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Machtwechsel in Ungarn: Das plant Péter Magyar jetzt

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Viktor Orbán und Péter Magyar vor dem ungarischen Parlament. Fotocollage

Elias Winter Elias Winter
in Europa, Nachrichten
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12. April 2026
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Die ungarische Parlamentswahl 2026 hat zu einem politischen Machtwechsel geführt: Die liberalkonservative Partei „Respekt und Freiheit“ (TISZA) unter Peter Magyar hat Viktor Orbán nach 16 Jahren an der Spitze abgelöst. TISZA kommt auf 138 der 199 Sitze im Parlament und damit auf eine Zweidrittelmehrheit. Orbán räumte seine Niederlage noch am Wahlabend ein. Magyar kündigte unmittelbar danach einen politischen Kurswechsel an – weg von der autoritär geprägten Politik der vergangenen Jahre. Magyars Programm: Er ist für Vermögenssteuer und Investitionen ins Sozialsystem, hält aber an niedrigen Steuern für Unternehmen und der harten Asylpolitik fest.

Inhalt
1) Wer ist Péter Magyar? Vom Insider zum Staatsfeind Nr. 1
2) Péter Magyar plant keinen radikalen Umbau – er will Fehler im System reparieren
3) Wirtschaftspolitik wie unter Orbán mit einer Prise Umverteilung
4) EU-Gelder für Investitionen in den Sozialbereich: Gesundheit, Familien, Pensionen, Sozialbau
5) Weiter wie bisher bei Asylpolitik und Haltung zur Ukraine – Magyar als Light-Version von Orbán?

Wer ist Péter Magyar? Vom Insider zum Staatsfeind Nr. 1

Péter Magyar ist kein Unbekannter im ungarischen Machtapparat. Jahrelang bewegte er sich im innersten Zirkel der Regierungspartei Fidesz – unter anderem als Ehemann der damaligen Justizministerin Judit Varga.
Der Bruch kam 2024 im Zuge eines Pädophilie-Skandals: Die damalige Staatspräsidentin Katalin Novák und Justizministerin Varga mussten zurücktreten, nachdem bekannt wurde, dass ein Mann begnadigt worden war, der Kindesmissbrauch in einem staatlichen Heim vertuscht hatte. Die öffentliche Empörung war gewaltig.

Magyar nutzte den Moment: In einem Interview mit dem unabhängigen Sender Partizán packte er über Korruption, Machtmissbrauch und die staatliche Propagandamaschinerie aus. Das Video erreichte 3 Millionen Aufrufe – das ist fast ein Drittel der gesamten Bevölkerung. Über Nacht wurde der ehemalige Insider zur lautesten Stimme der Opposition. Da er für die EU-Wahl 2024 fristgerecht keine eigene Partei mehr gründen konnte, schloss er sich der Kleinpartei Tisza an und wurde zum Co-Vorsitzenden und Spitzenkandidaten ernannt. Er holte aus dem Stand fast 30 Prozent.

Tisza ist Teil der konservativen Fraktion im EU-Parlament, der auch die ÖVP angehört – und bis zu ihrem Ausschluss auch Orbáns Fidesz.

Entgegen vieler Prognosen konnte er den Schwung mitnehmen: Trotz massiver Kampagnen der Orbán-Medien liegt Tisza in allen unabhängigen Umfragen nun konstant voran.

Péter Magyar Wahl Ungarn
Péter Magyar eine Woche vor der EU-Wahl 2024. (Foto: Wikipedia/MrSilesian, CC0)

Péter Magyar plant keinen radikalen Umbau – er will Fehler im System reparieren

Sein Programm trägt den Titel „Grundlagen eines funktionierenden und menschlichen Ungarns“. Der Name zeigt schon, dass Magyar keine radikale Revolution plant, sondern eine „friedliche Systemwende“. Er verspricht, die Unabhängigkeit der Justiz wiederherzustellen und die Macht des Premierministers deutlich einzuschränken: Künftig soll dessen Amtszeit auf maximal zwei Legislaturperioden begrenzt sein.

Das größte Thema für Péter Magyar ist aber die Korruption. Der schlechte Zustand von Gesundheitssystem und Bildungssystem, die schlechte wirtschaftliche Entwicklung seit dem EU-Beitritt – all das führt er auf die Korruption zurück. Gerade EU-Gelder wurden immer wieder in die Taschen von Personen aus Orbáns Umfeld umgeleitet.

