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Rechtsextreme in Italien wollen Scheidung erschweren und den Unterhalt abschaffen

Rechtsextreme in Italien wollen Scheidung erschweren und den Unterhalt abschaffen

Patricia Huber Patricia Huber
in Europa, Frauen & Gleichberechtigung
Lesezeit:2 Minuten
8. April 2019
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Hunderttausende Menschen gehen in Italien auf die Straße, weil sie Teil einer „modernen Gesellschaft bleiben wollen“. Denn der rechte Lega-Senator Simone Pillon will mit einem Gesetz Scheidungen erschweren und den Unterhalt für Kinder geschiedener Mütter abschaffen. Vor allem Frauen fürchten um ihre Rechte.

„Ich fange an Silvio Berlusconi nachzutrauern, nicht einmal er hätte ein solches Gesetz erlassen“, sagt die italienische Schriftstellerin Michaela Murgia. Mittlerweile seien selbst die Kirche und der Papst moderner als das Frauenbild der rechten Regierung in Italien, sagen einige der hundertausend Protestierenden gegen die geplante Änderung des Familien- und Unterhaltsrechts in Italien.

Gesetz Pillon: Scheidungen erschweren, Frauen entrechten

Es geht um das Gesetz-Pillon. Simone Pillon ist Senator der rechtsextremen Lega und will, dass italienische Frauen wieder mehr Kinder auf die Welt bringen. Die moderne Frau ist ihm ein Dorn im Auge. Gemeinsam mit der religiösen Rechten aus aller Welt hat er Ende März beim 3. Weltkongress der Familien in Verona – vor allem mit Männern – darüber beraten, wie man Scheidungen verhindern und Frauen zum Kinderkriegen bringen kann. Das hat in ganz Italien hunderttausende auf die Straßen getrieben, die das Familienrecht nicht um 70 Jahre zurückdrehen wollen.

Pillons Gesetzesentwurf sieht vor, dass Scheidungen nur dann möglich sein sollen, wenn sich Paare zuvor einer verpflichtenden Beratung oder Mediation unterziehen. Pillon selbst ist Rechtsanwalt, spezialisiert auf Familienmediation. Auf der Homepage seiner Kanzlei bewirbt er genau jene Beratung bei familiären Streitigkeiten, die bald verpflichtend werden soll. Eine solche Anwalts-Beratung muss privat gezahlt werden – für viele Frauen mit kleinen oder gar keinem Einkommen schwer zu bezahlen.

Geteiltes Sorgerecht auch in Fällen von häuslicher Gewalt

Außerdem sollen Unterhaltszahlungen für Kinder abgeschafft werden. Denn beide Eltern sollen auch nach der Scheidung das geteilte Sorgerecht erhalten – selbst in Fällen häuslicher Gewalt, solange die Kinder nicht betroffen sind.

Familienrechtsexperten fürchten daher, dass die Scheidung gerade in Fällen häuslicher Gewalt für Frauen und Kinder gefährlicher werden könnte. Die UNO-Referentin gegen Gewalt gegen Frauen hat einen offenen Brief an die italienische Regierung geschrieben: Das Gesetz könnte „einen schweren Rückschritt bewirken, der die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern fördert“ und „Überlebende von häuslicher Gewalt wichtiger Schutzmaßnahmen beraubt“.

Geschiedener Salvini erklärte Gesetz zur Priorität

Lega-Chef und Innenminister Matteo Salvini hat diese Reform des Sorge- und Familienrechts im November noch zu seinen Prioritäten erklärt. Denn italienische Frauen sollen wieder mehr Kinder zur Welt zu bringen und die traditionelle Familie gestärkt werden. Salvini selbst nahm das Recht auf Scheidung freie Partnerwahl schon in Anspruch: Er ist geschieden und hat zwei Kinder von zwei verschiedenen Frauen.

