Die US-Regierung hat neue Ernährungsempfehlungen vorgestellt – mit einer überraschenden Priorität: Rotes Fleisch und tierische Produkte stehen nun ganz oben auf dem Speiseplan. Diese Ausrichtung steht im Widerspruch zu jahrzehntelanger ernährungswissenschaftlicher Forschung. Ein neu eingesetztes Beratungsgremium war maßgeblich an den Empfehlungen beteiligt – mehrere seiner Mitglieder haben enge Verbindungen zur Fleisch- und Milchindustrie.
Die US-Regierung propagiert neue Ernährungsempfehlungen. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. spricht von einem „Neustart der Ernährungspolitik“. Im Zentrum steht eine neue – alte – Grafik: Die Ernährungspyramide ist zurück. Doch die Trump-Regierung hat sie auf den Kopf gestellt – entgegen den Empfehlungen der Ernährungswissenschaft.
Denn als Basis der täglichen Ernährung bewirbt die US-Regierung nun Fleisch, Käse, Milchprodukte, Gemüse und Obst. Kennedy spricht davon, dass die US-Bürger:innen „echtes Essen“ brauchen, das den Körper nährt.

Abschied von „MyPlate“
In den USA gab es seit 2011 keine klassische Pyramide mehr. Damals wurde sie durch das Symbol „MyPlate“ ersetzt, eingeführt unter der First Lady Michelle Obama. Diese setzte auf vier Komponenten (Obst, Gemüse, Getreide, Protein), an denen man sich bei Mahlzeiten orientieren sollte. Jetzt ist dieses Teller-Modell Geschichte. Die neue Pyramide soll laut Regierung einfacher erklären, was gesund ist und was nicht.
Neue US-Ernährungspyramide empfiehlt deutlich mehr rotes Fleisch
Besonders umstritten ist die neue Rolle von Fleisch und gesättigten Fetten. Kennedy spricht vom „Ende des Kriegs gegen gesättigte Fette“. Protein und Fette sind laut US-Regierung jahrelang zu Unrecht schlecht gemacht worden.
Doch viele Expert:innen widersprechen der US-Regierung und sehen das kritisch. Christopher Gardner von der Stanford University warnt, die Betonung von rotem Fleisch widerspricht jahrzehntelanger Forschung. Laut Gardner sind pflanzliche Proteine vor rotem Fleisch zu bevorzugen. Zahlreiche großangelegte Studien zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen rotem Fleisch, Herzkrankheiten und einer höheren Sterblichkeitsrate. Das liegt an den gesättigten Fetten, die vor allem in tierischen Proteinen zu finden sind.
„Diese Empfehlungen bringen uns zurück in die 1950er Jahre, in denen alle sehr viel Fleisch- und Milchprodukte gegessen haben und sich nicht wirklich um Gemüse gekümmert haben und Herzkrankheiten weit verbreitet waren.“, kritisiert auch die NYU Professorin Emerita Dr. Marion Nestle.
Hülsenfrüchte und Vollkorn-Getreide fehlen fast komplett
Erst ganz unten in der Pyramide steht Getreide, Hülsenfrüchte kommen kaum vor. Viele Ernährungs-Studien empfehlen jedoch den Konsum genau dieser Lebensmittel. Vollkornprodukte, Obst und Hülsenfrüchte enthalten viele Ballaststoffe, die das Risiko für Herzkrankheiten senken.
Wer hat die neuen Empfehlungen erstellt? Das zuständige Gremium besteht großteils aus Vertretern der Fleisch- und Milchindustrie
Ein ursprüngliches Beratungsgremium aus 20 unabhängigen Ernährungsexpert:innen (The 2025 Dietary Guidelines Advisory Committee – DGAC) legte der US-Regierung eigentlich einen anderen Plan vor: mehr pflanzliche Proteine und weniger rotes Fleisch.
Doch die US-Regierung gründete einfach ein neues Gremium. Dieses besteht aus neun Mitgliedern – fünf von ihnen mit direkten Verbindungen zur Fleisch- und Milchindustrie. Dieses neue Gremium hat mehr als die Hälfte der Empfehlungen des alten Experten-Gremiums gestrichen.
@vegamonie Die US-Ernährungspyramide wurde umgedreht – und Empfehlungen für mehr pflanzliche Proteine einfach gestrichen. Zufall oder Lobbyarbeit? #vegamonie #vegan #ernaehrung #tierrechte #politik ♬ Originalton – Vegamonie | Alex & Bianca
Trump skeptisch gegenüber veganer und vegetarischer Ernährung
Trump sagte 2021, eine vegane Ernährung bringe die „Körperchemie durcheinander“ und schade dem Gehirn. Diese Haltung spiegelt sich nun auch im Regierungsprogramm wider: Wissenschaftliche Expert:innen werden an den Rand gedrängt, während persönliche Überzeugungen und enge Verbindungen zur Tierindustrie stärkeres Gewicht bekommen.



































