Von der Schülervertreterin in Wels zur Frauen- und Wissenschaftsministerin: Eva-Maria Holzleitner hat früh begonnen, sich politisch zu engagieren. Heute ist sie eine der wichtigsten Frauen der österreichischen Sozialdemokratie. Was sie antreibt, was sie bisher umgesetzt hat, welchen Rat sie jungen Frauen mitgibt und welches Fußballteam sie anfeuert, lest ihr hier.
Eva-Maria Holzleitner wurde am 5. Mai 1993 in Wels geboren. Sie stammt aus einem „klassischen ÖVP-Haushalt“, wie sie erzählt. Ihre Sicht auf die Welt führte sie aber in linke Vereine. Am Gymnasium engagierte sie sich als Klassensprecherin, stellvertretende Schulsprecherin und bei der Aktion Kritischer Schüler_innen (AKS). Schon als Jugendliche kritisiert sie, wie stark die Herkunft darüber entscheidet, in welche Schule man gehen kann und welche Bildungsmöglichkeiten jemanden verschlossen bleiben.
„Diese Ungleichheiten, da wollte ich wirklich auch meinen Beitrag dazu leisten, dass die abgebaut werden“, erzählt Holzleitner über ihre Schulzeit.
Erste Berufserfahrung sammelte sie in einer Kartonagenfabrik. Später studierte sie Sozialwirtschaft an der Johannes Kepler-Universität in Linz und schloss das Studium mit einem Bachelor-Titel ab. Holzleitner arbeitete als Tutorin und unter anderem in der Forschung an der Fachhochschule Oberösterreich am Campus Hagenberg.

2017 als jüngste Abgeordnete im Parlament
Mit 19 Jahren trat sie der SPÖ bei. Von 2016 bis 2021 war sie OÖ-Landesvorsitzende der „Jungen Generation“, der Jugendorganisation der SPÖ. 2017 zog sie mit 24 Jahren als eine der jüngsten Abgeordneten in den Nationalrat ein. Dort beschäftigte sie sich vor allem mit Frauen-, Kinder- und Jugendpolitik und arbeitete im Ibiza-Untersuchungsausschuss mit. Holzleitner beantragte beispielsweise während der COVID-Pandemie Unterstützung für Kinder und Jugendliche, die psychisch und gesundheitlich unter der Krise litten und eine Erhöhung des Schulstartgeldes für armutsgefährdete Familien.
Seit 2021 ist sie Vorsitzende der SPÖ-Frauen und damit auch stellvertretende Parteivorsitzende der SPÖ. Zwischen 2023 und 2025 war sie stellvertretende Klubvorsitzende der SPÖ im Parlament.
Nach der Nationalratswahl 2024 wurde sie Teil der Regierung aus ÖVP, SPÖ und Neos. Seit 2. April 2025 ist sie Ministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung.
Ziele für Österreichs Frauen: Gleiche Chancen und ein Leben ohne Gewalt
Holzleitner bezeichnet sich klar als Feministin. Sie sagt, Frauen sollen selbst entscheiden können, wie sie leben und arbeiten – nämlich ohne Rollenklischees und Benachteiligung. Besonders wichtig sind ihr gleiche Bezahlung, eine gerechte Aufteilung der Familienarbeit und der Schutz vor Gewalt. Als Vorbilder nennt sie unter anderem die frühere Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ), die über Parteigrenzen hinweg die Zusammenarbeit suchte, sowie die ehemalige Ministerin und SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek.
Seit ihrem Amtsantritt als Ministerin hat die Regierung unter anderem das Frauenbudget um mehr als 60 Prozent erhöht, die Mehrwertsteuer auf Verhütungsmittel und Menstruationsprodukte abgeschafft und das unaufgeforderte Verschicken von Penisfotos („Dickpics“) strafbar gemacht.
Weitere Schwerpunkte sind der Ausbau der Frauenberatung und des Gewaltschutzes. Dazu hat sie 2025 einen Nationalen Aktionsplan vorgelegt. Holzleitner will außerdem mehr Gehaltstransparenz erreichen, damit Frauen für gleichwertige Arbeit gleich bezahlt werden.

Ziele der Wissenschaftspolitik: Erleichterungen für Studierende
Durch das große Budgetdefizit der Vorgängerregierung muss die Koalition, der Holzleitner angehört, die Einnahmen und Ausgaben neu ordnen, um das Minus auszugleichen. Das betrifft auch den Bereich Wissenschaft. Holzleitner setzte dennoch Pläne um, die Studierende entlasten sollen: Sie führte die Förderung von Studierendenwohnheimen wieder ein, hat die Studienbeihilfe an die Inflation angepast und förderte günstiges Essen in Mensen. Zudem will sie die Fachhochschulen stärken. In der Erwachsenenbildung setzt Holzleitner auf „Lehre mit Matura“ und auf Bildungsangebote, die weiter Basisbildung, also grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen, an Erwachsene vermitteln, die das benötigen. Mehr über das Thema Universitätsbudget steht hier.
Holzleitner ist mit Wels und Rapid verbunden
Trotz ihres Regierungsjobs in Wien ist Eva-Maria Holzleitner weiterhin eng mit Wels verbunden. Sie lebt nach wie vor in der 66.0000 Einwohner-Stadt. Außerdem ist sie Rapid-Fan und verfolgt vor allem die Spiele des Frauenteams. Holzleitner selbst ist im Laufsport aktiv.
Jungen Frauen, die sich politisch engagieren wollen, gibt sie einen einfachen Rat:
„Unbedingt Banden bilden. Gemeinsam ist es immer einfacher denn als Einzelkämpferin.“
Holzleitner: „Es gibt keine Wahlfreiheit für Frauen, wenn das Angebot für Vereinbarkeit fehlt“
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