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Interne Monsanto-Mails: Glyophosat verdoppelt Krebsrisiko, Konzern verheimlicht Testergebnisse

Glyphosat Monsanto Traktor

Marco Pühringer Marco Pühringer
in Europa, Landwirtschaft
Lesezeit:4 Minuten
3. September 2018
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Der Mailverkehr der Glyphosat-Verantwortlichen von Monsanto wurde geleakt. Die Mails zeigen: Der Konzern wusste, dass Glyphosat das Krebs-Risiko verdoppelt und zu Nieren- und Hirnschäden führen kann. Die Test-Ergebnisse sollten verheimlicht werden. Hier die geleakten Mails.

Ein kalifornisches Gericht verurteilte Monsanto im August 2018 zu einem Schadensersatz von 250 Millionen US Dollar an einen krebskranken Mann. Dieser machte das Pflanzengift Glyphosat für seine Krebserkrankung verantwortlich – und die Geschworenen gaben ihm Recht. Unter anderem, weil während der Verhandlung Mails zur Sprache kamen, die den Konzern schwer belasten. Die Mails wurden auch dem Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) zugespielt, der nun versucht Glyphosat zumindest in Kärnten zu verbieten.

Der E-Mail-Verkehr führender Monsanto-Toxikologen beweist: Monsanto wusste über die Gefahr von Glyphosat Bescheid. Das Pestizid verdoppelt das Risiko an Krebs zu erkranken und ein Beistoff kann zu Krebs, Nieren- und Hirnschäden führen. Der Konzern hat das einfach ignoriert und stattdessen versucht, zu anderen Testergebnissen zu kommen. Die Causa Glyphosat im Überblick.

ÖVP und FPÖ im EU Parlament nicht für Glyphosat Verbot

Schon länger gab es den Verdacht, dass Glyphosat potenziell krebserregend ist. Darum wurde auch im EU-Parlament eine nicht bindende Resolution gegen die Neuzulassung des Pestizids eingebracht. Sie ging damals knapp durch. Interessant ist das Abstimmungsverhalten der österreichischen EU-Abgeordneten: Während SPÖ und Grüne gegen eine Neuzulassung des Pflanzengifts stimmten, enthielt sich die ÖVP – NEOS und FPÖ stimmten sogar für eine Neuzulassung. Abstimmung Zulassung Monsanto Glyphosat

Denn Landwirtschaftsministerin Köstinger traute sich schon als EU-Abgeordnete nicht zu, hier eine Entscheidung zu treffen. So sagte Köstinger nachdem sie und die gesamte ÖVP-EU-Delegation sich ihrer Stimme enthielten: „nicht Politiker, sondern Experten sollen entscheiden.“

Mails könnten zu Neuprüfung der Zulassung führen

Die EU-Kommission entschied damals, das Pestizid nur für weitere fünf Jahre, anstelle von eigentlich geplanten 10 Jahren zuzulassen. Nach dieser Frist sollte Glyphosat ganz aus Europa verschwinden. Österreich setzte sich dafür ein, das Pflanzengift sofort zu verbieten. Grund dafür war ein Antrag im EU-Unterausschuss des Parlaments, der gegen die Stimmen von ÖVP und Neos beschlossen wurde: Der Antrag verpflichtete den Landwirtschaftsminister dazu, in der EU gegen Glyphosat zu stimmen.

Jetzt könnten die geleakten Mails zu einer erneuten Prüfung der Zulassung führen.

Mails zeigen: Glyphosat verdoppelt Risiko an Krebs zu erkranken

Schließlich finden sich darin Passagen, die zeigen: Glyphosat ist gefährlich und Monsanto weiß das schon lange. So sendete ein Monsanto-Mitarbeiter an seine Kollegin Donna eine Studie, in der es heißt: 

„Die Fall-Kontroll-Studie ergibt ein Chancenverhältnis (OR) von 2,02 für Gyphosat-Exposition (eine zweifache Wahrscheinlichkeit die Krankheit zu bekommen) (…)“

Die Krankheit, um die es geht ist das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) – eine Krebserkrankung des Immunsystems. 