Für Andreas Schnedler von der Central European University ist Kleptokratie die treffendere Bezeichnung für das System Orbán:

„Korruption ist, wenn du etwas gibst und dafür illegalerweise was zurückbekommst. Die klauen sich einfach alles und geben nichts zurück.“

Zentrales Ziel ist es daher, das veruntreute Geld der Ära Orbán zurückzuholen. Dafür plant Magyar ein Amt einzurichten, mit dem das „Nationalvermögen dem Volk zurückgegeben wird.“

Viel zu reparieren gibt es auch in der ungarischen Medienlandschaft. 90 % der klassischen Medien sind unter der Kontrolle von Viktor Orbán. Unabhängigen Journalismus findet fast nur mehr im Internet statt – hier steht nur rund die Hälfte der Regierung nahe. Dennoch ist Magyars Plan für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk umstritten. Er will den Sendebetrieb nach einem Wahlsieg vorerst komplett aussetzen, um die jahrelange politische Einflussnahme zu beenden. Kritiker warnen, dass das „Abschalten“ von Medien ein gefährliches Vorbild für künftige Regierungen sein könnte.

Wirtschaftspolitik wie unter Orbán mit einer Prise Umverteilung

In der Wirtschaftspolitik wählt Magyar einen Weg, der progressive und neoliberale Elemente vereint. Einerseits fordert er eine Vermögenssteuer von einem Prozent für Vermögen über eine Milliarde Forint (ca. 2,6 Mio. Euro). Andererseits will er zentrale Säulen von Orbáns Wirtschaftssystem unangetastet lassen. So will er an der umstrittenen Flat-Tax (Einheitssteuer) festhalten: Die Einkommenssteuer soll bei 15 Prozent gedeckelt bleiben, genauso wie die Körperschaftssteuer bei nur 9 Prozent – das ist der niedrigste Wert in der gesamten EU.

Er verspricht zwar punktuelle Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen, hält aber gleichzeitig am Niedrigsteuer-Modell für Großkonzerne und Spitzenverdiener fest.

EU-Gelder für Investitionen in den Sozialbereich: Gesundheit, Familien, Pensionen, Sozialbau

Im Gesundheits- und Sozialbereich setzt der Tisza-Chef auf Investitionsprogramme. Gerade das marode Gesundheitssystem war im Wahlkampf Thema. Laut Berichten von Patient:innen fehlt es in den Krankenhäusern an grundlegenden Dingen wie Toilettenpapier und Seife. Hier soll nach der Wahl besonders stark investiert werden.

Auch Familien und Pensionist:innen will er deutlich stärker unterstützen: Magyar verspricht eine Verdoppelung des Kindergeldes sowie eine Koppelung der Pensionen an die Inflation und die Lohnentwicklung. Außerdem plant Tisza auch Staatsausgaben für den Bau von Sozialwohnungen.

Die Finanzierung dieser Vorhaben bleibt jedoch noch offen. Magyar verlässt sich darauf, dass nach der Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit die eingefrorenen EU-Milliarden wieder fließen. Zudem sollen konsequente Einsparungen durch den Stopp der Korruption genug Geld für seine Versprechen freimachen.

Ob diese Rechnung in der Praxis aufgeht, ist unklar. Expert:innen zweifeln daran, dass sich alle Wahlversprechen finanzieren lassen.

Weiter wie bisher bei Asylpolitik und Haltung zur Ukraine – Magyar als Light-Version von Orbán?

Magyars Strategie zielt darauf ab, enttäuschte Fidesz-Wähler abzuholen, ohne sie durch zu liberale Positionen zu verschrecken. Sein Motto:

„Wir werden alles beibehalten, was die Fidesz gut gemacht hat, alle schlechten Dinge abstellen und mehr gute Dinge tun.“

Das bedeutet auch: In der restriktiven Asylpolitik und in der kritischen Haltung gegenüber der Ukraine plant Magyar vorerst keine Abkehr von Orbáns harter Linie. Die Politikwissenschaftlerin Eszter Kovács bezeichnet diesen Ansatz als „technokratischen Populismus“ – man vertritt den angeblichen „Willen des Volkes“, und verweigert, sich in politische Schubladen stecken zu lassen. Ein Slogan der Partei lautet „Nicht links, nicht rechts, nur Ungarn“.

Magyars Programm ist also kein vollkommener Bruch mit der bisherigen Politik von Viktor Orbán. Andreas Schnedler von der Central European University sieht ihn „ohnehin auf einer politisch ähnlichen Linie wie Orban[…] – nur ein bisschen netter.“ Dennoch würde ein Sieg Magyars aus heutiger Sicht eine Liberalisierung Ungarns bedeuten – die auch wieder Räume für wirklich progressive Politik öffnen könnte.

