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Management schüchtert Beschäftigte ein, um Bahnstreik zu verhindern

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ÖBB Streik Bahnstreik

Bahn-Beschäftigte treten in den Streik (Foto: ÖBB)

Kathrin Glösel Kathrin Glösel
in Nachrichten
Lesezeit:3 Minuten
26. November 2018
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Österreich ist Bahnland Nummer 1, die Sozialpartner verhandeln derzeit Kollektivverträge für 40.000 Beschäftigte in 60 Bahn-Betrieben. Doch trotz boomender Bahnbranche und tausenden Überstunden bieten die Arbeitgeber nur 15 Euro mehr Lohn pro Monat. Jetzt gibt es einen Bahnstreik. Das Management reagiert hart und setzt Beschäftigte unter Druck. 

2017 haben die Bahn-Beschäftigten in Österreich 7 Millionen Überstunden geleistet. Und damit zum Funktionieren und Erfolg ihrer Unternehmen beigetragen. Die Bilanz der Schienen-Control für das Jahr: Der Güter-Transport auf Schiene ist um 3,4 Prozent angestiegen, über 290 Millionen Fahrgäste haben die Bahn genutzt. Die Züge waren in 96 Prozent der Fälle pünktlich.

Die Beschäftigten fordern nun eine angemessene Lohnerhöhung. Dazu muss die Inflation von zwei Prozent, das Wirtschaftswachstum von drei Prozent und die um über sechs Prozent gestiegene Produktivität abgegolten werden. Das Angebot der Arbeitgeber liegt im Durchschnitt bei nur 15 Euro pro Monat mehr. Nicht genug, findet Hebenstreit. Auch 80 Prozent der dazu befragten Bahnkunden sehen das so.

„Die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner haben Österreich zum Bahnland Nummer eins in der EU gemacht und lassen sich nicht mit Almosen bei den Gehaltserhöhungen abspeisen“, erklärt Roman Hebenstreit von der Gewerkschaft vida.

Symbolbild: ÖBB Bahnstreik
Bahn-Beschäftigte haben im letzten Jahr 7 Millionen Überstunden geleistet (Foto: ÖBB)

Zustände wie in Deutschland vermeiden

Laut Günter Blumthaler, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Eisenbahn, müssen auch die Einstiegsgehälter für Beschäftige höher sein. Andernfalls wird es künftig schwer, Personal zu finden. Darunter würden am Ende der Standort Österreich und die Fahrgäste leiden.

„Wir müssen Zustände wie in Deutschland unbedingt vermeiden, wo längst ganze Bahnstrecken wegen Personalmangel im Schienenersatzverkehr geführt werden müssen“, erklärt Blumthaler.

Schon heute gibt es oft nicht genügend Personal, um die Schichten abzudecken. Entsprechend hoch sind die Überstunden. Würden Beschäftigte nur ihr Plansoll erfüllen, wäre der Bahnbetrieb nicht aufrechtzuerhalten.

Bahnstreik angekündigt

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat die Gewerkschaft für Montag, den 26. November 2018, mit einem Warnstreik gedroht, wenn die Arbeitgeber ihr Angebot nicht verbessern. Zwischen 12:00 und 14:00 Uhr wird gestreikt.

Kurz nach Beginn des Streiks unterläuft die ÖBB diesen Plan und gibt gekannt, den gesamten Zugverkehr ab 12:00 Uhr einzustellen. Wollte die Gewerkschaft vor allem im Güterverkehr streiken, um Pendler nicht zu treffen, setzt die ÖBB-Führung auf Konfrontation: Durch die Stilllegung des gesamten Verkehrs sollen wohl Bahnkunden verärgert werden, die jetzt zu 80 Prozent hinter den Forderungen der Beschäftigten stehen. Am Umgang mit dem Streik werden Führungsfiguren der ÖBB gemessen werden. Anfang des Jahres hat FPÖ-Verkehrsminister Hofer im ÖBB-Aufsichtsrat Mitglieder ausgetauscht.

Management setzt Beschäftigte unter Druck

Beschäftigte aus 12 Unternehmen haben sich dem Bahnstreik angeschlossen, darunter jene der ÖBB, der Westbahn, der Wiener Lokalbahnen, der Innsbrucker Verkehrsbetriebe und der Steiermarkbahn. Das Management reagiert scharf: Beschäftigte werden unter Druck gesetzt und eingeschüchtert. So sollen Führungskräfte bei der ÖBB den Auftrag haben, streikende Mitarbeiter namentlich zu erfassen und zu melden.

„Für den Fall, dass Sie doch teilnehmen, ist die Abmeldung bei Ihrer Führungskraft zur Aufrechterhaltung des Bahnbetriebs unbedingt erforderlich“, heißt es in einem E-Mail der Konzernpersonalabteilung, das der APA vorliegt.

Auch die Westbahn-Führung reagiert mit Drohungen auf den angekündigten Bahnstreik: Erich Forster, CEO der Westbahn, hat allen Beschäftigte per Mail ausgerichtet: „Es ist egal, was der Betriebsrat sagt. WIR STREIKEN NICHT“. Das Mail liegt Kontrast vor. Weiter heißt es darin: Wer dennoch streiken will, muss das „genau schriftlich“ der Personalabteilung bekannt geben. Für den Streikzeitraum wurde mit einem Entgelt-Einbehalt gedroht.

Hebenstreit von der Gewerkschaft vida hofft, dass sich niemand von „so plumpen Manipulationsversuchen“ täuschen lässt. Unternehmer sollten ihre Machtposition gegenüber den Beschäftigten nicht ausnützen und Abstand von solchen „beispiellosen Einschüchterungsversuchen“ nehmen.

Zum Weiterlesen:

Piloten: Krank im Cockpit, verschuldet und schlecht bezahlt (Kontrast.at)

Amazon-Beschäftigte für höhere Löhne (Kontrast.at)

Parlament Das Thema "Kollektivverträge" im Parlament

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3 Comments
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Ludwig Gerstorfer
Ludwig Gerstorfer
26. November 2018 16:58

Einfach schlimm

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Andreas Steinbach
Andreas Steinbach
26. November 2018 16:57

Die Argumentation war – wenn ich mich richtig erinnere – dass nach Berücksichtigung der Inflation (und möglicherweise anderer Faktoren) nur eine Steigerung von 15 Euro übrig bleibt.

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Heinrich Malzer
Heinrich Malzer
26. November 2018 15:39

2,7% = +15 €
daraus folgt 100% = 555 €
glauben sie das wirklich

wer hat das errechnet ???

Kandidat für Nachhilfestunden in Mathematik

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Inflation

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