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„Die Menschen wollen ein pro-europäisches, demokratisches Ungarn“: OSZE-Wahlbeobachterin Wieninger über die Wahl

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Pia Wieninger als Wahlbeobachterin in Ungarn. (Foto: Parlamentsdirektion/Thomas Topf; Norbert Banhalmi/CC BY-SA 4.0; Montage)

Pia Wieninger als Wahlbeobachterin in Ungarn. (Foto: Parlamentsdirektion/Thomas Topf; Norbert Banhalmi/CC BY-SA 4.0; Montage)

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Internationales
Lesezeit:3 Minuten
13. April 2026
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Nach der Wahl in Ungarn vollzieht sich einer der größten Machtwechsel in der noch jungen demokratischen Geschichte unseres Nachbarlandes. Péter Magyar und seine liberal-konservative Partei TISZA haben mit rund 53 Prozent der Stimmen, 138 von 199 Sitze und so die Zweidrittelmehrheit im Parlament gewonnen. Nach 16 Jahren als Regierungschef stürzte Viktor Orbáns Partei FIDESZ auf 38,4 Prozent (Minus 15,7 Prozent) und nur noch 55 Mandate ab. Trotz des klaren Wahlsiegs von Magyar ist der Machtwechsel aber noch nicht vollzogen: Denn das System Orbán ist durch den Abbau des Rechtsstaats, Nationalismus und Korruption tief im Staatsapparat verankert. Kontrast hat die OSZE-Wahlbeobachterin und Nationalratsabgeordnete Pia Wieninger (SPÖ) gefragt, wie die Wahl in Ungarn abgelaufen ist, ob es Unregelmäßigkeiten gab und was vom zukünftigen Machtwechsel zu erwarten ist.

Nachdem sich der klare Sieg von Magyar und TISZA bereits nach Wahlschluss abgezeichnet hat, räumte Viktor Orbán seine Niederlage noch am Wahlabend öffentlich ein. In Budapest feierten tausende Menschen das Ende der Ära Orbán. International gilt das Ergebnis als Chance für ein Ende von Ungarns Blockadepolitik gegenüber der EU nach Jahren der Konfrontation.

Das Ergebnis ist auch deshalb bemerkenswert, weil es laut der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) während des Wahlkampfs keine fairen Wettbewerbsbedingungen gab. So nutzte Orbán staatliche Ressourcen und seinen Einfluss auf den größten Teil der „klassischen“ Medien, während unabhängiger Journalismus benachteiligt war. Nur im Social-Media-Bereich konnte Magyar dieses Missverhältnis ausgleichen. Trotz professioneller Durchführung der Wahl stellte die OSZE fest, dass kein fairer Wahlkampf stattgefunden hat, da Orbán auch die staatlichen Institutionen unter seiner Kontrolle hatte.

Zugleich werden Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl gestreut: Noch vor den ersten Ergebnissen kursierten bereits Gerüchte über Wahlmanipulation. Einige davon kamen auch aus Österreich und wurden vom FPÖ-nahen Medium AUF1 verbreitet.

Kontrast: Kannst du die Stimmung in Budapest vor der Wahl und am Wahlabend beschreiben?

Pia Wieninger: Vor dem Wahlabend war die Anspannung noch spürbar. Aber auch der Wunsch nach Veränderung. Am Wahlabend haben die Ungar:innen schon während der Auszählung auf den Straßen gefeiert, die Freude war sehr groß. Vor allem die jungen Menschen haben auf ihren Plakaten und in ihren Sprechchören klargemacht, dass sie ein pro-europäisches, demokratisches Ungarn wollen.

Kontrast: Wie beurteilst du den Ablauf der Wahl?

Pia Wieninger: Ich habe das Prozedere als sehr professionell und standardisiert wahrgenommen. Alles war transparent, die Parteien hatten Wahlbeisitzer:innen in den Wahlkommissionen und es ist alles ruhig und nach standardisierten Abläufen durchgeführt worden.

Ich war positiv überrascht, wie freundlich wir als internationale Wahlbeobachter:innen in den Wahllokalen aufgenommen wurden und wie professionell die Wahlkommissionen gearbeitet haben.

Auch die Wähler:innen haben sich teilweise bei uns bedankt. Man hat uns eine Wertschätzung entgegengebracht, mit der ich nicht gerechnet hätte und die mich berührt hat. Das zeigt auch, wie wichtig den Menschen faire und demokratische Wahlen sind.

Die Wahlbeteiligung lag bei über 77 Prozent. Das ist schon besonders, oder?

Pia Wieninger: Auch untertags war die hohe Wahlbeteiligung spürbar. Schon am Vormittag war ein Großteil der registrierten Wähler:innen da. Es war klar, dass es den Ungar:innen wichtig war, von ihrem demokratischen Recht Gebrauch zu machen. Und ja, es war sicher ein historischer Moment und ein Sieg der Demokratie.

Feiernde Menschen in Budapest; Foto: Pia Wieninger

Welche Herausforderungen siehst du für die Übergangsphase bis zur neuen Regierung?

