Hörl Nehammer und Kogler FOTO: Parlamentsdirektion / PHOTO SIMONIS & BKA
Wirtschaft und Finanzen

Fall Hörl: Auch bei massiver Überförderung verhindert die Regierung Rückzahlungen

Parlamentsdirektion / PHOTO SIMONIS & BKA

Der ÖVP-Nationalrat, Hotelier und Seilbahnkaiser Franz Hörl kassierte in den drei Pandemiejahren 1,5 Millionen Euro Corona-Hilfen und fettete damit seine Profite auf. 2020 machte der ÖVP-Politiker mit dem Hotel Gaspingerhof 1,7 Millionen Euro Gewinn. Er ist aber nur einer von vielen Profiteuren der Corona-Krise. Warum holt sich die Regierung das Geld von den überforderten Betrieben nicht zurück? 

46 Milliarden Euro Steuergeld wurden an Österreichs Unternehmen verteilt – zu 80 Prozent finanziert von Arbeitnehmer:innen und Konsument:innen, nur 20 Prozent dieser Hilfen stammen aus Steuern von Unternehmern wie Hörl.

Hörl beschäftigte trotz Hilfen um ein Fünftel weniger Mitarbeiter

Die 1,5 Millionen Corona-Hilfen für den ÖVP-Abgeordneten und Hotelier Franz Hörl haben aber keinen einzigen Arbeitsplatz gesichert. Im Gegenteil: Schaut man sich die Bilanz des Gaspingerhofs aus dem Jahr 2020 an, fällt auf: Das Personal wurde von 2019 auf 2020 von 43 auf 35 Mitarbeiter*innen abgebaut – immerhin ein Fünftel. Die Arbeitnehmer:innen finanzieren also die Milliardenhilfen für Unternehmer, die dann wie Hörl 1,7 Millionen Euro Gewinn schreiben und weniger Mitarbeiter beschäftigen als zuvor.

Kein Einzelfall: Eine Auswertung des Momentum Instituts zeigt, dass 3 von 4 Unternehmen in den Branchen Hotellerie und Gastronomie Corona-Hilfsgelder erhalten haben, obwohl sie Gewinne erzielen konnten. 52 Prozent konnten ihren Gewinn so sogar noch steigern.

Hörl kassiert 1,5 Millionen – Kleinunternehmer warten 2 Jahre auf Hilfen

Das ist das Ergebnis der „Koste es was es wolle“ Ankündigung der Regierung zu Beginn der Pandemie. Ein Grundsatz, der nicht für alle gleichermaßen gilt: Die große Mehrheit von 93 % der Antragsteller musste sich 7,4 Prozent des Fördervolumens aufteilen. Die Top 7,2 Prozent der Unternehmen erhielten hingegen 61,6 Prozent der Corona-Gelder und das Top 1 Prozent erhielt ein Viertel aller Hilfsgelder. Einer von ihnen: ÖVP-Abgeordneter Franz Hörl.

Grafik: 1 Prozent der Unternehmen erhielt 25 Prozent der Corona-Hilfen

1 Prozent der Unternehmen erhielt 25 Prozent der Corona-Hilfen, COFAG, Rechnungshofbericht, RH, Corona Hilfen, eigene Grafik

Das, was die Hörls unseres Landes zu viel bekommen haben, fehlte bei den vielen Klein- und Mittelunternehmen. In der Facebook Gruppe „EPU Österreich – Gemeinsam durch die Krise“ vernetzen sich Kleinunternehmer. Was dort berichtet wird, steht im krassen Kontrast zu Hörls Millionenregen: Eine Unternehmerin berichtet, dass sie zwei Jahre auf ihren Umsatzersatz warten musste. Ein anderer wartet bis heute auf den Fixkostenzuschuss für das Vorjahr. Gerade kleine Unternehmen haben aber kaum finanzielle Polster. Viele haben die Pandemie zwar überstanden, aber die Rücklagen gehen gegen Null und jetzt schlägt auch noch die Teuerung zu.