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Gerhard Ranftler
Gerhard Ranftler
9. April 2019 13:48

Also als Erstes: Der Mann muss ja noch gewählt werden und wenn Italiener ihn wählen, dann sind auch sie seiner Meinung – was ich mir nicht vorstellen kann.
Aber, ich hatte 1988 meine erste Scheidung und der Richter bei Gericht hat einen Versöhnungsversuch machen müssen – hat die Scheidung aber nicht verhindert.
Thema Scheidung: meine zweite Scheidung dauerte zwei Minuten, also ging rasch über die Bühne. Auf Grund meiner Erfahrungen gehen Scheidungen wirklich zu einfach.
Wenn gemeinsame Kinder da sind, darf die Scheidung nur der letzte Schritt sein. Man müsste der meistens jungen Eheleuten helfen um weiter zusammen leben zu können und wenn das nichts nützt, dann sollen die Eheleute wissen, was eine Scheidung in ihrem weiteren Leben bedeutet. Was wird sich Alles verändern. Erst danach soll es auch eine Scheidung geben können. Wenn Gewalt dabei ist, gilt der vorherige Satz nicht.

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walter Kern
walter Kern
Reply to  Gerhard Ranftler
10. April 2019 10:59

ich ärgere mich nicht über den gegenständlichen Bericht. Dieser Vorschlag dieses Politikers ist für mich so absurd, dass ich nicht annehme, dass dies jemals umgesetzt werden könnte. Mich verwundert und stört das Verhalten und die Reaktionen der bzw. vieler Wähler. Da geben Politiker, weltweit und jeglichen Couleurs – ganz bewusst – nur um zu gezielt zu provozieren – Dinge von sich, die jedem halbwegs normal denkenden Mitmenschen die Schweißperlen aus der Stirne drücken müssten. Doch nichts passiert! Kein Aufschrei! Hie und da jubelt sogar wer! Im Gegenteil! Da hör ich so Dinge wie „hat ned ganz unrecht“ etc. Und diese Unholde werden in Folge sogar gewählt. In vielen Staaten dieser Welt hatte die Sozialdemokratie das Sagen und dennoch den Zugang zu ihren Wählern verloren. Letztere haben nun die Macht an die Opposition gewählt bzw. sich von lauten Versprechen jener verleiten lassen, die mit allen Mitteln an die Macht wollten. Nun haben sie diese und wie zu erwarten wird sie dafür verwendet, um soziale und demokratische Grundsätze abzubauen. Da wird dann auch über das Ziel hinausgeschossen – wie in diesem Fall. Was keine Rolle spielt – weil das keinerlei Konsequenzen bei den Wählern auslöst.

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Frauen werden für bewiesene Leistung befördert, Männer für das, von dem wir glauben, dass sie es vielleicht einmal leisten werden. In ihrem neuen Buch Funkenschwestern beschreibt Barbara Blaha, warum Männer im Gegensatz zu Frauen von Geburt an unter einem „Kompetenzverdacht“ stehen – und welche Folgen das in Schule, Beruf und Gesellschaft hat. Im Podcast-Interview mit Kontrast spricht Blaha über die vielen „Lücken“, die das Leben von Frauen mühsamer machen: Die Einkommenslücke, die ungleiche Verteilung von Hausarbeit und Freizeit, schlechter wirkende Medikamente und die Gewalt, die wir als Gesellschaft schlicht in Kauf nehmen, solange sie „nur“ gegen Frauen gerichtet ist. Gleichzeitig richtet Blaha den Blick nach vorne. Feminismus, sagt sie, kann nicht heißen, Männer auszuschließen. Wir müssen sie zu Verbündeten machen. Denn nur so machen wir unsere Gesellschaft gerechter und für alle besser. Zitat: Wir müssen in der Erziehung von Buben darauf achten, dass sie ihre Herzenswärme und den Zugang zu ihren Gefühlen behalten. Buben sollen nicht ihre Empathie verdrängen, weil die angeblich "unmännlich" ist. Barbara Blaha

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