„Magyar verspricht Orban-Regime mit menschlichem Antlitz“, Politologe Schedler zur Wahl in Ungarn

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3 Comments
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Bismarck
Bismarck
16. April 2026 00:07

Die Partei des ungarischen Wahl-sieger ist eine „liberalkonserva -tive“ schreiben Sie. Dann ist die öVP auch eine. So eine Neuigkeit ! Wir dachten, die Volkspartei ist eine rechtskonservative, die sich
in der Mitte glaubt.

1
0
Antworten
lichtenberg
lichtenberg
11. April 2026 18:15

Statt den Krisai Schwachsinn zu
multiplizieren, sollte Sie Petra Erler
Sozialdemikratin, zur Leyen – Union
hören ! Diese EU ist kaputt

2
-4
Antworten
lichtenberg
lichtenberg
11. April 2026 18:12

Die neue ungarische Opposition, von der Leyen Kommission herbei-
gesehnt, ist bei Webers cdU dabei.
Da stehen die Chancen für die So-zialdemokratie gut. hurra !

2
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Die Country- und Pop-Ikone Dolly Parton ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Neben ihrer Karriere als Sängerin ist sie auch für ihr soziales Engagement bekannt: Mit der Imagination Library hat sie ein weltweites Leseprojekt gegründet, das Kindern kostenlos Bücher zur Verfügung stellt. Außerdem unterstützte sie Bildungs- und Hilfsprojekte über die Dollywood Foundation und spendete Millionenbeträge in die medizinische Forschung. Ihrem 1980 verfassten Song „9 to 5“ – einem sozialkritischen Kommentar auf Arbeitswelt und Ungleichheit - entstammt dieses Zitat: “It’s a rich man’s game no matter what they call it, and you spend your life putting money in his wallet.” Zitat: Es ist ein Spiel der Reichen und egal wie sie es nennen, du verbringst dein Leben damit, Geld in ihre Taschen zu stecken. Dolly Parton

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Vermögenssteuer

Eine Vermögenssteuer im engeren Sinne bezeichnet im Normalfall eine jährliche Steuer, die auf das Nettovermögen (also minus Schulden) von Personen eingehoben wird. Sie wird ab einer bestimmten – meist sehr hohen – Freigrenze fällig. Das Vermögen kann sowohl finanzielle Vermögenswerte (wie Aktien und Anleihen) als auch nicht finanzielle Vermögenswerte (wie Wohneigentum) umfassen. Im weiteren Sinne versteht man unter Vermögenssteuern alle vermögensbezogenen Steuern. Sie sind demnach einmalige und wiederkehrende Steuern auf die Nutzung, das Eigentum oder die Übertragung von Vermögen. Dazu zählen etwa Steuern auf unbewegliches Vermögen oder Nettovermögen, Grundsteuer, Erbschafts- und Schenkungssteuern sowie Finanz- und Kapitaltransaktionssteuern. Der Wert wird meist in Prozent aller Steuereinnahmen oder am BIP bemessen.  

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EU-Wahl 2024

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Körperschaftssteuer

Wenn ein Unternehmen die Rechtsform GmbH oder AG hat, muss es die sogenannte Körperschaftssteuer zahlen. Diese beträgt 25 % vom Gewinn des Unternehmens. Meist haben größere Unternehmen solche Rechtsformen. Die Körperschaftssteuer ist sozusagen die Einkommenssteuer für Körperschaften – also Unternehmen.

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Rechtsstaatlichkeit

In einem Rechtsstaat darf der Staat nicht einfach tun, was er will. Behörden wie die Polizei oder das Finanzamt dürfen nur handeln, wenn es dafür eine gesetzliche Grundlage gibt. Auch Gerichte sind an die Verfassung und die Gesetze gebunden, entscheiden aber unabhängig. Das heißt, ihr Handeln ist durch Recht (geltende Gesetze) begrenzt.  Rechtsstaatlichkeit bedeutet auch: Der Staat muss Menschen nach sachlichen Regeln behandeln. Niemand darf willkürlich bevorzugt oder benachteiligt werden. Manche Grundrechte gelten für alle Menschen, andere Rechte – wie das Wahlrecht – nur für Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Der Staat darf Menschen nur dann unterschiedlich behandeln, wenn es dafür einen sachlichen Grund gibt. Verboten ist willkürliche oder diskriminierende Ungleichbehandlung. Zum Beispiel: Wenn dich die Polizei anhält, weil du bei Rot

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ÖVP

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist eine der traditionellen Großparteien Österreichs. Sie vertritt vor allem bürgerlich-konservative Werte. Traditionell gilt sie als Interessenvertreterin der Wirtschaft, der Bauern sowie der römisch-katholischen Kirche.

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