontrollierten Gebieten stammen. Alles, was aus diesen Gebieten nach außen dringt, unterliegt der strengen und brutalen Kontrolle dschihadistischer Gruppen. Medien, die das nicht reflektieren, machen sich zum Spielball in einem Propagandakrieg, so Cockburn im Independent.

Die letzten unabhängigen Nachrichten aus Aleppo haben uns in den Jahren 2011 und 2012 erreicht. Damals haben noch unabhängige Oppositionsaktivisten aus dem Land berichtet, wie der Nahost-Experte Cockburn schildert. Nachdem aber die Dschihadisten innerhalb der Opposition die Macht übernommen hatten, wurden diese Aktivisten zum Schweigen gebracht: Sie mussten ihre Arbeit einstellen, ins Ausland fliehen oder wurden ermordet.

Journalistenentführungen und Informationsvakuum

Auch für ausländische JournalistInnen ist es immer schwieriger geworden, aus Syrien zu berichten. Die dschihadistischen Machthaber ließen JournalistInnen in Ost-Aleppo schlicht nicht arbeiten. Ständig waren sie mit der Gefahr konfrontiert, entführt oder ermordet zu werden. Ersetzt wurden sie von Nachrichtenquellen in Form parteiischer „lokaler AktivistInnen“ – die natürlich unter der Kontrolle der dschihadistischen Gruppen standen.

Ist es aus Naivität oder aus Eigeninteresse – die internationalen Medien beziehen seither ihre Informationen von Gruppen, denen Jabhat al Nusra (Al-Qaida-Zweig in Syrien, seit Juli 2016 formal unabhängig) oder Ahar al-Sham erlauben, zu berichten. Diese Entwicklung wird über Syrien hinaus die Berichterstattung über Konflikte verändern. Denn es hat – erfolgreich – Schule gemacht, ausländische JournalistInnen davon abzuhalten, unabhängig zu berichten.

Die Morde und Entführungen schaffen zunächst ein Informationsvakuum. Und dieses wird dann mit Berichten höriger und kontrollierbarer InformantInnen (in diesem Fall der dschihadistischen Herrscher Ost-Aleppos) gefüllt.

So erweist es sich für die Dschihadisten als strategisch kluger Schachzug, Journalisten zu entführen und zu töten: Es ermöglicht ihnen, die Nachrichten zu kontrollieren, die die Außenwelt erreichen.

Für unabhängige JournalistInnen ist das eine sehr schlechte Nachricht: Sobald sie diese Gebiete auch nur betreten, bedrohen sie dieses Informationsmonopol und setzen ihr Leben aufs Spiel.

Vollkommene Kontrolle der Bevölkerung

Aber auch für die Bevölkerung vor Ort sind die Gefahren hoch, wie Cockburn schreibt. Deutlich wird dies anhand eines Berichts von Amnesty International, der im Juli diesen Jahres unter dem Titel „Folter war meine Strafe“ veröffentlicht worden war.  Philip Luther, Direktor des „Middle East and North Africa”- Programms von Amnesty International hielt fest: ZivilistInnen leben in vielen Gebieten „in ständiger Furcht vor Entführung, wenn sie das Verhalten der regierenden bewaffneten Gruppen kritisieren oder den strengen Regeln nicht folgen, die ihnen auferlegt wurden“.

Dem  Bericht zufolge werden explizit unabhängige Journalisten verfolgt. In Bezug auf die Dschihadistengruppe Jabhat al-Nusra (die sich in Jabhat al-Sham umbenannte und zuvor der syrische Zweig von Al-Qaida war) spricht etwa ein 24-jähriger Medienaktivist namens Issa:

„Sie haben die Kontrolle darüber, was wir sagen und was wir nicht sagen dürfen. Entweder du stimmst mit ihren Regeln und Richtlinien überein oder du verschwindest.“

Übergewicht der Propaganda

Internationale Medien übertrugen (kurz vor dem Fall Ost-Aleppos, Anm.) authentisch wirkende Videos und Skype-Interviews aus Ost-Aleppo. Die Videos waren mit ziemlicher Sicherheit nicht gefälscht – sehr wohl aber wurden große Teile der Wahrheit ausgelassen bzw. verschwiegen. So gab es etwa kein Anzeichen der 8.000 bis 10.000 bewaffneten Kämpfer, die sich nach UN-Schätzungen in Ost-Aleppo befanden. Tatsächlich kann ich mich nicht daran erinnern, in all den Aufnahmen je irgendjemanden mit einer Waffe gesehen zu haben. Die einzigen in Erscheinung tretenden EinwohnerInnen Aleppos waren unbewaffnete ZivilistInnen.