Pia Wieninger: Die größte Herausforderung wird es wohl sein, dass Magyar alle Gruppen und Parteien, die ihn unterstützt haben, und deren Forderungen unter einen Hut bringt. Die Jugend fordert wirtschaftliche Möglichkeiten, eine Reform des Bildungs- und Gesundheitssystems und eine erneute Annäherung Ungarns an die EU. Magyar hat die Wahl gewonnen, aber jetzt muss er als Gewinner natürlich auch liefern.

Orbán hat seine Niederlage überraschend schnell eingestanden und noch am Wahlabend Péter Magyar zum Sieg gratuliert. Kann man davon ausgehen, dass vor der Wahl oder spätestens jetzt Deals zwischen der Fidesz und Tisza ausgehandelt wurden? Zum Beispiel in Sachen Korruptions-Bekämpfung?

Pia Wieninger: Das ist nicht auszuschließen. Aber nachdem der Kampf gegen Korruption und den „Vetternwirtschafts-Kapitalismus“ eines der Wahlmotive für die Tisza war, wäre das wohl ein Affront gegen die Tisza-Wähler:innen.

Pia Maria Wieninger
© Minitta Photography/Minitta Kandlbauer

Pia Wieninger ist Nationalratsabgeordnete der SPÖ aus Wien und Bereichssprecherin für Europa sowie für Menschenrechte, Minderheiten, Volksgruppen. Zu ihren politischen Schwerpunkten gehören unter anderem Frauenrechte, Internationale Politik und Arbeit. Wieninger wurde von der OSZE als Wahlbeobachterin zu den Parlamentswahlen in Ungarn 2026 entsandt.

 

 

 

Machtwechsel in Ungarn: Das plant Péter Magyar jetzt

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3 Comments
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Bismarck
Bismarck
15. April 2026 23:59

Die Ungarn wollen tatsächlich das, was sie gewählt haben ?

Tisza, eine Abspaltung von Orbans rechter Fideszpartei und die rechts-
extreme MiHazank , also 3 rechte Parteien im Parlament ? Keine libe-
rale Partei? Keine linke Partei ?

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lichtenberg
lichtenberg
14. April 2026 00:24

die SPÖ Abgeordnete Wieninger hat verschlafen dass es die Europä-
ische Union nicht mehr gibt; die Leyen-Kommission hat die Union Schritt für Schritt demontiert – das
sagt Petra Erler, Sozialdemokratin und Mitglied der Kommission Prodi.

Es ist eine Tragik wie ahnungslos die
Abgeordnete Wienunger ist.

0
0
Antworten
lichtenberg
lichtenberg
14. April 2026 00:15

Eine neue Partei, von 0 % auf 54%
Wie ist das möglich? Mit Frustration , enttäuschten Wählern, mit dem Wunsch nach Veränderung usw. ist
sowas NICHT zu erklären. Wie dann ?

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Demokratie

Demokratie bedeutet „Volksherrschaft“. In modernen Demokratien entscheidet die Bevölkerung meist nicht über jede Frage selbst, sondern wählt Vertreterinnen und Vertreter. Diese treffen politische Entscheidungen im Parlament oder in der Regierung. Wichtig sind freie und faire Wahlen, Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und der Schutz von Minderheiten. Auch Mehrheiten müssen sich an die Verfassung halten. In Österreich dürfen österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ab 16 Jahren bei Nationalratswahlen wählen. Bei Wahlen entscheiden sie, welche Parteien und Personen sie im Parlament vertreten sollen. Das nennt man repräsentative Demokratie. Zu einer Demokratie gehört auch Meinungsfreiheit. Menschen dürfen ihre Meinung äußern und die Regierung kritisieren. Die Meinungsfreiheit hat aber Grenzen, zum Beispiel wenn jemand andere bedroht, gegen Gruppen hetzt oder nationalsozialistische Verbrechen leugnet oder verharmlost. In einer

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Menschenrechte

Menschenrechte sind Rechte, die jedem Mensch zustehen – aus dem alleinigen Grund, dass er oder sie ein Mensch ist. Menschenrechte gelten für jeden Menschen (Gleichheitsaspekt) und gelten überall auf der Welt. Es dürfen keine Unterschiede nach Hautfarbe, Geschlecht, Religion, Herkunft, politischer Überzeugung oder aus anderen Gründen gemacht werden. Alle Menschen haben die gleichen Rechte – die Menschenrechte sind daher Gleichheitsrechte und erlauben keine Diskriminierung. Sie werden auch als angeboren, unverletzlich, unveräußerlich und unabhängig von der Staatsangehörigkeit bezeichnet. Der Tag der Menschenrechte wird am 10. Dezember gefeiert. Es ist der Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde.

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FPÖ

Die FPÖ gibt sich gerne als „soziale Heimatpartei“. Egal ob unter Jörg Haider, Heinz-Christian Strache oder jetzt Herbert Kickl. Sie tut so, als ob sie die Partei der “kleinen Leute” wäre. Doch egal, ob in Opposition oder Regierung: Die FPÖ vertritt gemeinsam mit der ÖVP Konzerne und Österreichs Reichste. Hier der Beweis!

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