Donna antwortete darauf: 

„Danke, dass Sie mir das geschickt haben. Uns ist dieses Dokument schon seit einiger Zeit bekannt, und wir wussten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Aktivisten es aufgreifen. (…) Hier ist die Quintessenz … Wie bekämpfen wie das?“

Glyphosat kann zu Genmutationen führen

In einer anderen Mail einer Toxikologin heißt es:

„Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass das, was uns schon lange Sorgen bereitet hat, nun eingetreten ist. Glyphosat soll im März 2015 von IARC geprüft werden.“

Warum der von Bayer gekaufte Agro-Konzern Angst vor einer Krebs-Prüfung seines Pesizids hat, zeigt sich in anderen Mails. Monsanto weiß etwa, dass Glyphosat zu Veränderungen des Genmaterials führen kann. Durch solche Veränderungen kann zum Beispiel das Risiko an Krebs zu erkranken, erhöht werden. In etwas sperriger Wissenschaftssprache heißt es dazu in einem Mail:

„Dr. Perry kommt bei seiner Beurteilung der vier Artikel zu der Schlussfolgerung, dass Glyphosat sowohl in vivo als auch in vitro mittels eines Mechanismus Genotoxizität hervorrufen kann, der auf der Erzeugung von oxidativen Schaden beruht.“

Beistoff von Monsanto-Produkten kann zu Nieren- und Hirnschäden führen

Außerdem wird auf die Gefahr von Ethylenglycol aufmerksam gemacht. Dieser Stoff war laut einer E-Mail „im Laufe der Zeit einmal Bestandteil und dann wieder Nicht-Bestandteil etlicher unserer Produkte“. Die Gefahr des Stoffes wird in derselben Mail dargestellt:

„Ethylenglycol kann bei nicht-tödlichen Dosen zu irreversiblen Nierenschaden und neurologischen Verletzungen führen und ist bei frühzeitiger Erkennung gut behandelbar, allerdings wird der entsprechende Wert in toxikologischen Krankenhauslaboratorien nicht routinemäßig gemessen.“

Monsanto versucht zu vertuschen

Der Konzern versucht, die Gefahr seiner Produkte zu vertuschen. So kann man in einer Mail davon lesen, dass es bei Tierversuchen zu drei Todesfällen kam. Glyphosat als Ursache konnte man nicht ausschließen. Der Monsanto Mitarbeiter Bill schlägt seinen Kollegen daraufhin vor, die Versuchsanordnung zu ändern und unter anderem nur männliche Tiere zu verwenden. Er hofft, dass das Experiment dann zu anderen Ergebnissen kommen wird und fragt deshalb seine Kollegen:

„Sind Sie zuversichtlich, dass Sie die Beamten der Aufsichtsbehörde dazu bringen können, die 3 Todesfälle in der früheren Studie zur Gänze zu ignorieren, wenn wir bei der nachfolgenden Studie keine Todesfälle mehr haben?“

Glyphosat-Verbot könnte einfach im Ministerrat beschlossen werden

Auf unseren Feldern und in unserer Luft ist also ein Pestizid, dass das Krebsrisiko verdoppelt. Monsanto wusste die ganze Zeit davon, spätestens jetzt müssten das auch die politischen Verantwortungsträger wissen. Die Lösung wäre eine sehr einfach. Die Regierung könnte schon beim nächsten Ministerrat ein österreichweites Verbot beschließen.

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4 Comments
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Duc Lam
Duc Lam
20. Februar 2020 22:38

Zufällig ist die Gesetzes änderung ,das Verbot von Glyphosat nicht bei der EU eingereicht worden .
Ganz ausversehen ist das Verbot noch nicht in Österreich in Kraft getreten.
Warum nur aus Angst etwa oder Korruption.
Das das Mittel zur entvölkerung beiträgt wissen die meisten doch ist es noch das selbe wie Völkermord oder Vergiftung der Staatsbürger.
Die Menschen wissen es und sind nur weil es falsch Nachrichten gibt nicht wenig klug, es ist wenig klug die Menschen für dumm zuhalten.
Ich bitte alle um etwas mehr Menschlichkeit, ökonomischere denkweise und weniger Profitgier.
So etwas wie Glyphosat zu genehmigen ist unverzeihlich.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit

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nicknack
nicknack
4. September 2018 07:41

Ist das wirklich „Zugespielt“ wenn sie einfach aus den Prozessakten in den USA kommen? https://kurier.at/chronik/oesterreich/glyphosat-spoe-kaernten-legt-sich-mit-monsanto-an/400105811

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Mit Monsanto?
Mit Monsanto?
Reply to  nicknack
4. September 2018 09:11

Dachte, die sind jetzt Bayer.