Es wäre naiv zu glauben, dass diese professionelle PR für die syrische bewaffnete Opposition deren alleiniges Werk ist. Ausländische Regierungen spielen eine wichtige Rolle bei der Finanzierung und Ausbildung von Oppositionsmedien und ihren Strategen. So erzählte mir in Beirut ein Journalist halbsyrischer Abstammung, dass ihm 17.000 $ pro Monat dafür angeboten worden waren, für ein solches PR-Projekt der Opposition zu arbeiten. Unterstützt wurde es von der britischen Regierung.

Dieses Übergewicht der Propaganda gegenüber Nachrichten in der Kriegsberichterstattung zu Syrien hat viele negative Folgen. In Syrien findet ein echter Bürgerkrieg statt. Der exklusive Fokus auf die schrecklichen Gräueltaten der syrischen Streitkräfte an einer unbewaffneten Zivilbevölkerung zeichnet jedoch ein schiefes Bild. Die beschriebenen Gräueltaten sind oft wahr: Laut UNO wurden im letzten Monat 82 ZivilistInnen in Ost-Aleppo exekutiert. So schlimm das auch ist, aber die medialen Vergleiche mit dem Völkermord in Ruanda von 1994 oder dem Massaker von Srebrenica im Jahr darauf sind schlicht übertrieben.

Es ist nicht überraschend, dass die syrische Opposition ihre Feinde verteufelt und negative Nachrichten über sich selbst verbirgt. Viel skandalöser ist die Art und Weise, wie sich die westliche Medienwelt in diesem wilden Konflikt für die Propaganda einer Seite instrumentalisieren lässt. Und zwar, indem sie die Berichte von InformantInnen, kontrolliert von dschihadistischen Bewegungen, die jedwede Kritik mit Folter oder Mord bestrafen, als authentische Information darstellt.

Durch das Wiederkäuen von Information aus derart zweifelhaften Quellen geben Medien Al-Qaida-artigen Gruppen jeden Anreiz, auch künftig JournalistInnen zu töten oder zu entführen, um ein Informationsvakuum zu schaffen, das sie selbst füllen.

 

Zum Originaltext Patrick Cockburn: There’s more propaganda than news coming out of Aleppo this week

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Jean-Paul Sartre war ein französischer Philosoph, Schriftsteller und einer der wichtigsten Vertreter des Existentialismus. Seine Idee: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt – und damit selbst verantwortlich für sein Leben. Bekannt wurde er durch Werke wie Das Sein und das Nichts und den Roman Der Ekel. 1964 erhielt er den Literaturnobelpreis, den er jedoch ablehnte. Sartre mischte sich auch aktiv in politische Debatten seiner Zeit ein. Er kritisierte Kolonialismus, Kapitalismus und politische Machtstrukturen – und stellte sich etwa im Algerienkrieg klar gegen die französische Regierung. Auch die 68er-Bewegung unterstützte er und prägte so eine Generation, die konservative Politik radikal hinterfragte. Zitat: Ich kann meine Freiheit nicht zum Ziel nehmen, wenn ich nicht zugleich die Freiheit der anderen zum Ziel nehme. Jean-Paul Sartre

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Jean-Paul Sartre war ein französischer Philosoph, Schriftsteller und einer der wichtigsten Vertreter des Existentialismus. Seine Idee: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt – und damit selbst verantwortlich für sein Leben. Bekannt wurde er durch Werke wie Das Sein und das Nichts und den Roman Der Ekel. 1964 erhielt er den Literaturnobelpreis, den er jedoch ablehnte. Sartre mischte sich auch aktiv in politische Debatten seiner Zeit ein. Er kritisierte Kolonialismus, Kapitalismus und politische Machtstrukturen – und stellte sich etwa im Algerienkrieg klar gegen die französische Regierung. Auch die 68er-Bewegung unterstützte er und prägte so eine Generation, die konservative Politik radikal hinterfragte. Zitat: Ich kann meine Freiheit nicht zum Ziel nehmen, wenn ich nicht zugleich die Freiheit der anderen zum Ziel nehme. Jean-Paul Sartre
Jean-Paul Sartre war ein französischer Philosoph, Schriftsteller und einer der wichtigsten Vertreter des Existentialismus. Seine Idee: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt – und damit selbst verantwortlich für sein Leben. Bekannt wurde er durch Werke wie Das Sein und das Nichts und den Roman Der Ekel. 1964 erhielt er den Literaturnobelpreis, den er jedoch ablehnte. Sartre mischte sich auch aktiv in politische Debatten seiner Zeit ein. Er kritisierte Kolonialismus, Kapitalismus und politische Machtstrukturen – und stellte sich etwa im Algerienkrieg klar gegen die französische Regierung. Auch die 68er-Bewegung unterstützte er und prägte so eine Generation, die konservative Politik radikal hinterfragte. Zitat: Ich kann meine Freiheit nicht zum Ziel nehmen, wenn ich nicht zugleich die Freiheit der anderen zum Ziel nehme. Jean-Paul Sartre

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