Regierung verhinderte, dass überförderte Unternehmen Gelder zurückzahlen müssen

Während die Regierung den strauchelnden Kleinunternehmen ein paar löchrige Rettungsreifen hinwarf, lagen Hörl und Konsorten ohne Not am Strand und ließ sich von den Rettungsschwimmern bedienen.

Diese Ungerechtigkeit könnte man schnell wieder ausgleichen. Ökonomen schlagen etwa eine Sondersteuer für überförderte Unternehmen vor. Das Finanzministerium könnte sich jeden Euro, der aus ökonomischer Sicht zu viel subventioniert wurde, wieder zurückholen. Geld, dass der Staat angesichts der Teuerungswelle gut gebrauchen könnte. Ein Antrag der SPÖ, der genau das ermöglicht hätte, wurde schon im Jänner im Nationalrat diskutiert und von den Regierungsparteien und den Neos abgelehnt. Lautstark dagegen: Die ÖVP und ihr Franz Hörl.

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Bernd
Bernd
16. November 2022 07:49

Ich zahle meine Steuern gerne… ich will aber, daß meine Steuern für das Gesundheitssystem, freier Zugang zur Bildung, für die Sicherheit und die Lebensqualität in Österreich verwendet werden. Ich arbeite hier und mein Geld soll im Land bleiben.
Grüne und Schwarze (Türkis ist doch bloß eine Maske) sind Verbrecher auf der Regierungsbank. Und Nein, ich sage auch nicht, daß Rot, Rosa oder Blau nur einen Deut besser sind.
Die Menschen in unserer Politik sind großteils letztklassige Asoziale.

Herby
Herby
11. November 2022 08:59

Genau hier müssten die SPÖ sowie die anderen Oppositionsparteien aufschreien und eine Rückzahlung oder zumindest eine hohe Überbesteuerung verlangen.
Aber Rendi Wagner und Co. hüllen sich mehr oder weniger in Schweigen.
Es ist gelinde gesagt eine Sauerei, wie derzeit mit unseren Steuergeldern umgegangen wird.

Christoph Thoma
Christoph Thoma
11. November 2022 06:12

Hörl ist, was er schon immer war: Ein aufgeblasener Frosch – Bildungsgrad Poltergeist, Charaktertugend Raffgier. Insofern auch ein Spiegel der WK-Touristiker:innen. Der ÖVP eh.

Günter
Günter
10. November 2022 19:21

Die vollständige Rechnung: 7,4 Prozent Lohnplus der Metaller bei 11 Prozent Inflation bedeuten einen beachtlichen Reallohnverlust. Gute Nacht, Österreich, wenn dieses Ergebnis Vorbildcharakter für die gesamte Tarifrunde haben sollte.

Hansl
Hansl
10. November 2022 17:20

Für diese Profitöre ist es gewinnbringender, sich gekaufte Politiker zu halten. Aber wir haben sie ja gewählt! Ich schäme mich für diese Pagage. Frau Pamela Rendi Wagner, sie werden mir immer sympatischer, aber nicht nur weil sie fesch sind!

saloo
saloo
Reply to  Hansl
10. November 2022 18:46

so ein mist erstens ist es egal welche Politiker oder Partei jede hat seine leichen im keller egal ob schwarz rot Blau Neos ! soagr die grünen haben ihre leichen im keller und das mit der rendy schau sie dir an wenn sie ungeschminkt ist na ok aber ihre Qualifikation zb zum thema Medizin wenn sie so auch Kocht würdest die verhungern

Monikaluise
Monikaluise
Reply to  saloo
10. November 2022 23:08

Eigentlich verfehlen Sie das Thema! Es geht nicht um Rendi Wagner, sondern um unsere Steuergelder, die uns gestohlen wurde um die Freunderlwirtschaft von Türkis und Grün, die mit Millionen beschenkt wurden. Also beschimpfen nicht Hans, sondern denken Sie vorher nach was Sie schreiben.

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