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Stäääärkt
Stäääärkt
3. September 2018 23:39

die AK, besonders das dort integrierte Amt namens „Konsumentenschutz“!

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Frauen werden für bewiesene Leistung befördert, Männer für das, von dem wir glauben, dass sie es vielleicht einmal leisten werden. In ihrem neuen Buch Funkenschwestern beschreibt Barbara Blaha, warum Männer im Gegensatz zu Frauen von Geburt an unter einem „Kompetenzverdacht“ stehen – und welche Folgen das in Schule, Beruf und Gesellschaft hat. Im Podcast-Interview mit Kontrast spricht Blaha über die vielen „Lücken“, die das Leben von Frauen mühsamer machen: Die Einkommenslücke, die ungleiche Verteilung von Hausarbeit und Freizeit, schlechter wirkende Medikamente und die Gewalt, die wir als Gesellschaft schlicht in Kauf nehmen, solange sie „nur“ gegen Frauen gerichtet ist. Gleichzeitig richtet Blaha den Blick nach vorne. Feminismus, sagt sie, kann nicht heißen, Männer auszuschließen. Wir müssen sie zu Verbündeten machen. Denn nur so machen wir unsere Gesellschaft gerechter und für alle besser. Zitat: Wir müssen in der Erziehung von Buben darauf achten, dass sie ihre Herzenswärme und den Zugang zu ihren Gefühlen behalten. Buben sollen nicht ihre Empathie verdrängen, weil die angeblich "unmännlich" ist. Barbara Blaha

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Frauen werden für bewiesene Leistung befördert, Männer für das, von dem wir glauben, dass sie es vielleicht einmal leisten werden. In ihrem neuen Buch Funkenschwestern beschreibt Barbara Blaha, warum Männer im Gegensatz zu Frauen von Geburt an unter einem „Kompetenzverdacht“ stehen – und welche Folgen das in Schule, Beruf und Gesellschaft hat. Im Podcast-Interview mit Kontrast spricht Blaha über die vielen „Lücken“, die das Leben von Frauen mühsamer machen: Die Einkommenslücke, die ungleiche Verteilung von Hausarbeit und Freizeit, schlechter wirkende Medikamente und die Gewalt, die wir als Gesellschaft schlicht in Kauf nehmen, solange sie „nur“ gegen Frauen gerichtet ist. Gleichzeitig richtet Blaha den Blick nach vorne. Feminismus, sagt sie, kann nicht heißen, Männer auszuschließen. Wir müssen sie zu Verbündeten machen. Denn nur so machen wir unsere Gesellschaft gerechter und für alle besser. Zitat: Wir müssen in der Erziehung von Buben darauf achten, dass sie ihre Herzenswärme und den Zugang zu ihren Gefühlen behalten. Buben sollen nicht ihre Empathie verdrängen, weil die angeblich "unmännlich" ist. Barbara Blaha
Frauen werden für bewiesene Leistung befördert, Männer für das, von dem wir glauben, dass sie es vielleicht einmal leisten werden. In ihrem neuen Buch Funkenschwestern beschreibt Barbara Blaha, warum Männer im Gegensatz zu Frauen von Geburt an unter einem „Kompetenzverdacht“ stehen – und welche Folgen das in Schule, Beruf und Gesellschaft hat. Im Podcast-Interview mit Kontrast spricht Blaha über die vielen „Lücken“, die das Leben von Frauen mühsamer machen: Die Einkommenslücke, die ungleiche Verteilung von Hausarbeit und Freizeit, schlechter wirkende Medikamente und die Gewalt, die wir als Gesellschaft schlicht in Kauf nehmen, solange sie „nur“ gegen Frauen gerichtet ist. Gleichzeitig richtet Blaha den Blick nach vorne. Feminismus, sagt sie, kann nicht heißen, Männer auszuschließen. Wir müssen sie zu Verbündeten machen. Denn nur so machen wir unsere Gesellschaft gerechter und für alle besser. Zitat: Wir müssen in der Erziehung von Buben darauf achten, dass sie ihre Herzenswärme und den Zugang zu ihren Gefühlen behalten. Buben sollen nicht ihre Empathie verdrängen, weil die angeblich "unmännlich" ist. Barbara Blaha

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